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Online-Ausbildung: Lernen im virtuellen Klassenzimmer

Wenn Sie eine Ausbildung von zu Hause aus machen möchten, klären Sie zuerst, welche Teile online stattfinden. Im virtuellen Klassenzimmer kommen Lernende und Lehrende zu festen Zeiten online zusammen. In einer dualen Ausbildung ersetzt der Onlineunterricht weder die Arbeit im Betrieb noch den Präsenzunterricht automatisch. Mobiles Lernen ergänzt die Ausbildung; ob der Betrieb es anbietet, müssen Sie im Einzelfall klären.

Live-Unterricht oder E-Learning?

Im virtuellen Klassenzimmer nehmen Sie zusammen mit anderen Lernenden live am Unterricht teil. Sie hören der Lehrkraft zu, stellen Fragen und tauschen sich mündlich oder im Chat aus. Oft nutzen Sie auch die Kamera. Die Unterrichtszeiten stehen fest.

Beim selbstständigen E-Learning bearbeiten Sie Aufgaben und Lernmaterialien dagegen eigenständig und oft zu flexibleren Zeiten. Manche Angebote verbinden beide Formate: Sie lernen Inhalte selbstständig und besprechen Fragen anschließend in einer Live-Stunde. Fragen Sie den Anbieter, welche Formate vorgesehen sind und wie viel Zeit Sie jeweils dafür einplanen sollten.

Wie viel Ausbildung findet online statt?

Bei einer dualen Berufsausbildung gehören Betrieb und Berufsschule zu den Lernorten; je nach Ausbildung kommen weitere Einrichtungen hinzu. Das Berufsbildungsgesetz sieht vor, dass diese Lernorte bei der Ausbildung zusammenwirken. Daraus ergibt sich jedoch kein allgemeiner Anspruch auf Unterricht oder Ausbildung von zu Hause aus.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) empfiehlt mobiles Ausbilden und Lernen als Ergänzung zur Präsenz. Der Betrieb muss es nicht anbieten, und Auszubildende haben keinen allgemeinen Anspruch darauf. Welche Aufgaben Sie zu Hause erledigen können, hängt vom Beruf, den Ausbildungsinhalten und den Absprachen mit dem Betrieb ab. Praktische Tätigkeiten und Prüfungen müssen für den jeweiligen Beruf gesondert geklärt werden.

Homeoffice ist in der Ausbildung ebenfalls nicht überall üblich. In einer Erhebung für den BIBB-Report 4/2022 boten 18 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe ihren Auszubildenden Homeoffice an. Die Zahl bezieht sich auf Betriebe, nicht auf den Anteil der Auszubildenden, die tatsächlich zu Hause lernten. Sie beschreibt zudem den untersuchten Zeitraum und ist kein aktueller Wert für jedes Berufsfeld.

Welche Technik brauchen Sie?

Je nach Kurs brauchen Sie für Live-Unterricht von zu Hause häufig einen Computer oder ein Tablet, eine stabile Internetverbindung sowie Kamera und Headset. Der Anbieter sollte Ihnen vor dem Start genau sagen, welche Geräte und Programme nötig sind. Manche Angebote stellen die erforderliche Technik oder Software bereit; verlassen Sie sich darauf erst, wenn der Anbieter es bestätigt hat.

Klären Sie auch, wer bei technischen Problemen hilft und ob es eine Einführung in die Lernplattform gibt. Wenn Sie noch wenig Erfahrung mit Videounterricht oder Lernplattformen haben, bitten Sie darum, die Technik vor Beginn auszuprobieren. So wissen Sie, wie Sie sich anmelden, Aufgaben finden und im Unterricht Fragen stellen.

So lernen Sie zu Hause

Richten Sie einen festen Platz ein, an dem Sie den Unterricht verfolgen und Aufgaben bearbeiten können. Legen Sie Unterrichtszeiten und Abgabefristen sichtbar in einen Kalender. Wenn andere Personen im Haushalt da sind, sprechen Sie ab, wann Sie möglichst ungestört lernen möchten.

Teilen Sie längere Aufgaben in kleinere Schritte auf. Notieren Sie während des Unterrichts Fragen, statt darauf zu warten, dass sich die Antwort von selbst ergibt. Halten Sie außerdem regelmäßigen Kontakt zu Ihrer Ausbilderin oder Ihrem Ausbilder. Laut BIBB-Empfehlung sollten Gespräche sowohl vor Ort als auch online stattfinden. Außerdem sollten Sie klar absprechen, wann Sie erreichbar sind.

Zu Hause müssen Sie Ihre Zeit selbst einteilen und auch ohne direkte Aufsicht mit den Aufgaben beginnen. Wenn Ihnen das schwerfällt, bitten Sie um feste Rückmeldetermine oder regelmäßige kurze Gespräche. So können offene Fragen früh geklärt werden.

Was Sie vor mobilem Lernen klären sollten

Klären Sie vor der Anmeldung oder vor einer mobilen Lernphase diese Punkte:

  • Gibt es Live-Unterricht, selbstständiges E-Learning oder eine Mischung?
  • Welche Teile finden zu Hause, im Betrieb, in der Berufsschule oder an einem anderen Lernort statt?
  • Welche Geräte, Programme und Internetverbindung brauchen Sie, und wer stellt sie bereit?
  • Wie erhalten Sie Hilfe bei technischen Problemen und Rückmeldung zu Ihren Aufgaben?
  • Welche Regeln gelten für Erreichbarkeit, Datenschutz und den Umgang mit persönlichen Daten?
  • Wo üben Sie praktische Ausbildungsinhalte, und wie laufen Prüfungen ab?

Laut BIBB-Empfehlung ist der Betrieb bei einer dualen Ausbildung für die technische Ausstattung beim mobilen Lernen zuständig. Dazu gehören auch klare Vorgaben für Datenschutz und Datensicherheit. Fragen Sie nach, welche Lernplattform genutzt wird und welche persönlichen Daten dort gespeichert oder weitergegeben werden.

Klären Sie außerdem, ob der Start von zu Hause für Ihre aktuelle Ausbildungsphase passt. Das BIBB empfiehlt, mobiles Ausbilden möglichst nicht während der Probe- und Einarbeitungszeit zu beginnen. Gerade zu Beginn helfen direkte Gespräche und persönliche Anleitung dabei, Aufgaben, Ansprechpersonen und Abläufe kennenzulernen.

Wann virtuelles Lernen zur Ausbildung passt

Wenn das Angebot passt, sparen Sie sich den Weg zum Lernort und können sich von zu Hause aus mit anderen austauschen. Digitale Materialien erleichtern den Zugang zu Lerninhalten. Gleichzeitig hängen die Teilnahme und der Lernerfolg von der Ausstattung, der Betreuung und Ihren Lerngewohnheiten ab. Eine gute Internetverbindung allein ersetzt weder praktische Übung noch persönliche Rückmeldung.

Achten Sie bei der Auswahl auf die Unterrichtsform, die Betreuung und die Lerninhalte. Wenn Sie klare Tagesstrukturen brauchen oder praktische Tätigkeiten einen großen Teil der Ausbildung ausmachen, fragen Sie genau nach den Präsenzphasen. Wenn Sie selbstständig lernen und Ihren Alltag gut organisieren, kann ein Angebot mit flexiblen Lernzeiten besser zu Ihnen passen.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.