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Ein Praktikum vor der Ausbildung zeigt Ihnen, welche Aufgaben zu einem Beruf gehören und wie der Arbeitsalltag aussieht. Sie lernen einen Betrieb kennen, stellen Fragen und prüfen, ob der Beruf zu Ihren Vorstellungen passt. Besonders hilfreich sind konkrete Tätigkeiten und Rückmeldungen.
Ein Praktikum hilft bei der Berufswahl, garantiert aber keinen Ausbildungsplatz. Legen Sie vorher ein Lernziel fest, beobachten Sie den Arbeitsalltag und werten Sie Ihre Eindrücke anschließend aus.
Legen Sie ein Lernziel fest
Überlegen Sie vor dem ersten Tag, was Sie herausfinden möchten. Wenn Sie sich zum Beispiel für eine Ausbildung in einer Werkstatt interessieren, klären Sie, welche Tätigkeiten zum Alltag gehören, wie viel Sie mit Kunden zu tun haben und welche körperlichen Anforderungen die Arbeit stellt. So erfahren Sie, was die Arbeit im Alltag umfasst, statt nur zu prüfen, ob Ihnen der Betrieb gefällt.
Fragen Sie auch nach der Ausbildung: Wie sieht ein typischer Ausbildungstag aus? Welche Aufgaben übernehmen Auszubildende? Mit wem können Sie über den Beruf sprechen? Wenn Sie schon wissen, was Ihnen wichtig ist, fällt es leichter, die passenden Fragen zu stellen. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt ebenfalls, sich vorab mit dem Betrieb zu beschäftigen und offene Fragen zu notieren.
Beobachten Sie den Berufsalltag
Achten Sie während des Praktikums darauf, welche Aufgaben regelmäßig anfallen und welche nur gelegentlich vorkommen. Notieren Sie konkrete Situationen, die Sie überrascht haben, und Tätigkeiten, die Ihnen leicht oder schwerfielen. Die Erinnerung an konkrete Aufgaben hilft Ihnen später mehr als der allgemeine Eindruck: „Es war interessant.“
Suchen Sie das Gespräch mit Beschäftigten und Auszubildenden. Fragen Sie, welche Fähigkeiten im Beruf wichtig sind und was am Anfang der Ausbildung besonders anspruchsvoll ist. Wenn Sie etwas nicht verstehen oder eine Aufgabe anders erwartet haben, sprechen Sie es an. Die Bundesagentur für Arbeit rät dazu, Fragen zu stellen und Eindrücke festzuhalten.
Ein Schülerpraktikum dauert laut Bundesagentur für Arbeit in der Regel ein bis drei Wochen. In dieser Zeit lernen Sie einzelne Seiten des Berufs kennen, aber nicht unbedingt alle Aufgaben oder den gesamten Jahresablauf. Denken Sie deshalb auch daran, welche Aufgaben Sie während des Praktikums nicht kennengelernt haben.

Werten Sie Ihre Eindrücke aus
Nehmen Sie sich nach dem Praktikum Zeit, um Ihre Eindrücke zu ordnen. Was hat Ihnen gefallen? Was fiel Ihnen schwer? Welche Arbeitsbedingungen waren anders als erwartet? Fragen Sie außerdem nach Rückmeldung: Wie haben die Beschäftigten Ihre Mitarbeit erlebt, und welche Fähigkeiten sollten Sie noch stärken? Bitten Sie auch um eine Praktikumsbescheinigung.
Beurteilen Sie Beruf und Betrieb getrennt. Wenn Ihnen das Praktikum nicht gefallen hat, kann das an den Tätigkeiten liegen, aber auch an der Betreuung oder am Betriebsklima. Bei Unsicherheit hilft ein weiteres Praktikum im selben Beruf bei einem anderen Betrieb. So vergleichen Sie mehrere Arbeitsumgebungen und schließen nicht von einem einzelnen Praktikum auf den ganzen Beruf.
Wenn Sie noch zwischen verschiedenen Berufen schwanken, kann ein Praktikum in einem zweiten Bereich sinnvoller sein als eine sofortige Entscheidung. Halten Sie fest, welche Fragen offenbleiben, und besprechen Sie sie mit der Berufsberatung oder einer Vertrauensperson.
Nutzen Sie das Praktikum für Bewerbungen
Ein Praktikum liefert Beispiele, die Sie in einem Bewerbungsschreiben oder Vorstellungsgespräch nennen können. Beschreiben Sie konkret, welche Aufgaben Sie kennengelernt haben und was Sie dadurch über Ihre Berufswahl gelernt haben. Das überzeugt mehr als die allgemeine Aussage, dass Sie sich für den Beruf interessieren.
