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Ausbildung

Welche Ausbildung passt zu mir?

Die passende Ausbildung findest du nicht allein mit einem Berufstest. Eine gute Entscheidung entsteht aus mehreren Schritten: Du vergleichst deine Interessen und Stärken mit den tatsächlichen Aufgaben eines Berufs, sammelst praktische Erfahrungen, prüfst die Anforderungen und informierst dich rechtzeitig über Ausbildungsplätze und Bewerbungsfristen.

In Deutschland gibt es mehrere hundert anerkannte Ausbildungsberufe. Das Bundesinstitut für Berufsbildung führt für 2025 327 nach Berufsbildungsgesetz oder Handwerksordnung anerkannte Ausbildungsberufe sowie den Beruf Schiffsmechaniker oder Schiffsmechanikerin auf. Die große Auswahl ist eine Chance, macht die Entscheidung aber auch unübersichtlich. Deshalb hilft ein systematischer Vergleich besser als die Suche nach dem einen perfekten Traumberuf.

Interessen allein reichen für die Berufswahl nicht

Frage dich nicht nur, welche Themen dich interessieren. Entscheidend ist, welche Tätigkeiten du regelmäßig ausüben möchtest und unter welchen Bedingungen du arbeiten willst.

Diese Fragen helfen bei der ersten Orientierung:

  • Arbeite ich lieber mit Menschen, Daten, Maschinen, Tieren oder Materialien?
  • Möchte ich beraten, organisieren, reparieren, gestalten, pflegen, verkaufen oder analysieren?
  • Arbeite ich lieber drinnen, draußen oder an wechselnden Orten?
  • Gefallen mir feste Abläufe oder abwechslungsreiche Aufgaben?
  • Arbeite ich gerne im Team oder konzentriere ich mich lieber allein?
  • Wie wichtig sind geregelte Arbeitszeiten?
  • Wie gehe ich mit körperlicher Belastung, Zeitdruck oder Kundenkontakt um?
  • Möchte ich hauptsächlich praktisch arbeiten oder längere Theoriephasen bewältigen?

Eine kreative Person passt beispielsweise nicht automatisch in einen Medienberuf. Kreativität spielt auch im Handwerk, in der Produktentwicklung, in der Gastronomie, im Marketing und in technischen Berufen eine Rolle. Ebenso führt technisches Interesse nicht nur zu einer Ausbildung in der Industrie. Auch Elektrotechnik, Gebäudetechnik, Fahrzeugtechnik oder Anlagenbau kommen infrage.

Eigene Stärken mit Beispielen belegen

Schreibe deine Stärken nicht nur als einzelne Eigenschaften auf. Sammle konkrete Situationen, in denen du diese Fähigkeiten eingesetzt hast.

Stärke Möglicher Beleg
Teamfähigkeit Mitarbeit in einem Sportverein oder Gruppenprojekt
Sorgfalt zuverlässige Betreuung eines Haustiers oder eine verantwortliche Vereinsaufgabe
Technisches Verständnis Reparaturen, Modellbau, Programmieren oder Arbeiten mit Werkzeug
Kommunikationsfähigkeit Nachhilfe, Verkauf, Vereinsarbeit oder Kundenkontakt
Organisation Planung einer Veranstaltung, Klassenfahrt oder Vereinsaktion
Belastbarkeit regelmäßige Tätigkeit neben der Schule oder ehrenamtlicher Einsatz
Verantwortungsbewusstsein Betreuung jüngerer Kinder oder Übernahme einer festen Aufgabe

Achte auch auf Fähigkeiten, die dir selbstverständlich erscheinen. Wer geduldig zuhört, komplizierte Inhalte verständlich erklärt oder zuverlässig Termine organisiert, bringt damit bereits Hinweise auf passende Tätigkeitsbereiche mit.

Schulnoten gehören ebenfalls in die Betrachtung. Gute Noten helfen besonders bei stark nachgefragten Ausbildungsplätzen. Schwächere Leistungen schließen eine Ausbildung jedoch nicht automatisch aus. Auch Praktika und Nebenjobs spielen bei der Auswahl eine Rolle. Das gilt ebenso für Ehrenamt, Motivation und passende persönliche Eigenschaften. Bei dualen Ausbildungen legt jeder Betrieb selbst fest, welchen Schulabschluss und welche Noten er erwartet.

