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Entscheidungs-Checkliste: Ausbildung oder Studium?

Überlegen Sie zuerst, welchen Beruf Sie später ausüben möchten. Prüfen Sie dann, welche Ausbildung oder welcher Abschluss dafür nötig ist, wie Sie am besten lernen und welcher Alltag zu Ihrer Lebenssituation passt.

Beantworten Sie die Fragen der Reihe nach und klären Sie offene Punkte, bevor Sie sich entscheiden. Eine duale Ausbildung verbindet die Arbeit im Betrieb mit Unterricht an der Berufsschule. Bei einer schulischen Ausbildung findet der Unterricht überwiegend an einer Berufsfachschule statt. Ein duales Studium verbindet das Studium mit praktischer Arbeit im Betrieb. Je nach Modell erwerben Sie zusätzlich einen anerkannten Berufsabschluss.

1. Berufsziel und Qualifikation prüfen

Beginnen Sie mit den Tätigkeiten, die Sie später ausüben möchten. Ein Interesse an einem Fachgebiet reicht für die Entscheidung noch nicht aus: Ein Studium und eine Ausbildung können im selben Feld zu sehr unterschiedlichen Aufgaben führen.

  • Welche Aufgaben möchte ich in einer typischen Arbeitswoche übernehmen?
  • Welche Berufe führen zu diesen Aufgaben?
  • Welche Qualifikation verlangen Arbeitgeber oder Berufsordnung für diese Berufe?
  • Gibt es dafür mehrere Wege, etwa eine Ausbildung, ein Studium oder beides?

Prüfen Sie, welche Voraussetzungen für den konkreten Beruf gelten und, falls Sie studieren möchten, für den gewünschten Studiengang. Sie unterscheiden sich je nach Beruf, Hochschule und Region. Wenn mehrere Wege offenstehen, vergleichen Sie deren Inhalte und Abschlüsse statt nur die Berufsbezeichnungen.

2. Lernalltag vergleichen

Eine Ausbildung passt eher zu Ihnen, wenn Sie Wissen direkt bei der Arbeit anwenden und nach und nach mehr Aufgaben im Betrieb übernehmen möchten. Im Studium verbringen Sie mehr Zeit mit Fachinhalten und wissenschaftlichem Arbeiten. Beide Wege enthalten Theorie und Praxis, aber in unterschiedlichem Umfang.

Vergleichen Sie einen Ausbildungsplan mit dem Studienplan. Welche Fächer, Arbeitszeiten und Prüfungsformen gibt es? Fragen Sie bei einem dualen Studium außerdem genau nach, ob Sie einen Berufsabschluss und einen Hochschulabschluss erhalten oder nur einen Hochschulabschluss. Die Modelle unterscheiden sich.

Notieren Sie anschließend, welche Lernform Ihnen liegt: praktische Aufgaben und Unterricht, selbstständiges Lernen mit Vorlesungen und Prüfungen oder eine Mischung aus beidem. Ihre Einschätzung hilft bei der Orientierung. Prüfen Sie trotzdem, welche Anforderungen der konkrete Weg mit sich bringt.

3. Berufe praktisch kennenlernen

Bei einem Praktikum, einem Schnuppertag oder einem Gespräch mit einer berufstätigen Person erfahren Sie, welche Aufgaben im Beruf anfallen. BIK empfiehlt praktische Erfahrungen, um Erwartungen mit dem tatsächlichen Arbeitsalltag abzugleichen.

  • Vergleichen Sie mindestens zwei Berufe oder Ausbildungs- beziehungsweise Studienwege.
  • Fragen Sie Beschäftigte nach typischen Aufgaben und Arbeitszeiten. Lassen Sie sich auch von den schwierigen Seiten des Berufs erzählen.
  • Halten Sie nach jeder Erfahrung fest, was Ihnen gefallen hat und was Sie überrascht hat.

Achten Sie besonders auf Tätigkeiten, die im Berufsalltag regelmäßig vorkommen. Wenn Ihnen etwa ein Fachgebiet gefällt, die typischen Aufgaben des dazugehörigen Berufs aber nicht, suchen Sie nach einem anderen Weg in dieses Feld.

