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Duale Ausbildung: Betrieb und Berufsschule sinnvoll verbinden

Die duale Ausbildung verbindet praktisches Lernen im Ausbildungsbetrieb mit Unterricht in der Berufsschule. Wer einen anerkannten Ausbildungsberuf erlernen möchte, schließt dafür einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb und besucht zusätzlich die zuständige Berufsschule. Der Betrieb vermittelt berufliche Fertigkeiten und Arbeitsabläufe, die Schule ergänzt sie durch Fachtheorie und allgemeinbildende Inhalte.

Die Ausbildung dauert je nach Beruf in der Regel zwei, drei oder dreieinhalb Jahre. Sie endet mit einer Abschlussprüfung. Im Handwerk heißt sie häufig Gesellenprüfung. Nach dem erfolgreichen Abschluss können Absolventinnen und Absolventen im erlernten Beruf arbeiten oder sich weiterqualifizieren.

Was bedeutet „dual“?

„Dual“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zwei Lernorte zusammenarbeiten:

Lernort Was dort gelernt wird
Ausbildungsbetrieb Praktische Tätigkeiten, Arbeitsabläufe, Kundenkontakt, Werkzeuge, Maschinen, Software und betriebliche Regeln
Berufsschule Fachtheorie, Lernfelder, Mathematik, Kommunikation, Wirtschaft, Politik und weitere berufsübergreifende Inhalte

Beide Lernorte verfolgen ein gemeinsames Ziel: Auszubildende sollen berufliche Handlungsfähigkeit entwickeln. Sie sollen also Aufgaben im Beruf selbstständig, fachgerecht und verantwortungsvoll bearbeiten können.

Der Betrieb richtet die praktische Ausbildung nach der Ausbildungsordnung und dem Ausbildungsrahmenplan aus. Die Berufsschule arbeitet nach dem Rahmenlehrplan des jeweiligen Berufs. Die Inhalte beider Pläne sind aufeinander abgestimmt. So kann die Schule beispielsweise technische Grundlagen vermitteln, die der Betrieb anschließend bei einer konkreten Arbeitsaufgabe vertieft.

Die Berufsschule ist ein gleichwertiger Bestandteil der Ausbildung. Der Betrieb muss Auszubildende für den Unterricht freistellen. Die Unterrichtszeit wird unter den gesetzlichen Voraussetzungen auf die Ausbildungszeit angerechnet.

Wie unterscheiden sich duale Ausbildung, schulische Ausbildung und duales Studium?

Eine duale Ausbildung ist ein Ausbildungsverhältnis mit einem Betrieb. Auszubildende erhalten eine Ausbildungsvergütung und lernen an zwei Lernorten.

Bei einer schulischen Ausbildung findet der Unterricht überwiegend an einer Berufsfachschule oder Fachschule statt. Praktika ergänzen die Ausbildung. Die Zugangsvoraussetzungen, Dauer und Finanzierung unterscheiden sich je nach Beruf.

Ein duales Studium verbindet ein Hochschulstudium mit längeren Praxisphasen in einem Unternehmen. Es führt zu einem Hochschulabschluss und folgt anderen Regeln als eine duale Berufsausbildung.

Auch eine Berufsakademie ist nicht automatisch Teil des klassischen dualen Ausbildungssystems. Wer sich für eine konkrete Bildungsform interessiert, sollte deshalb prüfen, welcher Vertrag abgeschlossen wird, welcher Abschluss vorgesehen ist und an welchem Lernort der Unterricht stattfindet.

Für wen eignet sich die duale Ausbildung?

Die duale Ausbildung passt zu Menschen, die berufliche Theorie direkt mit praktischen Aufgaben verbinden möchten. Sie eignet sich für Jugendliche nach der Schule ebenso wie für Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren oder einen anerkannten Abschluss nachholen möchten.

Ein bestimmter Schulabschluss ist gesetzlich für eine duale Ausbildung grundsätzlich nicht vorgeschrieben. Ausbildungsbetriebe legen jedoch selbst fest, welche Schulabschlüsse, Noten oder Kenntnisse sie bei der Auswahl berücksichtigen. Je nach Beruf und Betrieb können ein Hauptschulabschluss, ein mittlerer Schulabschluss oder die Hochschulreife erwartet werden.