Berufsfelder als erste Orientierung

Statt sofort einen einzelnen Beruf auszuwählen, kannst du zunächst mehrere Berufsfelder vergleichen:

  • Menschen und Gesundheit: medizinische Assistenz, Pflege, Therapie und Betreuung
  • Wirtschaft und Verwaltung: Büro, Handel, Banken, Versicherungen sowie öffentliche Verwaltung
  • Technik und IT: Elektrotechnik, Mechatronik, Programmierung und technische Planung
  • Handwerk und Produktion: Metall, Holz, Bau, Lebensmittel, Fahrzeugtechnik und Gestaltung
  • Natur und Umwelt: Landwirtschaft, Gartenbau, Labor und Umwelttechnik
  • Medien und Kommunikation: Gestaltung, Druck, Marketing und Medienproduktion
  • Verkehr und Logistik: Lager, Spedition, Transport und Fahrbetrieb
  • Gastronomie und Ernährung: Küche, Restaurant, Hotellerie und Lebensmittelherstellung
  • Soziales und Erziehung: Betreuung, Assistenz und pädagogische Tätigkeiten

Ein Beruf kann zu mehreren Feldern gehören. Ein Hörakustiker oder eine Hörakustikerin arbeitet beispielsweise technisch und zugleich eng mit Menschen. Ein Fachinformatiker oder eine Fachinformatikerin löst technische Probleme, kommuniziert aber häufig auch mit Kundschaft oder anderen Abteilungen.

Berufstests liefern Vorschläge, keine Entscheidung

Ein Orientierungstest hilft dir dabei, deine Antworten zu ordnen und neue Berufe kennenzulernen. Mit Check-U bietet die Bundesagentur für Arbeit einen kostenlosen Orientierungstest an. Der Test betrachtet Kompetenzen, Interessen und gewünschte Arbeitsbedingungen und schlägt daraufhin passende Ausbildungsberufe vor. Die Bearbeitung dauert etwa 80 Minuten, abhängig davon, wie ausführlich du die Aufgaben bearbeitest.

Nutze das Ergebnis als Vorschlagsliste. Prüfe danach jeden Beruf anhand seiner tatsächlichen Aufgaben. Ein Testergebnis beweist nicht, dass eine Ausbildung zu dir passt oder dass du sie erfolgreich abschließen wirst. Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit kann dir helfen, die Ergebnisse einzuordnen.

Auch Berufsinformationen der Bundesagentur für Arbeit sind nützlich. Das Angebot BERUFENET beschreibt unter anderem Aufgaben, Arbeitsbedingungen, Ausbildungswege und Anforderungen. BERUFE.TV vermittelt durch Videos einen ersten Eindruck vom Berufsalltag.

Ausbildungsalltag realistisch prüfen

Eine Ausbildung besteht aus den interessantesten Aufgaben des Berufs und aus Pflichten, die zum Arbeitsalltag dazugehören. Im Betrieb erwarten dich je nach Beruf unter anderem:

  • eine Einführung in Arbeitsabläufe und Sicherheitsregeln
  • praktische Aufgaben unter Anleitung
  • zunächst einfache Tätigkeiten
  • zunehmend selbstständiges Arbeiten
  • Zusammenarbeit mit Kolleginnen, Kollegen oder Kundschaft
  • Einsätze in verschiedenen Abteilungen oder an wechselnden Orten
  • Feedbackgespräche mit Ausbilderinnen und Ausbildern
  • das Führen eines Ausbildungsnachweises

Der Ausbildungsnachweis, früher Berichtsheft genannt, dokumentiert, welche Inhalte und Tätigkeiten du gelernt hast. Du kannst ihn auf Papier oder digital führen. Der Nachweis ist grundsätzlich für die Zulassung zur Abschlussprüfung erforderlich.

Auch die Berufsschule gehört zum Alltag. Dort lernst du berufsbezogene Theorie, Fachrechnen, technische Grundlagen sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Je nach Beruf kommen Kommunikation, Fachenglisch, Lernfelder, Projekte und Prüfungsvorbereitung hinzu. Der Unterricht findet an einzelnen Wochentagen oder als Blockunterricht statt.

Prüfe deshalb vor der Bewerbung, ob du mit dem Wechsel zwischen Betrieb und Berufsschule zurechtkommst. Zur Ausbildung gehören außerdem Hausaufgaben, Klassenarbeiten, Prüfungsvorbereitung und die Dokumentation deiner Lerninhalte.