4. Zugang und Fristen prüfen

Klären Sie früh, welche Schulabschlüsse, Vorkenntnisse und Bewerbungsunterlagen verlangt werden. Ausbildungsbetriebe, Berufsfachschulen und Hochschulen haben unterschiedliche Anforderungen. Auch Auswahlverfahren und Bewerbungsfristen unterscheiden sich.

Prüfen Sie die Angaben direkt bei der jeweiligen Hochschule, Schule oder dem Ausbildungsbetrieb. Bei Unsicherheit hilft eine Beratung der Bundesagentur für Arbeit. So erkennen Sie rechtzeitig, ob Sie noch Unterlagen beschaffen, eine Voraussetzung erfüllen oder eine Alternative vorbereiten müssen.

5. Geld und Dauer durchrechnen

Vergleichen Sie Einnahmen und Ausgaben sowie den Zeitpunkt, zu dem Geld verfügbar ist. Bei einer dualen Ausbildung erhalten Auszubildende eine monatliche Ausbildungsvergütung. Ihre Höhe richtet sich unter anderem nach Beruf und Ausbildungsjahr. Auch Arbeitgeber und Standort spielen eine Rolle. Eine schulische Ausbildung ist häufig nicht auf dieselbe Weise vergütet. Studienkosten und mögliche Unterstützung hängen ebenfalls vom konkreten Weg und der persönlichen Situation ab.

Schreiben Sie für jede Option auf, welche Einnahmen Sie erwarten und welche Kosten entstehen. Dazu zählen Fahrt und Wohnen sowie Lernmittel, Arbeitskleidung und Gebühren. Ziehen Sie die Kosten von den Einnahmen ab und prüfen Sie, wie Sie Monate ohne ausreichendes Einkommen finanzieren würden. Fragen Sie bei der zuständigen Stelle nach möglichen Hilfen. Planen Sie eine Förderung erst fest ein, wenn bestätigt ist, dass Sie die Voraussetzungen erfüllen.

Berücksichtigen Sie auch die Dauer. Eine duale Berufsausbildung dauert je nach Beruf häufig zwei bis dreieinhalb Jahre. Bei einem Studium hängen Dauer und Verlauf vom Studiengang und individuellen Umständen ab. Vergleichen Sie die konkreten Angaben Ihrer gewünschten Wege.

6. Wege und Abschlüsse vergleichen

Ausbildung und Studium schließen sich nicht immer aus. Sie können zum Beispiel erst eine Ausbildung machen und später studieren. Ein duales Studium verbindet Praxis und Hochschulstudium, wobei nicht jedes Modell zusätzlich einen Berufsabschluss vermittelt.

Prüfen Sie bei jeder Kombination, welche Abschlüsse tatsächlich erworben werden, wie hoch die Arbeitsbelastung ist und welche Voraussetzungen für den nächsten Schritt gelten. Der Bildungsbericht 2024 berichtet über Lohnunterschiede zwischen Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit und ohne vorherige Berufsausbildung. Er vergleicht damit abgeschlossene Ausbildungen nicht mit einem Studium ohne vorherige Berufsausbildung. Aus den Ergebnissen lässt sich daher nicht ableiten, welcher der beiden Wege allgemein zu einem höheren Einkommen führt.

Auch Durchschnittsgehälter beantworten Ihre persönliche Entscheidung nicht allein. Einkommen und Beschäftigung hängen unter anderem vom konkreten Beruf, Abschluss und Karriereverlauf ab. Vergleichen Sie mit Gehaltsangaben bestimmte Berufe. Sie erlauben kein allgemeines Urteil darüber, ob „Ausbildung“ oder „Studium“ besser bezahlt wird.

7. Entscheidung festhalten

Stellen Sie Ihre Antworten kurz gegenüber. Notieren Sie für jeden Weg das Berufsziel, die Lernform, die Voraussetzungen, die Dauer, wie Sie Ihren Lebensunterhalt finanzieren und welche Fragen noch offen sind. Markieren Sie besonders die Punkte, die Sie noch nicht geprüft haben.

Legen Sie außerdem eine Alternative fest: einen verwandten Beruf, einen anderen Studiengang oder einen späteren Wechsel. Wenn sich der erste Weg als unpassend erweist, ist eine frühe Beratung sinnvoll. Wenn Sie den Weg wechseln, ist die bisherige Zeit nicht automatisch verloren. Ihre Kenntnisse und Abschlüsse können Ihnen beim nächsten Schritt helfen.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.