Entscheidend ist deshalb die konkrete Ausbildungsstelle. In der Ausschreibung stehen meist Hinweise zu:

  • gewünschten Schulabschlüssen und Fächern,
  • technischen oder kaufmännischen Grundkenntnissen,
  • Arbeitszeiten einschließlich möglicher Schichtdienste,
  • körperlichen Anforderungen,
  • notwendigem Kundenkontakt,
  • digitalen Kenntnissen,
  • Sprachkenntnissen und weiteren Nachweisen.

Ein perfekter Lebenslauf ist für den Einstieg nicht erforderlich. Motivation, Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft und ein realistisches Interesse am Beruf zählen häufig ebenso. Ein Praktikum, ein Schulprojekt, ein Nebenjob, ein Ehrenamt oder ein Wettbewerb kann die Bewerbung sinnvoll ergänzen, wenn ein Bezug zum Ausbildungsberuf besteht.

Den passenden Ausbildungsberuf finden

Die Berufswahl sollte sich an den tatsächlichen Tätigkeiten orientieren. Eine Berufsbezeichnung allein sagt wenig darüber aus, wie der Arbeitsalltag aussieht.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Arbeite ich gern mit Menschen, Maschinen, Daten, Tieren, Materialien oder Produkten?
  • Liegen mir praktische, technische, organisatorische, kreative oder soziale Aufgaben?
  • Möchte ich häufig mit Kundinnen und Kunden sprechen?
  • Komme ich mit wechselnden Arbeitszeiten oder körperlicher Arbeit zurecht?
  • Welche Schulfächer fallen mir leicht?
  • Arbeite ich lieber im Büro, in einer Werkstatt, in einer Praxis, auf Baustellen oder im Freien?
  • Gibt es passende Ausbildungsbetriebe in meiner Region?
  • Welche ähnlichen Berufe kommen als Alternative infrage?

Berufsinformationen der Bundesagentur für Arbeit, etwa im Portal BERUFENET oder mit dem Selbsterkundungsangebot Check-U, helfen beim Vergleich. Sie beschreiben Tätigkeiten, Ausbildungsdauer, Arbeitsbedingungen und mögliche Einsatzfelder.

Ein Praktikum bringt realistische Einblicke

Ein Schülerbetriebspraktikum, ein freiwilliges Kurzpraktikum oder ein Schnuppertag zeigt, ob die eigenen Vorstellungen zum Beruf passen. Interessierte sollten nach Möglichkeit nicht nur zuschauen, sondern einfache Aufgaben übernehmen und Fragen stellen:

  • Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag aus?
  • Welche Aufgaben übernehmen Auszubildende im ersten Jahr?
  • Welche Werkzeuge, Maschinen oder Programme kommen zum Einsatz?
  • Wie wird der Berufsschulunterricht organisiert?
  • Welche Eigenschaften helfen in diesem Beruf?
  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es nach dem Abschluss?

Die Erfahrungen aus einem Praktikum liefern außerdem konkrete Beispiele für das Anschreiben und das Vorstellungsgespräch.

Mehr als einen Beruf prüfen

Ein einzelner Wunschberuf reicht bei der Suche häufig nicht aus. Die Zahl der Ausbildungsplätze unterscheidet sich nach Beruf, Region und Betrieb. Deshalb lohnt es sich, mindestens zwei passende Alternativen zu prüfen.

Wer sich beispielsweise für Computer interessiert, kann neben dem Beruf Fachinformatikerin oder Fachinformatiker auch Berufe im IT-System-Management, im Digitalisierungsmanagement oder in der Elektronik vergleichen. Wichtig sind die täglichen Aufgaben und Arbeitsbedingungen, nicht nur die Berufsbezeichnung.

So sieht der Ausbildungsalltag aus

Der Alltag hängt vom Ausbildungsberuf und vom Betrieb ab. Mit der Zeit übernehmen Auszubildende anspruchsvollere Aufgaben und arbeiten zunehmend selbstständig.