Duale oder schulische Ausbildung?

Bei einer dualen Ausbildung lernst du an zwei Orten:

  • im Ausbildungsbetrieb
  • in der Berufsschule

Der Betrieb vermittelt die praktischen Inhalte nach Ausbildungsordnung und betrieblichem Ausbildungsplan. Die Berufsschule vermittelt theoretische und allgemeinbildende Inhalte. Eine duale Ausbildung passt häufig zu Menschen, die praktische Aufgaben bevorzugen, früh im Arbeitsalltag mitarbeiten und Theorie direkt anwenden möchten. Sie enthält trotzdem umfangreiche Lern- und Prüfungsphasen.

Bei einer schulischen Ausbildung findet der überwiegende Teil des Unterrichts an einer Berufsfachschule, Fachschule oder vergleichbaren Einrichtung statt. Praktika gehören je nach Beruf zum Ausbildungsgang oder werden vorausgesetzt. Dieses Modell kommt unter anderem im Gesundheitsbereich, im Sozialwesen und in pädagogischen Berufen vor.

Eine schulische Ausbildung passt häufig zu Menschen, die einen stärker strukturierten Stundenplan bevorzugen und theoretische Grundlagen zunächst ausführlich erarbeiten möchten. Auch hier gehört praktische Erfahrung zum Ausbildungsgang.

Die Voraussetzungen unterscheiden sich deutlich. Bei schulischen Ausbildungen gelten häufig Vorgaben des Berufs, der Schule und des Bundeslands. Dazu können ein bestimmter Schulabschluss, ein Mindestalter, ein Vorpraktikum oder weitere Nachweise gehören. Informiere dich deshalb direkt bei der jeweiligen Schule.

Anforderungen sorgfältig mit dem eigenen Profil vergleichen

Für duale Ausbildungen gibt es keinen einheitlichen bundesweiten Schulabschluss, der für alle Berufe gilt. Der Ausbildungsbetrieb entscheidet selbst, welche Voraussetzungen er erwartet. Bei schulischen Ausbildungen gelten dagegen häufig verbindliche schulische oder landesrechtliche Regeln.

Unterscheide zwischen drei Arten von Anforderungen:

Formale Voraussetzungen

Dazu gehören beispielsweise:

  • geforderter Schulabschluss
  • Mindestalter
  • erforderliche Sprachkenntnisse
  • gesundheitliche oder rechtliche Vorgaben
  • Führerschein oder andere Nachweise
  • ein vorgeschriebenes Praktikum

Fachliche Grundlagen

Je nach Beruf sind bestimmte Schulfächer und Kenntnisse hilfreich:

  • Mathematik für kaufmännische, technische und handwerkliche Berufe
  • Deutsch und Kommunikation für Büro, Verkauf, Verwaltung und soziale Tätigkeiten
  • Naturwissenschaften für Gesundheits-, Labor- und Umweltberufe
  • IT-Grundkenntnisse für digitale und kaufmännische Aufgaben
  • technisches oder handwerkliches Verständnis für Werkstatt und Produktion

Persönliche Eigenschaften

Viele Betriebe achten außerdem auf:

  • Zuverlässigkeit
  • Lernbereitschaft
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Belastbarkeit
  • Interesse an den tatsächlichen Aufgaben

Nicht jede Fähigkeit muss am ersten Ausbildungstag vollständig vorhanden sein. Eine Ausbildung soll dich fachlich weiterentwickeln. Ein einzelnes Defizit lässt sich häufig durch Lernen und Übung ausgleichen. Grundlegendes Desinteresse an den täglichen Tätigkeiten solltest du dagegen ernst nehmen.

Ein Praktikum verhindert falsche Erwartungen

Ein Praktikum zeigt dir, wie ein Beruf unter echten Bedingungen aussieht. Du erlebst Arbeitszeiten, Kundenkontakt, körperliche Belastung, Sicherheitsregeln und weniger spannende Routineaufgaben. Dadurch erkennst du früher, ob deine Vorstellung zum Alltag passt.

