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Technische Ausbildungsberufe für alle Geschlechter

Technische Ausbildungsberufe wie Elektronikerin, Mechatroniker oder Fachinformatikerin stehen rechtlich allen Geschlechtern offen. Ausbildung, Prüfungen und spätere Tätigkeiten sind für Männer und Frauen gleich. Trotzdem wählen in Deutschland und der Schweiz weiterhin deutlich mehr Männer diese Berufe.

Eine aktuelle Schweizer Studie zeigt den Grund: Junge Frauen gehen davon aus, dass technische Berufe Fähigkeiten verlangen, die sie sich nicht zutrauen. Ihre tatsächlichen Fähigkeiten sind nicht das Problem.

Warum junge Frauen technische Berufe meiden

Forschende der Universität Bern und der Universität St. Gallen haben über 2.000 Jugendliche kurz vor der Berufswahl befragt. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Journal Socio-Economic Review, zeigen: Die technischen Anforderungen der Berufe sind der wichtigste Grund, warum junge Frauen diese Berufe meiden. In einem Experiment sollten die Jugendlichen verschiedene Berufe bewerten. Dabei zeigte sich, dass Mädchen Berufe mit hohen technischen Anforderungen systematisch ablehnten, selbst wenn andere Eigenschaften wie Gehalt oder Arbeitszeiten attraktiv waren.

Das bedeutet nicht, dass die Mädchen die technischen Aufgaben nicht bewältigen könnten. Die Studie zeigt vielmehr, dass die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten eine entscheidende Rolle spielt. Viele junge Frauen gehen davon aus, dass sie für technische Tätigkeiten weniger geeignet sind, und diese Erwartung beeinflusst ihre Berufswahl stärker als objektive Leistungen.

Selbstbilder beeinflussen die Berufswahl

Die Untersuchung zeigt, dass Geschlechterunterschiede in der Berufswahl weniger mit tatsächlichen Fähigkeiten zu tun haben als mit Selbstbildern. Die Achtklässlerinnen und Achtklässler wurden nicht getestet, ob sie technische Aufgaben lösen können. Stattdessen wurde ihre subjektive Einschätzung abgefragt. Diese Einschätzung ist geprägt von gesellschaftlichen Vorstellungen darüber, welche Berufe zu welchem Geschlecht passen.

Ein konkretes Ergebnis der Studie: Wenn die technischen Anforderungen eines Berufs als hoch beschrieben wurden, sank die Bereitschaft der Mädchen, diesen Beruf zu wählen, deutlich. Bei den Jungen war dieser Effekt schwächer ausgeprägt. Das deutet darauf hin: Die Technik selbst schreckt nicht ab. Abschreckend wirkt das Gefühl, dass der Beruf nicht zum eigenen Selbstbild passt.

Wichtig ist die Einschränkung: Die Studie wurde in der Schweiz mit Achtklässlern durchgeführt. Ob die Ergebnisse auf andere Länder oder ältere Jugendliche übertragbar sind, ist nicht belegt. Dass Selbstbilder die Berufswahl beeinflussen, zeigt sich auch in anderen Untersuchungen zur Berufswahl.

Vorurteile über technische Berufe und ihre Folgen

Vorurteile über technische Berufe wirken in beide Richtungen. Auf der einen Seite gelten Berufe wie Kfz-Mechatroniker oder Elektroniker häufig als typisch männlich, was Frauen den Einstieg erschwert. Auf der anderen Seite werden Frauen in technischen Berufen oft mit Erstaunen oder Skepsis betrachtet, was zusätzlichen Druck erzeugt. Diese Vorurteile haben praktische Folgen: Frauen in technischen Berufen berichten häufig, dass ihnen weniger zugetraut wird und dass sie ihre Kompetenz erst beweisen müssen.

Die Studie zeigt, dass diese Vorurteile bereits vor der Berufswahl wirken. Wenn junge Frauen glauben, technische Berufe seien nichts für sie, suchen sie sich gar nicht erst nähere Informationen darüber. Dadurch entsteht ein Kreislauf: Wenige Frauen in technischen Berufen bedeuten wenige Vorbilder, und wenige Vorbilder verstärken das Bild, dass diese Berufe untypisch für Frauen sind.

So gelingt der Einstieg in technische Berufe

Die gute Nachricht: Technische Ausbildungsberufe sind tatsächlich für alle Geschlechter offen, und die Praxis zeigt, dass Frauen in diesen Berufen erfolgreich arbeiten. Elektronikerinnen installieren und warten elektrische Anlagen, Mechatronikerinnen bauen und reparieren Maschinen, und Fachinformatikerinnen entwickeln Software. Die Ausbildungsinhalte sind für alle Auszubildenden gleich, und die Abschlussprüfungen werden nach denselben Standards bewertet.

Wenn Sie sich für einen technischen Beruf interessieren, sollten Sie sich nicht von vermeintlichen Geschlechtergrenzen abhalten lassen. Ein erster Schritt ist ein Praktikum in einem Betrieb, der technische Ausbildungen anbietet. Dort finden Sie heraus, ob die Arbeit tatsächlich Spaß macht, unabhängig davon, ob andere Auszubildende männlich oder weiblich sind. Auch Berufsberatungen und Messen wie die Berufsinformationsmessen in vielen Städten helfen Ihnen, mit Auszubildenden und Fachkräften direkt zu sprechen.

Ein weiterer praktischer Punkt: Die technischen Anforderungen in der Ausbildung sind erlernbar. Sie müssen nicht mit vollständigem technischem Wissen in die Ausbildung starten. Die Betriebe und Berufsschulen vermitteln die Grundlagen systematisch, und wenn Sie Interesse und Bereitschaft mitbringen, können Sie die geforderten Fähigkeiten entwickeln. Die Studie zeigt: Die Hürde ist die Selbsteinschätzung, nicht die tatsächlichen Fähigkeiten.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.