Aufgaben im Ausbildungsbetrieb

Typische Bestandteile der betrieblichen Ausbildung sind:

  • Einarbeitung in Arbeitsabläufe und Sicherheitsregeln,
  • Mitarbeit in verschiedenen Abteilungen,
  • Üben beruflicher Grundfertigkeiten,
  • Umgang mit Werkzeugen, Maschinen oder Software,
  • Bearbeitung von Kunden- und Lieferantenanfragen,
  • Dokumentation von Arbeitsschritten,
  • Kontrolle von Qualität und Arbeitsergebnissen,
  • Vorbereitung auf Prüfungen.

Der Ausbildungsbetrieb muss die Ausbildung planmäßig und passend zum Ausbildungsberuf durchführen. Aufgaben sollen dem Ausbildungszweck dienen und den körperlichen Kräften der Auszubildenden entsprechen. Die erforderlichen Ausbildungsmittel stellt der Betrieb grundsätzlich kostenlos bereit.

Unterricht in der Berufsschule

Die Berufsschule vermittelt Fachwissen und übt berufliche Situationen. Der Unterricht ist häufig in Lernfeldern organisiert. Lernfelder orientieren sich an konkreten Aufgaben aus dem Berufsalltag und verbinden mehrere Wissensbereiche.

Je nach Beruf gehören dazu beispielsweise:

  • fachbezogene Mathematik,
  • technische Grundlagen und Schaltpläne,
  • Geschäftsprozesse,
  • Wirtschaft und Recht,
  • Kommunikation,
  • Datenverarbeitung,
  • Politik und Gesellschaft,
  • Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz.

Die konkreten Lernfelder und Fächer unterscheiden sich nach Ausbildungsberuf und Bundesland. Deutsch, Politik und Sport können ebenso zum Stundenplan gehören wie berufsspezifischer Unterricht.

Teilzeitunterricht oder Blockunterricht

Der Berufsschulunterricht findet nicht in allen Berufen nach demselben Wochenplan statt. Möglich sind:

  • ein oder zwei feste Berufsschultage pro Woche,
  • einzelne Unterrichtstage mit anschließender Arbeit im Betrieb,
  • mehrwöchige Phasen mit Blockunterricht,
  • überregionale Fachklassen für seltene Ausbildungsberufe.

Bei einer überregionalen Fachklasse kann der Schulweg länger sein. Während des Blockunterrichts kommt auch eine Unterbringung außerhalb des eigenen Wohnorts infrage. Die konkrete Organisation klären Ausbildungsbetrieb und Berufsschule.

Ausbildungsnachweis führen

Auszubildende führen einen schriftlichen oder elektronischen Ausbildungsnachweis. Darin halten sie fest, welche Inhalte und Tätigkeiten sie im Betrieb und in der Berufsschule bearbeitet haben. Der Betrieb muss die Führung ermöglichen und die Nachweise regelmäßig prüfen.

Der Ausbildungsnachweis hilft, den eigenen Lernfortschritt zu verfolgen. Je nach Ausbildungsordnung und Prüfungsregelung kann er außerdem für die Zulassung zur Abschlussprüfung relevant sein.

Beispiele aus verschiedenen Berufen

Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement

Im Betrieb bearbeiten Auszubildende beispielsweise E-Mails und erstellen Angebote. Sie pflegen Kundendaten, organisieren Termine und unterstützen Geschäftsprozesse. In der Berufsschule vertiefen sie unter anderem kaufmännische Abläufe, Kommunikation, Wirtschaft und rechtliche Grundlagen.

Der Beruf verbindet Organisation, digitale Anwendungen und Kontakt mit Menschen. Reine Schreibtischarbeit beschreibt den Alltag deshalb nur unvollständig.

Elektronikerin oder Elektroniker

Im Betrieb montieren Auszubildende Anlagen, führen Messungen durch, suchen Fehler und beachten Sicherheitsregeln. Die Berufsschule behandelt technische Zusammenhänge, Mathematik, Schaltpläne und systematische Problemlösung.

Wer eine Messung fachgerecht durchführen möchte, muss technische Grundlagen verstehen und Sicherheitsvorschriften anwenden. Dabei greifen Theorie und Praxis ineinander.