Alternativen zu einem längeren Praktikum sind:

  • ein Schnuppertag
  • ein Ferienjob
  • ein Ehrenamt
  • eine Ausbildungsmesse
  • ein Gespräch mit Auszubildenden
  • ein Besuch im Betrieb
  • ein schulisches Projekt mit Berufsbezug

Gerade bei technischen Berufen solltest du auf den Anteil von Mathematik, technischen Zeichnungen und Dokumentation achten. Im Gesundheits- und Sozialbereich spielen Körperkontakt, Krankheit, Hygiene und emotionale Belastungen eine wichtige Rolle. In Gastronomie und Logistik gehören häufig wechselnde Arbeitszeiten, körperliche Arbeit oder Arbeiten an Wochenenden zum Berufsbild.

Drei Berufe direkt miteinander vergleichen

Wähle nach der ersten Recherche drei konkrete Berufe aus. Vergleiche sie anhand derselben Kriterien:

Kriterium Beruf A Beruf B Beruf C
Tätigkeiten, die mich interessieren
Tätigkeiten, die ich vermeiden möchte
Passende Stärken
Wichtige Schulfächer
Geforderter Schulabschluss
Arbeitsorte und Arbeitszeiten
Körperliche oder emotionale Belastung
Ausbildungsform und Ausbildungsdauer
Ausbildungsplätze in meiner Region
Ergebnis eines Praktikums
Offene Fragen

So erkennst du, ob ein Beruf nur interessant klingt oder auch im Alltag zu dir passt. Prüfe zusätzlich, welche Betriebe in erreichbarer Entfernung ausbilden und wie du den Ausbildungsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder anderen Verkehrsmitteln erreichst.

Beispiele für passende Berufsfelder

Technik und handwerkliches Arbeiten

Eine Schülerin tüftelt gerne, interessiert sich für Maschinen und löst technische Probleme. Büroarbeit ist für sie in Ordnung, soll aber nicht den ganzen Tag ausmachen.

Passende Berufsfelder können sein:

  • Elektrotechnik
  • Mechatronik
  • Metalltechnik
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Fahrzeugtechnik
  • Gebäudetechnik

Sie sollte prüfen, wie wichtig Mathematik und technisches Zeichnen sind, ob Werkstatt- oder Außeneinsätze dazugehören und ob Schichtarbeit vorkommt. Ein Praktikum in einem Handwerks- oder Industriebetrieb liefert dazu konkrete Eindrücke.

Menschen und Gesundheit

Ein Schüler hört gerne zu, arbeitet verantwortungsvoll mit anderen Menschen und sucht eine sinnvolle Tätigkeit. Er sollte sich zugleich fragen, wie er mit Krankheit, Körperkontakt, Hygiene und belastenden Situationen umgeht.

Mögliche Bereiche sind:

  • Medizinische Assistenz
  • Pflege
  • Therapie
  • Betreuung
  • Sozialwesen
  • Verwaltung im Gesundheitsbereich

Vor der Bewerbung müssen die Zugangsvoraussetzungen, mögliche Praktika, Arbeitszeiten und praktischen Einsatzorte geprüft werden. Ein Schnuppertag in einer Praxis, Pflegeeinrichtung oder sozialen Einrichtung ist besonders hilfreich.

Organisation, Zahlen und Kommunikation

Eine Schülerin organisiert gerne, arbeitet sorgfältig am Computer und kommuniziert sicher. Dauerhafter Verkauf interessiert sie weniger.

Mögliche Bereiche sind:

  • Büro und Verwaltung
  • Industrie und Handel
  • Versicherungen und Finanzen
  • Personalwesen
  • Logistik
  • Öffentliche Verwaltung

Sie sollte Stellenanzeigen vergleichen und darauf achten, ob die Berufe viel Telefonkontakt, Zahlenarbeit, Schriftverkehr, Kundenkontakt oder Arbeit mit digitalen Programmen enthalten.

Wann solltest du dich bewerben?

Eine bundesweit einheitliche Bewerbungsfrist gibt es nicht. Der richtige Zeitpunkt hängt vom Ausbildungsberuf, Betrieb, Bundesland und der Ausbildungsform ab.

Größere Unternehmen beginnen teilweise etwa eineinhalb Jahre vor Ausbildungsbeginn mit der Auswahl. Banken, Versicherungen und Einrichtungen des öffentlichen Dienstes schreiben Ausbildungsplätze ebenfalls häufig früh aus. Bei schulischen Ausbildungen solltest du dich mindestens ein Jahr vorher über Zugangsvoraussetzungen und Anmeldetermine informieren, weil die Fristen von Schule zu Schule abweichen.

