Weiterbildung nach der Ausbildung: Diese Optionen gibt es
Nach der Berufsausbildung fragen sich viele, wie es beruflich weitergeht. Weiterbildung umfasst alle Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Kenntnisse erweitern, sich auf eine höhere Position vorbereiten oder beruflich neu starten.
Die wichtigsten Wege sind Fortbildungsprüfungen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder der Handwerksordnung (HwO), staatliche Fachschulen, ein Studium und Umschulungen. Welcher Weg passt, hängt davon ab, ob Sie im aktuellen Beruf aufsteigen, den Beruf wechseln oder in den Arbeitsmarkt zurückkehren möchten.
Warum Weiterbildung sinnvoll ist
Was Sie in der Ausbildung gelernt haben, entspricht dem Stand von vor zwei oder drei Jahren. In vielen Branchen, besonders in IT, Technik und Verwaltung, veralten diese Kenntnisse schnell, und wer sich nicht weiterbildet, dessen Fähigkeiten passen nicht mehr zum aktuellen Stand der Arbeit. Das merken Sie spätestens, wenn Kolleginnen und Kollegen mit neueren Abschlüssen Aufgaben übernehmen, die Sie bisher gemacht haben.
Hinzu kommt ein formaler Aspekt: Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ordnet Abschlüsse in acht Niveaustufen ein. Meister, Fachwirt und Bachelor liegen alle auf Stufe 6, ein Master auf Stufe 7. Eine Fortbildung zum Meister oder Fachwirt ist damit formal gleichwertig mit einem Hochschulabschluss. Für viele Arbeitgeber belegt diese Einstufung, dass Sie praktische Erfahrung und fundiertes Fachwissen auf einem anerkannten Niveau mitbringen.
Fortbildungsprüfung und Fachschule
Es gibt zwei Hauptwege, die zu staatlich anerkannten Abschlüssen führen.
Der erste Weg sind Fortbildungsprüfungen nach BBiG und HwO, die von den zuständigen Kammern abgenommen werden, etwa der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Es gibt bundesweit einheitliche Fortbildungsordnungen für viele Berufe, daneben regionale Regelungen der Kammern. Typische Abschlüsse sind der Meister im Handwerk, der Fachwirt in kaufmännischen Bereichen und der Fachkaufmann. Diese Prüfungen bauen direkt auf Ihrer abgeschlossenen Ausbildung auf und bereiten Sie auf Führungsaufgaben oder die Selbstständigkeit vor. Der Meisterbrief berechtigt Sie zum Beispiel, einen eigenen Handwerksbetrieb zu führen und Lehrlinge auszubilden.
Der zweite Weg sind Fachschulen, die von den Bundesländern betrieben werden. Diese Schulen bieten Vollzeit- oder Teilzeitstudiengänge an, die ebenfalls zu Abschlüssen wie Staatlich geprüfter Techniker oder Staatlich geprüfter Betriebswirt führen. Der Besuch einer Fachschule dauert in der Regel ein bis zwei Jahre in Vollzeit, in Teilzeit entsprechend länger. Die Aufnahme setzt eine abgeschlossene Ausbildung und oft auch Berufserfahrung voraus. Fachschulen sind besonders dann interessant, wenn Sie eine breite, schulisch organisierte Weiterbildung mit festem Stundenplan bevorzugen.
Umschulung, Quereinstieg und Studium
Weiterbildung kann auch in einen anderen Beruf führen. Wenn Sie merken, dass der erlernte Beruf nicht zu Ihnen passt, gibt es die Umschulung. Dabei handelt es sich um eine zweite Ausbildung in einem anderen Beruf, die oft verkürzt und mit finanzieller Förderung möglich ist. Umschulungen werden häufig von Jobcentern oder der Agentur für Arbeit mit einem Bildungsgutschein bezahlt, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.
Der Quereinstieg oder Seiteneinstieg ist eine Variante, bei der Sie ohne vollständige zweite Ausbildung in ein neues Feld wechseln. Sie lernen die neuen Aufgaben direkt im Betrieb, oft begleitet von Lehrgängen oder Zertifikatskursen. Dieser Weg funktioniert besonders gut in Branchen mit Fachkräftemangel, etwa in der Pflege, im Erziehungsbereich oder in der Softwareentwicklung.