Lebensmittelhandwerk

In einem Lebensmittelhandwerk lernen Auszubildende den Umgang mit Rohstoffen, Maschinen und Hygienevorschriften. Zur Arbeit gehören die Beratung der Kundschaft, Qualitätsprüfungen und die Organisation von Arbeitsabläufen. In der Berufsschule kommen Warenkunde, Kalkulation und Fachrechnen hinzu.

Auch handwerkliche Berufe verlangen daher kaufmännische, rechtliche und kommunikative Kenntnisse.

Prüfungen und Abschluss

In vielen Ausbildungsberufen gibt es während der Ausbildungszeit eine Zwischenprüfung. Sie zeigt Auszubildenden und Ausbilderinnen oder Ausbildern, welche Inhalte bereits sitzen und wo noch Lernbedarf besteht. Die Note der klassischen Zwischenprüfung entscheidet grundsätzlich nicht über die Zulassung zur Abschlussprüfung.

Einige Ausbildungsordnungen sehen stattdessen eine gestreckte Abschlussprüfung vor. Dabei zählt ein erster Prüfungsteil bereits für das Gesamtergebnis. Welche Prüfungsform gilt, steht in der Ausbildungsordnung des jeweiligen Berufs.

Am Ende steht die Abschlussprüfung. Sie kann schriftliche, mündliche und praktische Teile enthalten. Die Aufgaben orientieren sich zunehmend an beruflichen Handlungssituationen. Ein praktischer Prüfungsteil kann beispielsweise ein Gesellenstück, eine Montage, eine Fehleranalyse oder ein simuliertes Kundenberatungsgespräch umfassen.

Die Prüfungsausschüsse setzen sich aus Fachleuten aus der Praxis und Lehrkräften zusammen. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite wirken dabei gemeinsam mit. Zuständig ist je nach Beruf meist die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer.

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz

Eine Bewerbung sollte zeigen, warum der konkrete Beruf und der konkrete Betrieb zum eigenen Interesse passen.

Diese Unterlagen gehören meist dazu

In der Regel werden folgende Dokumente verlangt:

  1. Anschreiben,
  2. tabellarischer Lebenslauf,
  3. letztes Schulzeugnis,
  4. gegebenenfalls weitere Zeugnisse,
  5. Praktikumsbescheinigungen,
  6. passende Zertifikate, Arbeitsproben oder Nachweise.

Ein Bewerbungsfoto ist nicht verpflichtend. Maßgeblich sind die Angaben des Betriebs oder des Bewerbungsportals.

Das Anschreiben konkret formulieren

Das Anschreiben sollte drei Fragen beantworten:

  • Warum interessiert mich dieser Ausbildungsberuf?
  • Warum bewerbe ich mich bei diesem Betrieb?
  • Welche Erfahrungen und Stärken bringe ich mit?

Allgemeine Sätze wirken weniger überzeugend als konkrete Beispiele. Ein Praktikum lässt sich beispielsweise mit einer beruflichen Tätigkeit verbinden:

Im Schülerpraktikum habe ich technische Anlagen geprüft und bei der Fehlersuche unterstützt. Dabei hat mir das systematische Arbeiten besonders gefallen. Deshalb bewerbe ich mich um die Ausbildung im Bereich Elektronik.

Der Lebenslauf sollte übersichtlich und vollständig sein. Praktika, Schulprojekte, Nebenjobs oder ehrenamtliche Tätigkeiten gehören hinein, wenn sie etwas über die eigenen Interessen oder Fähigkeiten zeigen.

Mögliche Schritte im Auswahlverfahren

Nach der Bewerbung folgen je nach Betrieb:

  • ein Telefoninterview,
  • ein Online-Test oder Eignungstest,
  • ein Vorstellungsgespräch,
  • ein Probetag oder Praktikum,
  • ein Assessment-Center,
  • ein Gespräch mit der Ausbildungsleitung oder der Fachabteilung.

Bewerberinnen und Bewerber sollten den Ausbildungsberuf erklären können und wissen, welche Aufgaben sie erwarten. Eigene Fragen sind ebenfalls sinnvoll, etwa zur Berufsschule, zu Abteilungen, Prüfungen und Übernahmemöglichkeiten. Eine Übernahme darf jedoch nicht als sicher vorausgesetzt werden.