Ein sinnvoller Orientierungsplan sieht so aus:

Zeitraum vor Ausbildungsbeginn Was du erledigen kannst
18 bis 24 Monate Interessen klären und Berufsfelder recherchieren
12 bis 18 Monate Praktika organisieren und passende Betriebe auswählen
etwa 12 Monate Bewerbungsunterlagen erstellen und erste Bewerbungen versenden
9 bis 6 Monate Einstellungstests und Vorstellungsgespräche vorbereiten
6 bis 3 Monate weitere Bewerbungen versenden und Alternativen prüfen
kurz vor Beginn Vertrag, Fahrtweg, Unterlagen und Arbeitskleidung klären

Die Zeitangaben dienen der Orientierung. Entscheidend sind die Angaben in der konkreten Stellenausschreibung oder bei der jeweiligen Schule.

Auch nach Beginn des Ausbildungsjahres können freie Plätze vorhanden sein. Häufige Ausbildungsbeginne liegen am 1. August oder 1. September. Ein später Einstieg ist in manchen Fällen bis zum Jahresende möglich. Dann musst du versäumte Inhalte der Berufsschule nachholen. Frage bei der Berufsberatung, den Kammern und Betrieben nach freien Plätzen.

Diese Unterlagen gehören in die Bewerbung

Für eine Ausbildungsbewerbung brauchst du in der Regel:

  • ein individuelles Anschreiben
  • einen tabellarischen Lebenslauf
  • Schulzeugnisse
  • Praktikumsnachweise und andere passende Bescheinigungen

Ein Bewerbungsfoto ist freiwillig. Manche Betriebe verlangen zusätzlich Arbeitsproben, ein Motivationsschreiben oder ein Bewerbungsvideo. Prüfe die Angaben in der Ausschreibung.

Bei einer digitalen Bewerbung bereitest du deine Unterlagen als PDF vor. Das Unternehmen kann eine gemeinsame Datei oder einzelne Dokumente verlangen. Achte auf verständliche Dateinamen und kontrolliere vor dem Versand, ob alle Anlagen enthalten sind.

Das Anschreiben

Das Anschreiben sollte drei Fragen beantworten:

  1. Für welchen Ausbildungsberuf und welchen Ausbildungsbeginn bewirbst du dich?
  2. Warum interessiert dich dieser Beruf?
  3. Warum passt du zu diesem Betrieb?

Vermeide allgemeine Aussagen wie „Ich bin motiviert und teamfähig“, wenn du keine Beispiele nennst. Dafür eignen sich ein Praktikum, ein Schulprojekt, ein Nebenjob, ein Ehrenamt, ein Hobby oder ein eigenes technisches beziehungsweise kreatives Projekt.

Der Lebenslauf

Der Lebenslauf sollte übersichtlich sein und deinen bisherigen Weg nachvollziehbar darstellen. Dazu gehören:

  • Kontaktdaten
  • Schulbildung und voraussichtlicher Abschluss
  • Praktika
  • Nebenjobs
  • ehrenamtliches Engagement
  • Sprachkenntnisse
  • Computerkenntnisse
  • passende Interessen und Hobbys

Passe die Auswahl an den Ausbildungsberuf an. Ein selbst programmiertes Projekt ist für eine IT-Ausbildung relevant. Vereinsarbeit kann bei einer Ausbildung mit viel Team- oder Kundenkontakt wichtige Hinweise liefern.

Was passiert nach der Bewerbung?

Je nach Betrieb folgt:

  • ein telefonisches Vorgespräch
  • ein Einstellungstest
  • ein Assessment-Center
  • ein Vorstellungsgespräch
  • eine Probearbeit
  • ein persönliches Kennenlernen auf einer Ausbildungsmesse

Bereite dich auf Fragen zu deinen Interessen, Stärken, Praktika und Gründen für die Berufswahl vor. Informiere dich außerdem über den Betrieb und lies die Stellenausschreibung erneut.

Wenn nach etwa vier Wochen keine Rückmeldung kommt, kannst du höflich nach dem Stand deiner Bewerbung fragen. Bewerbe dich parallel bei mehreren passenden Betrieben. So bleibt deine Entscheidung offen, ohne dass du einen Beruf wählen musst, der nicht zu dir passt.

