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Online-Ausbildung: Diese Berufe eignen sich für digitales Lernen

Sie möchten eine Ausbildung beginnen, aber nicht fünf Tage pro Woche in der Berufsschule sitzen? In vielen Berufen ist inzwischen eine Online-Ausbildung oder ein hybrides Modell möglich, bei dem ein Teil des Unterrichts digital stattfindet.

Ob sich ein Beruf eignet, hängt vor allem davon ab, wie viel praktische Arbeit an Maschinen, Geräten oder mit Kunden vor Ort nötig ist. Kaufmännische und viele IT-Berufe eignen sich gut, weil ein großer Teil der Arbeit am Computer stattfindet. Welche Berufe konkret infrage kommen und worauf Sie bei der Wahl achten sollten, lesen Sie hier.

Was Online-Ausbildung bedeutet

Bei einer klassischen dualen Ausbildung wechseln Sie zwischen Betrieb und Berufsschule. Bei einer Online-Ausbildung oder einem hybriden Modell lernen Sie einen Teil des Unterrichtsstoffs digital: Sie arbeiten mit Lernplattformen, besuchen Videokonferenzen und bearbeiten Aufgaben von zu Hause. Die praktische Ausbildung im Betrieb bleibt dabei meist bestehen, denn der betriebliche Teil lässt sich nicht vollständig ersetzen. Je nach Berufsschule und Bundesland gibt es unterschiedliche Regelungen, wie viel Präsenzunterricht vorgeschrieben ist. Fragen Sie bei der Berufsberatung oder direkt bei der Schule nach, welche digitalen Angebote es gibt.

Kaufmännische Berufe: Lernen am Bildschirm

Kaufmännische Ausbildungen gehören zu den Berufen, die sich am besten für digitales Lernen eignen. Die typischen Aufgaben wie Planen und Organisieren, Beraten und Verkaufen, Bearbeiten von Angeboten und Rechnungen sowie die Arbeit mit Daten und Office-Tools finden meistens am Computer statt. Sie können diese Tätigkeiten gut von zu Hause üben, etwa mit Übungssoftware für Buchhaltung oder mit simulierten Kundengesprächen in Videokonferenzen.

Die Ausbildung dauert in der Regel zwei bis drei Jahre, je nach Beruf und Vorleistungen. Eine Verkürzung ist möglich, wenn Sie die mittlere Reife oder das Abitur mitbringen oder besonders gute Leistungen zeigen. Wichtige Voraussetzungen für kaufmännische Berufe sind Kommunikationsstärke, Sorgfalt, Zuverlässigkeit und ein gutes Zahlenverständnis. Wenn Sie diese Eigenschaften mitbringen, fällt Ihnen das Lernen am Bildschirm leichter, weil Sie viel selbstständig arbeiten müssen.

Diese kaufmännischen Berufe eignen sich besonders gut:

  • Kaufmann für Büromanagement: Hier arbeiten Sie mit Texten, Tabellen, Terminplanung und Korrespondenz, alles am Rechner.
  • Industriekaufmann: Sie bearbeiten Bestellungen, erstellen Angebote und überwachen Kennzahlen, typische Bildschirmarbeit.
  • Kaufmann im E-Commerce: Online-Shops, Produktpflege und Kundenkommunikation finden ohnehin digital statt.
  • Steuerfachangestellter: Die Arbeit mit Steuerprogrammen und Belegen lässt sich gut digital vermitteln, auch wenn der Kontakt zum Finanzamt praktisch bleibt.

Technische und IT-Berufe: Programmieren und Systeme

Auch in technischen Berufen gibt es gute Möglichkeiten für Online-Lernen, besonders in der Informationstechnologie. Fachinformatiker in den Fachrichtungen Anwendungsentwicklung oder Systemintegration arbeiten fast ausschließlich am Computer. Sie schreiben Code, konfigurieren Server und dokumentieren ihre Arbeit, das alles lässt sich digital üben und vermitteln. Auch IT-Systemkaufleute, die Hard- und Software beschaffen und Kunden beraten, erledigen einen großen Teil ihrer Arbeit am Bildschirm.

Bei diesen Berufen profitieren Sie von Online-Lernplattformen, auf denen Sie Programmiersprachen wie Python oder Java Schritt für Schritt lernen können. Viele Ausbildungsbetriebe stellen zusätzlich eigene Lernumgebungen bereit, in denen Sie an realen Projekten arbeiten. Der praktische Teil im Betrieb bleibt wichtig, etwa wenn Sie Server im Rechenzentrum einrichten oder Netzwerke verkabeln, aber der theoretische Unterricht lässt sich gut digital abbilden.

Andere technische Berufe wie Mechatroniker, Elektroniker oder Anlagenmechaniker eignen sich dagegen weniger für reines Online-Lernen, weil Sie hier viel mit Werkzeug und Maschinen arbeiten müssen. Ein hybrider Ansatz ist trotzdem möglich: Die Theorie, etwa zu Schaltplänen oder Materialkunde, können Sie digital lernen, die praktischen Fertigkeiten müssen Sie aber im Betrieb oder in der Werkstatt üben.

Diese Berufe erfordern Präsenz

Berufe mit starkem Praxisbezug lassen sich nur begrenzt digital ausbilden. Dazu gehören Handwerksberufe wie Tischler, Elektriker oder Installateur, aber auch Pflegeberufe, Erzieher und Laborberufe. Bei diesen Ausbildungen steht das Arbeiten mit Menschen, Materialien oder Geräten im Vordergrund, das Sie nicht am Bildschirm lernen können. Eine reine Online-Ausbildung gibt es hier in der Regel nicht. Höchstens einzelne Theoriebausteine werden digital vermittelt.

Diese Berufe sind nicht schlecht, aber Sie müssen für die Ausbildung regelmäßig vor Ort sein. Wenn Sie Wert auf digitales Lernen legen, sollten Sie diese Berufe ausschließen oder sich auf ein hybrides Modell einstellen, bei dem nur ein kleiner Teil online stattfindet.

Worauf Sie bei der Wahl achten sollten

Bevor Sie sich für eine Ausbildung mit Online-Anteil entscheiden, prüfen Sie einige Punkte. Überlegen Sie, ob Sie selbstständig arbeiten können, denn digitales Lernen verlangt mehr Eigeninitiative als der Unterricht in der Klasse. Sie müssen sich selbst motivieren, Aufgaben fristgerecht abgeben und bei Verständnisproblemen aktiv nachfragen. Wenn Sie wissen, dass Ihnen feste Strukturen helfen, fragen Sie im Betrieb nach, wie der digitale Unterricht organisiert ist und ob es feste Zeiten für Videokonferenzen gibt.

Auch die technische Ausstattung ist wichtig. Sie benötigen einen stabilen Internetanschluss, einen funktionierenden Computer mit Kamera und Mikrofon sowie einen ruhigen Arbeitsplatz. Manche Betriebe stellen Laptops zur Verfügung, andere erwarten, dass Sie selbst für die Ausstattung sorgen. Klären Sie das vor Vertragsabschluss, damit Sie nicht unvorbereitet in die Ausbildung starten.

Sprechen Sie außerdem mit dem Ausbildungsbetrieb, bevor Sie sich bewerben. Fragen Sie, wie viel Präsenz in der Berufsschule vorgesehen ist, welche Lernplattformen genutzt werden und ob es Erfahrungen mit digitalem Unterricht gibt. So vermeiden Sie Überraschungen und finden heraus, ob das Modell zu Ihnen passt.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.