Fristen und sinnvoller Zeitplan

Für duale Ausbildungsplätze gibt es keine einheitliche bundesweite Bewerbungsfrist. Der Betrieb legt den Bewerbungsschluss fest. Größere Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber starten ihre Auswahl teilweise deutlich vor dem Ausbildungsbeginn. Kleinere Betriebe schreiben Stellen teilweise später aus.

Wer im August oder September beginnen möchte, kann sich an diesem Ablauf orientieren:

Zeitraum Sinnvoller Schritt
Frühjahr des vorletzten Schuljahres Interessen prüfen, Berufsfelder erkunden und Praktika suchen
Sommer bis Herbst des vorletzten Schuljahres Betriebe recherchieren und Bewerbungsunterlagen vorbereiten
Herbst und Winter Früh ausgeschriebene Stellen prüfen und Bewerbungen versenden
Letztes Schuljahr Weitere Betriebe anschreiben sowie Gespräche und Tests wahrnehmen
Frühjahr bis Sommer Vertrag prüfen und organisatorische Fragen klären
Ausbildungsbeginn Betrieb, Berufsschule und zuständige Kammer kennenlernen

Diese Übersicht ersetzt keine Fristangabe. Entscheidend ist immer die Ausschreibung des jeweiligen Betriebs. Wer eine Stelle bei einer Behörde oder einem größeren Unternehmen anstrebt, sollte besonders früh nach dem Auswahlkalender fragen.

Ausbildungsvergütung und wichtige Vertragsangaben

Auszubildende erhalten in dualen Ausbildungsberufen eine Ausbildungsvergütung. Sie steigt im Verlauf der Ausbildung grundsätzlich mindestens jährlich. Die konkrete Höhe hängt unter anderem vom Beruf und der Branche ab. Auch Tarifvertrag, Betrieb und Ausbildungsjahr spielen eine Rolle.

Für Ausbildungsverträge mit Beginn im Kalenderjahr 2026 gelten bei nicht tarifgebundenen Betrieben folgende gesetzlichen Mindestvergütungen:

Ausbildungsjahr Monatliche Mindestvergütung bei Ausbildungsbeginn 2026
Erstes Jahr 724 Euro
Zweites Jahr 854 Euro
Drittes Jahr 977 Euro
Viertes Jahr 1.014 Euro

Tarifliche oder betriebliche Regelungen können höhere Beträge vorsehen. Die vereinbarte Vergütung muss im Ausbildungsvertrag stehen. Die genannten Werte sind gesetzliche Mindestbeträge und keine Durchschnittswerte für alle Berufe.

Der Vertrag sollte außerdem den Ausbildungsberuf, die Ausbildungsdauer und den Beginn nennen. Er sollte auch Angaben zu Probezeit, Arbeitszeit und Urlaub enthalten. Hinzu kommen Vergütung und Kündigungsbedingungen. Die Probezeit dauert mindestens einen Monat und höchstens vier Monate. Während dieser Zeit gelten besondere Kündigungsregeln.

Arbeitszeit, Urlaub und Schutzvorschriften hängen unter anderem vom Alter, vom Ausbildungsvertrag und von tariflichen Regelungen ab. Für Minderjährige gilt zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz.

Was passiert nach der Zusage?

Nach einer Zusage sollten Bewerberinnen und Bewerber den Ausbildungsvertrag sorgfältig lesen und offene Fragen klären. Wichtig sind insbesondere:

  • Beginn und Dauer der Ausbildung,
  • Ausbildungsvergütung,
  • Probezeit,
  • Arbeitszeiten,
  • Urlaub,
  • Berufsschulort und Unterrichtsform,
  • Fahrtweg und mögliche Unterkunft,
  • Arbeitskleidung und erforderliche Ausstattung,
  • Ansprechperson im Betrieb,
  • Fristen für weitere Unterlagen.

Der Betrieb meldet die Auszubildenden in der Regel bei der zuständigen Berufsschule an und kümmert sich um die Eintragung bei der zuständigen Stelle, etwa der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Bewerberinnen und Bewerber sollten trotzdem nachfragen, welche Unterlagen noch fehlen.

Wenn es in der Ausbildung Probleme gibt

Schwierigkeiten sollten früh angesprochen werden. Ein Gespräch mit der ausbildenden Person oder der Ausbildungsleitung kann klären, ob Lerninhalte fehlen, Aufgaben unklar sind oder der Ausbildungsplan angepasst werden muss.