Wer akademisch arbeiten möchte, kann nach der Ausbildung ein Studium aufnehmen. Viele Hochschulen bieten dafür spezielle Zugangswege an, etwa eine Aufnahmeprüfung oder ein Probestudium. Besonders attraktiv sind integrierte Studiengänge, die Sie berufsbegleitend absolvieren. Sie bleiben dabei im Betrieb angestellt und studieren an Abenden oder Wochenenden. Diese Modelle verbinden den praktischen Vorteil der Ausbildung mit dem formalen Abschluss eines Bachelors.
Finanzierung und Beratung
Weiterbildung kostet Zeit und oft auch Geld. Für die Finanzierung gibt es mehrere staatliche Hilfen, die Sie je nach Situation beantragen können.
Das Aufstiegs-BAföG, offiziell Aufstiegsfortbildungsförderung genannt, unterstützt Teilnehmer an Fortbildungen wie Meister, Fachwirt oder Techniker. Es zahlt einen Zuschuss zu den Lehrgangs- und Prüfungskosten und bietet ein zinsgünstiges Darlehen für den Lebensunterhalt. Den Antrag stellen Sie vor Beginn der Maßnahme beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung.
Der Bildungsgutschein ist ein Instrument der Agentur für Arbeit und der Jobcenter. Er übernimmt die Kosten für eine Weiterbildung oder Umschulung, wenn die Maßnahme als förderungswürdig anerkannt ist und Sie die persönlichen Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört in der Regel, dass die Weiterbildung Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert.
Die Weiterbildungsprämie ist ein Bonus, den Sie erhalten können, wenn Sie eine Prüfung erfolgreich abschließen. Sie wird in bestimmten Konstellationen gezahlt, etwa wenn Sie eine Aufstiegsfortbildung absolvieren und die Prüfung bestehen. Die genauen Bedingungen hängen von Ihrem Bundesland und der Art der Maßnahme ab.
Bevor Sie sich für einen Weg entscheiden, lohnt ein Gespräch mit der Berufsberatung im Erwerbsleben. Diese Beratung ist kostenlos und persönlich oder digital möglich. Die Beraterinnen und Berater kennen die Fördermöglichkeiten und können einschätzen, welche Weiterbildung zu Ihrem beruflichen Ziel passt. Auch Online-Portale wie das Mein-NOW-Portal der Bundesagentur für Arbeit helfen Ihnen, passende Angebote und Beratungsstellen zu finden.
So wählen Sie die richtige Option
Die Entscheidung hängt von drei Fragen ab. Was wollen Sie erreichen? Wie viel Zeit können Sie investieren? Und wie sieht Ihre finanzielle Lage aus?
Wenn Sie in Ihrem Beruf aufsteigen und mehr Verantwortung übernehmen möchten, sind Meister, Fachwirt oder Techniker die klassischen Wege. Diese Abschlüsse sind in der Wirtschaft bekannt und werden bei Gehaltsverhandlungen und Bewerbungen anerkannt. Wenn Sie sich selbstständig machen wollen, führt im Handwerk kein Weg am Meister vorbei.
Wenn Sie den Beruf wechseln möchten, prüfen Sie zuerst, ob eine Umschulung mit Bildungsgutschein möglich ist. Dafür müssen Sie in der Regel arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sein. Wer bereits eine neue Stelle in Aussicht hat, kann den Quereinstieg direkt beim Arbeitgeber ansprechen und klären, welche Qualifizierung der Betrieb übernimmt.
Wenn Sie akademisch arbeiten möchten, vergleichen Sie die Zugangsvoraussetzungen der Hochschulen. Ein berufsbegleitendes Studium ist anstrengend, weil Sie Job und Lernen parallel organisieren müssen. Dafür bleiben Sie finanziell abgesichert und sammeln weiter Berufserfahrung.
Manche Fortbildungen setzen Berufserfahrung voraus, andere können Sie direkt nach der Ausbildung beginnen. Informieren Sie sich frühzeitig über die Zulassungsbedingungen der jeweiligen Kammer oder Schule, damit Sie nicht unnötig Zeit verlieren.