Ausbildungsvergütung und Kosten einplanen

Bei einer dualen Ausbildung richtet sich die Vergütung unter anderem nach dem Beruf und dem Ausbildungsjahr sowie nach dem Betrieb, dem Tarifvertrag und dem Standort. Das Bundesinstitut für Berufsbildung meldete für 2025 eine durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung von 1.209 Euro brutto monatlich über alle Ausbildungsjahre hinweg. Dieser Wert gilt für tarifgebundene Betriebe und beschreibt keinen festen Betrag für jede Ausbildung.

Bei schulischen Ausbildungen gibt es nicht automatisch eine reguläre Ausbildungsvergütung. Kläre deshalb frühzeitig, welche Kosten entstehen und welche finanzielle Unterstützung infrage kommt. Berücksichtige dabei:

  • Fahrtkosten
  • Arbeitskleidung
  • Lernmittel
  • Prüfungsgebühren
  • Kosten für eine eigene Wohnung
  • mögliche Vergütung oder fehlende Vergütung

Welche Unterstützung möglich ist, hängt von deinem Bildungsweg und deiner persönlichen Situation ab. Die Berufsberatung oder die zuständige Stelle kann dir die aktuellen Voraussetzungen nennen.

Wenn der Wunschberuf nicht klappt

Eine Absage bedeutet nicht, dass du grundsätzlich ungeeignet bist. Prüfe zunächst, ob du genügend passende Betriebe angeschrieben hast, ob deine Unterlagen auf die Ausschreibung eingehen und ob ein fehlendes Praktikum oder ein bestimmter Schulabschluss eine Rolle spielt.

Danach kommen mehrere Wege infrage:

  • weitere Betriebe im gleichen Beruf anschreiben
  • kleinere oder weniger bekannte Unternehmen prüfen
  • den Suchradius erweitern
  • einen ähnlichen Ausbildungsberuf auswählen
  • ein weiteres Praktikum absolvieren
  • Berufsberatung oder Kammerberatung nutzen
  • nach freien Ausbildungsplätzen im laufenden Jahr suchen

Wenn du beispielsweise keinen Ausbildungsplatz in einem stark nachgefragten kaufmännischen Beruf findest, können Berufe in Verwaltung, Logistik, Industrie oder Handel ähnliche Tätigkeiten bieten. Wer sich für Metalltechnik interessiert, kann neben einem bekannten Industrieberuf auch verwandte handwerkliche Ausbildungen prüfen. Weniger bekannte Berufe wie Hörakustik oder Polsterei verbinden praktische, technische und soziale Aufgaben.

Deine nächsten Schritte

In den nächsten sieben Tagen

  1. Notiere drei Tätigkeiten, die dir Freude machen.
  2. Schreibe drei Tätigkeiten auf, die du vermeiden möchtest.
  3. Belege deine wichtigsten Stärken mit konkreten Beispielen.
  4. Bearbeite Check-U oder ein vergleichbares Orientierungsangebot.
  5. Markiere fünf Berufe, die du genauer prüfen möchtest.

In den nächsten 30 Tagen

  1. Recherchiere Aufgaben, Anforderungen und Arbeitsbedingungen der fünf Berufe.
  2. Wähle drei Berufe für einen direkten Vergleich aus.
  3. Organisiere ein Praktikum, einen Schnuppertag oder ein Gespräch mit Auszubildenden.
  4. Prüfe Ausbildungsform, Schulabschluss, Ausbildungsdauer und Arbeitszeiten.
  5. Suche passende Ausbildungsplätze in deiner Region.
  6. Vereinbare bei offenen Fragen einen Termin bei der Berufsberatung.

Danach

  1. Erstelle deinen Lebenslauf.
  2. Sammle Zeugnisse und Nachweise.
  3. Notiere die Fristen der einzelnen Betriebe und Schulen.
  4. Formuliere jedes Anschreiben passend zur konkreten Stelle.
  5. Versende Bewerbungen an mehrere geeignete Betriebe.
  6. Halte Rückmeldungen, Gespräche und nächste Termine in einer Liste fest.
  7. Überarbeite deine Strategie nach Absagen und prüfe ähnliche Berufe.

Die passende Ausbildung findest du am zuverlässigsten, wenn du mehrere Informationsquellen verbindest: Selbstanalyse, Berufstest, Berufsbeschreibung, Praxiserfahrung, Beratung und konkrete Ausbildungsplatzsuche. So entsteht eine Entscheidung, die zu deinen Interessen, deinen Fähigkeiten und deinem gewünschten Arbeitsalltag passt.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.