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Vom Studium in die Ausbildung: So gelingt der Wechsel

Sie haben Ihr Studium abgebrochen und überlegen, eine Ausbildung zu beginnen. Viele Studienabbrecher merken: Praktisches Arbeiten liegt ihnen mehr als Theorie, oder das Fach passte nicht. Eine Ausbildung führt direkt in den Beruf. Sie verdienen eigenes Geld, lernen ein konkretes Handwerk und erhalten einen anerkannten Abschluss.

Nutzen Sie den Abbruch als Chance. Finden Sie die passende Ausbildung und vertreten Sie Ihre Entscheidung selbstbewusst.

Warum ein Abbruch kein Scheitern ist

Ein Studienabbruch hat selten einen einzigen Grund. Manche Studierende merken, dass ihre Erwartungen an das Fach nicht zur Realität passen. Andere kämpfen mit Leistungsdefiziten oder Überforderung. Wieder andere verlieren schlicht die Motivation, weil der Berufsalltag, den sie anstreben, mit dem Studium nichts zu tun hat. Diese Gründe zeigen Ihnen, was Sie nicht wollen.

Entscheidend ist, was Sie aus der Erfahrung machen. Wer nach einem Abbruch eine Ausbildung beginnt, hat etwas getan, das viele nicht schaffen: Er hat eine falsche Entscheidung korrigiert, statt Jahre in einem Weg zu bleiben, der nicht trägt. Arbeitgeber wissen das zu schätzen. Eine Ausbildung verlangt Disziplin, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen. Genau diese Eigenschaften haben Sie im Studium bereits trainiert, auch wenn Sie das Studium nicht abgeschlossen haben.

Was Sie aus dem Studium mitnehmen

Auch ohne Abschluss haben Sie im Studium Fähigkeiten erworben, die in der Ausbildung und später im Beruf zählen. Sie haben gelernt, sich selbst zu organisieren, Vorlesungen und Prüfungen zu strukturieren und sich in kurzer Zeit in neue Themen einzuarbeiten. Diese Selbstorganisation unterscheidet Sie von Bewerbern, die direkt von der Schule kommen. Im Bewerbungsgespräch können Sie das konkret benennen. Sie haben gelernt, mit Frustration umzugehen, Prioritäten zu setzen und sich auch für Stoff zu motivieren, der nicht sofort Begeisterung weckt.

Je nach Studienfach kommen fachliche Vorkenntnisse dazu. Wer Medizin oder Biologie studiert hat und in eine Ausbildung im Gesundheitswesen wechselt, bringt Grundwissen mit, das im Unterricht hilft. Wer Wirtschaft studiert hat und eine kaufmännische Ausbildung beginnt, versteht betriebswirtschaftliche Zusammenhänge schneller. Diese Vorkenntnisse verkürzen die Einarbeitungszeit und sind ein echtes Argument im Vorstellungsgespräch.

Die passende Ausbildung finden

Bevor Sie sich bewerben, sollten Sie klären, welche Ausbildung zu Ihnen passt. Der einfachste Weg ist ein Praktikum. Ein oder zwei Wochen in einem Betrieb zeigen Ihnen mehr über den Alltag als jede Berufsbeschreibung im Internet. Viele Ausbildungsbetriebe bieten Schnupperpraktika an. Ein solches Praktikum ist zugleich der beste Einstieg in eine Bewerbung, weil Sie den Betrieb und die Leute bereits kennen.

Wenn Sie unsicher sind, welche Richtung infrage kommt, nutzen Sie Beratungsangebote. Die Agentur für Arbeit informiert über Ausbildungsberufe und vermittelt Kontakte zu Betrieben. In einigen Regionen gibt es spezielle Programme für Studienaussteiger. Ein Beispiel ist die Initiative Spurwechsel in Südwestfalen. Sie wird von der Agentur für Arbeit Meschede-Soest, der Handwerkskammer Südwestfalen und der Industrie- und Handelskammer Hellweg-Sauerland getragen. Sie hilft Studienabbrechern, passende Alternativen zu finden, von der Ausbildung über die Arbeitsaufnahme bis zum Wechsel des Studienfachs. Ähnliche Angebote gibt es in vielen Regionen. Fragen Sie bei Ihrer örtlichen Agentur für Arbeit oder der Kammer nach.

Achten Sie bei der Auswahl nicht nur auf den Beruf, sondern auch auf die Region und den Betrieb. Eine Ausbildung im Handwerk oder in der Industrie führt oft direkt zu einer Übernahme, wenn Sie sich bewähren. Informieren Sie sich vor der Bewerbung, wie der Betrieb ausbildet. Fragen Sie auch, ob es einen Ausbildungsplan gibt und wie die Übernahmechancen nach der Lehre stehen. Diese Fragen dürfen Sie im Vorstellungsgespräch stellen. Sie zeigen, dass Sie es ernst meinen.

So erklären Sie den Abbruch in der Bewerbung

Im Anschreiben und im Gespräch sollten Sie den Studienabbruch offen ansprechen, aber kurz und sachlich. Verstecken oder beschönigen bringt nichts. Die Lücke im Lebenslauf fällt ohnehin auf. Formulieren Sie stattdessen, was Sie aus dem Studium gelernt haben und warum Sie sich jetzt bewusst für die Ausbildung entscheiden. Ein Satz wie "Im Studium habe ich gemerkt, dass mir praktische Arbeit mehr liegt, und ich habe mich deshalb für die Ausbildung zum… entschieden" nennt den Grund, ohne sich zu rechtfertigen.

Vermeiden Sie negative Formulierungen über das Studium oder die Hochschule. Sagen Sie nicht, dass das Studium "sinnlos" war oder Sie "versagt" haben. Bleiben Sie neutral und zukunftsgerichtet. Der Personalverantwortliche will wissen, ob Sie motiviert sind und bleiben. Er will nicht wissen, warum das Studium nicht funktioniert hat. Bereiten Sie sich auf die Frage vor, warum es in der Ausbildung anders laufen soll. Eine gute Antwort nennt konkrete Gründe: die praktische Arbeit, der geregelte Tagesablauf, der direkte Kontakt zu Kunden oder das handwerkliche Ergebnis.

Finanzielle und organisatorische Fragen

Eine Ausbildung bedeutet einen spürbaren Einschnitt beim Einkommen. Die Ausbildungsvergütung liegt je nach Branche und Region unterschiedlich hoch. Sie reicht aber in der Regel zum Leben, wenn Sie sparsam wirtschaften. Prüfen Sie vor dem Wechsel, ob Sie Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe oder Wohngeld haben. Die Agentur für Arbeit berät dazu kostenlos. Wenn Sie während des Studiums BAföG erhalten haben, müssen Sie den Abbruch melden. Die Förderung endet mit der Exmatrikulation.

Auch die Krankenversicherung müssen Sie regeln. Während der Ausbildung sind Sie als Auszubildender pflichtversichert, sobald Sie eine Vergütung beziehen. Klären Sie den Wechsel rechtzeitig mit Ihrer Krankenkasse, damit keine Lücke entsteht. Wenn Sie bisher familienversichert waren, prüfen Sie, ob das während der Ausbildung weiter möglich ist. Das hängt von Ihrem Alter und Ihrem Einkommen ab.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.