Auch der Betrieb kann sich dabei ein Bild von Ihnen machen. In der Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags von 2019 nannten 67 Prozent der befragten Betriebe Praktika als Möglichkeit, einzuschätzen, ob Jugendliche für eine Ausbildung geeignet sind. Das bedeutet nicht, dass 67 Prozent der Auszubildenden über ein Praktikum eingestellt wurden. Die Zahl zeigt lediglich, dass viele befragte Betriebe Praktika bei der Beurteilung von Bewerberinnen und Bewerbern einbezogen.
Fragen Sie am Ende, ob der Betrieb Ausbildungen anbietet und wann Bewerbungen dafür möglich sind. Ein gutes Praktikum kann den Kontakt erleichtern. Für eine Ausbildung müssen Sie sich weiterhin bewerben, und der Betrieb trifft eine Auswahlentscheidung.
Prüfen Sie die Praktikumsform
Wenn Sie nach der Schule eine Ausbildung suchen, kommt für Sie möglicherweise das geförderte Berufsorientierungspraktikum der Bundesagentur für Arbeit infrage. Dafür müssen Sie die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben, keine Schule besuchen und bei der Agentur für Arbeit als ausbildungssuchend gemeldet sein. Das Praktikum kann bei einem oder mehreren Arbeitgebern stattfinden und soll je Betrieb mindestens eine und höchstens sechs Wochen dauern.
Die Agentur für Arbeit muss dieses Angebot vor Beginn genehmigen und übernimmt im Regelfall Fahrtkosten sowie gegebenenfalls Kosten für eine auswärtige Unterkunft. Eine Vergütung wird bei diesem Angebot normalerweise nicht gezahlt; die Bundesagentur für Arbeit selbst zahlt keine. Nach ihren Angaben ist der Praktikumsbetrieb für die Unfallversicherung zuständig. Klären Sie die Bedingungen vorab mit der zuständigen Agentur und dem Betrieb.
Für andere Praktika gelten jeweils eigene Regeln. Das Mindestlohngesetz enthält eine Ausnahme für bestimmte Orientierungspraktika von bis zu drei Monaten. Daraus folgt nicht, dass jedes Praktikum unbezahlt sein muss. Ob die Ausnahme gilt, hängt von der Praktikumsform und den Umständen ab. Bei Fragen zur Vergütung oder zu einem längeren Praktikum sollten Sie die Bedingungen vor der Zusage prüfen lassen.

Was zeigt Ihnen ein Praktikum?
Ein Praktikum kann Ihnen helfen, Aufgaben, Arbeitszeiten und Anforderungen eines Berufs besser einzuschätzen. Es zeigt aber nur einen begrenzten Ausschnitt und entscheidet nicht allein darüber, ob Sie später eine Ausbildung finden. Auch verfügbare Ausbildungsplätze und die Anforderungen des Betriebs spielen eine Rolle.
Eine Schweizer Studie, die Jugendliche über einen längeren Zeitraum begleitete, fand einen Zusammenhang zwischen der Zahl angebotener Ausbildungsplätze und der Frage, ob Jugendliche einen erprobten Beruf weiterverfolgten. Die Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf den deutschen Ausbildungsmarkt übertragen und belegen nicht, dass die Zahl der Ausbildungsplätze allgemein dazu führt, dass Jugendliche einen erprobten Beruf weiterverfolgen. Sie machen jedoch deutlich, dass die Berufswahl nicht nur vom persönlichen Praktikumseindruck abhängt.
Quellen & weiterführende Informationen
- So bereitest du dich auf dein Praktikum vor | Bundesagentur für Arbeit
- Praktikum: Alles, was du wissen musst | Bundesagentur für Arbeit
- Nach den Berufswahlpraktika ist vor der Wahl des Ausbildungsberufs: Vorhersage des Entscheids für die Weiterverfolgung eines Praktikumberufs im Berufswahlprozess
- Relevante Faktoren der Berufswahl und ihre Berücksichtigung im Betriebspraktikum. von Schülerinnen und Schülern aus Sicht der betrieblich Verantwortlichen
- 2019_DIHK_Ausbildungsumfrage_A4_final.indd
- Berufs- und Studienorientierung differenziert gestalten | Bundesagentur für Arbeit
- Praktikum: Alles, was du wissen musst | Bundesagentur für Arbeit
- § 48a SGB 3 - Einzelnorm


