Später Ausbildungsstart: So klappt es noch
Sie haben noch keinen Ausbildungsplatz und der Ausbildungsstart rückt näher. Viele Betriebe, vor allem kleine und mittlere Unternehmen, vergeben ihre Plätze nicht ein Jahr im Voraus, sondern suchen noch kurzfristig nach Bewerbern. Wer jetzt gezielt vorgeht, hat gute Chancen, im laufenden Jahr noch unterzukommen.
Welche Branchen noch Plätze haben
Große Konzerne besetzen ihre Ausbildungsstellen oft zwölf Monate im Voraus. Wer spät dran ist, sollte sich auf Betriebe konzentrieren, die ihren Bedarf erst spät planen oder kurzfristig freie Plätze besetzen müssen.
Das Handwerk sucht regelmäßig noch Auszubildende. Elektriker, Anlagenmechaniker, Tischler, Dachdecker und Bäcker sind vielerorts knapp. Auch der Einzelhandel stellt häufig noch ein, wenn Verkäufer oder Kaufleute gesucht werden. In der Gastronomie und Hotellerie wechseln im Sommer viele Mitarbeiter, sodass Betriebe oft noch im August oder September nachbesetzen. Die Pflegebranche nimmt das ganze Jahr über Bewerber auf, weil der Bedarf an Fachkräften dort dauerhaft hoch ist. Auch Logistik und Baugewerbe haben oft noch offene Stellen.
Ein Blick auf die Lehrstellenbörse der Agentur für Arbeit lohnt sich, weil dort auch kurzfristig freie Plätze gemeldet werden. Viele Betriebe melden ihre offenen Stellen erst, wenn das Ausbildungsjahr näher rückt.
So bewerben Sie sich kurzfristig
Wer spät startet, muss anders vorgehen als jemand, der ein Jahr Zeit hat. Bevor Sie viel Zeit in die Bewerbungsunterlagen stecken, klären Sie zuerst, was Sie überhaupt machen wollen. Ein Berufscheck bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit hilft, wenn Sie unsicher sind. Das Gespräch ist kostenlos und Sie bekommen eine Einschätzung, welche Ausbildung zu Ihren Interessen passt.
Danach gilt: direkt anrufen statt nur schreiben. Viele kleine Betriebe entscheiden schneller, wenn sie einen Bewerber am Telefon kennenlernen. Fragen Sie konkret, ob noch ein Ausbildungsplatz frei ist und ob Sie sich persönlich vorstellen können. Ein persönlicher Termin im Betrieb ersetzt oft den langen Schriftverkehr.
Ihre Unterlagen sollten vollständig sein, müssen aber nicht aufwendig gestaltet werden. Ein kurzes Anschreiben, in dem Sie erklären, warum Sie sich für den Beruf interessieren, ein Lebenslauf und die letzten Zeugnisse reichen aus. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Noten ausreichen, fragen Sie direkt nach. Viele Betriebe legen mehr Wert auf Motivation und Zuverlässigkeit als auf einzelne Noten.
So überzeugen Sie bei der späten Bewerbung
Seien Sie ehrlich, wenn Sie sich spät bewerben. Ein Satz wie "Ich habe mich erst jetzt für diesen Beruf entschieden und bin sehr motiviert" kommt besser an, als wenn Sie versuchen, die Verspätung zu verstecken. Betriebe wissen, dass nicht jeder Bewerber den idealen Zeitplan einhält.
Flexibilität erhöht Ihre Chancen deutlich. Wenn Sie bereit sind, einen anderen Ort zu akzeptieren oder den Ausbildungsbeginn um einige Wochen zu verschieben, haben Sie mehr Auswahl. Manche Betriebe bieten auch an, dass Sie ein paar Wochen früher als Praktikant anfangen und dann in die Ausbildung übernommen werden.
Nutzen Sie außerdem die Nachvermittlung der Agentur für Arbeit. Wenn der Ausbildungsstart näher rückt und Plätze frei bleiben, vermittelt die Agentur Bewerber an Betriebe, die noch suchen. Melden Sie sich dort frühzeitig und lassen Sie sich in die Liste aufnehmen. Auch die Kammern, also Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer, wissen oft, welche Betriebe noch Auszubildende suchen.
Alternativen zum klassischen Ausbildungsstart
Wenn Sie bis zum offiziellen Starttermin keinen Platz gefunden haben, gibt es Wege, trotzdem ins Ausbildungsjahr zu kommen. Die Einstiegsqualifizierung ist ein Praktikum von sechs bis zwölf Monaten, das die Agentur für Arbeit fördert. Sie arbeiten dabei in einem Betrieb und werden auf die Ausbildung vorbereitet. Viele Betriebe übernehmen Teilnehmer danach in die reguläre Ausbildung.
Eine andere Möglichkeit ist, sich für das folgende Jahr zu bewerben und die Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Ein Praktikum in dem Wunschberuf zeigt dem Betrieb, dass Sie es ernst meinen, und verbessert Ihre Chancen bei der nächsten Bewerbung erheblich. Auch ein Schulabschluss, der nachgeholt wird, oder ein Sprachkurs können die Zwischenzeit füllen.