Bei Konflikten oder Unsicherheit helfen je nach Situation:

  • die Klassenleitung oder ein Vertrauenslehrer der Berufsschule,
  • die Ausbildungsberatung der Industrie- und Handelskammer,
  • die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer,
  • die Berufsberatung der Agentur für Arbeit,
  • eine zuständige Ausbildungsbegleitung oder eine Jugendberatungsstelle.

Auch der Ausbildungsnachweis hilft bei der Klärung. Er zeigt, welche Inhalte bereits vermittelt wurden und an welchen Stellen Lücken bestehen.

Die nächsten Schritte auf einen Blick

  1. Eigene Interessen, Stärken und gewünschte Arbeitsbedingungen notieren.
  2. Mehrere Berufsfelder mithilfe von BERUFENET, Check-U oder weiteren Beratungsangeboten prüfen.
  3. Einen Wunschberuf und passende Alternativen auswählen.
  4. Ausbildungsdauer, Tätigkeiten und Anforderungen vergleichen.
  5. Ein Praktikum oder einen Schnuppertag organisieren.
  6. Ausbildungsbetriebe in der Region und überregional recherchieren.
  7. Bewerbungsfristen jeder Ausschreibung notieren.
  8. Lebenslauf und Anschreiben auf den jeweiligen Betrieb anpassen.
  9. Zeugnisse und passende Nachweise vollständig zusammenstellen.
  10. Gespräche, Tests und mögliche Probetage vorbereiten.
  11. Den Ausbildungsvertrag vor der Unterschrift sorgfältig prüfen.
  12. Fahrtweg und Berufsschule klären; ebenso Unterkunft, Finanzierung und Arbeitskleidung.
  13. Bei Fragen die Berufsberatung oder die zuständige Kammer kontaktieren.

Häufige Fragen zur dualen Ausbildung

Ist ein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben?

Nein. Für die duale Ausbildung gibt es grundsätzlich keinen gesetzlich vorgeschriebenen Schulabschluss. Betriebe können jedoch eigene Auswahlkriterien festlegen. Deshalb unterscheiden sich die Anforderungen je nach Beruf und Ausbildungsstelle.

Wie viele Tage pro Woche ist Berufsschule?

Das hängt vom Ausbildungsberuf und vom Schulstandort ab. Möglich sind ein oder zwei feste Berufsschultage pro Woche oder Blockunterricht. Bei seltenen Berufen findet der Unterricht teilweise in überregionalen Fachklassen statt.

Wird die Berufsschulzeit bezahlt?

Der Ausbildungsbetrieb muss Auszubildende für den Berufsschulunterricht freistellen und die Ausbildungsvergütung weiterzahlen. Die gesetzlichen Regeln zur Anrechnung von Unterrichts-, Pausen- und Wegezeiten gelten abhängig von den jeweiligen Voraussetzungen.

Muss ich während der Ausbildung einen Nachweis führen?

Ja. Auszubildende führen einen schriftlichen oder elektronischen Ausbildungsnachweis. Der Betrieb muss die Führung unterstützen und die Einträge regelmäßig prüfen. Der Nachweis kann für die Prüfungszulassung wichtig sein.

Kann die Ausbildungszeit verkürzt werden?

Eine Verkürzung kommt unter bestimmten Voraussetzungen infrage, etwa bei passenden Vorbildungen oder guten Leistungen. Ob sie möglich ist, entscheidet die zuständige Stelle im jeweiligen Einzelfall. Die Ausbildungsordnung und der Ausbildungsvertrag geben den rechtlichen Rahmen vor.

Was passiert bei nicht bestandener Abschlussprüfung?

Wer die Prüfung nicht besteht, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Verlängerung des Ausbildungsverhältnisses bis zur nächsten Wiederholungsprüfung verlangen. Die Verlängerung ist höchstens für ein Jahr möglich.

Ist eine duale Ausbildung trotz Hochschulreife sinnvoll?

Ja. Die Hochschulreife schließt eine duale Ausbildung nicht aus. Sie kann zu einem Beruf passen, der praktische Erfahrung, einen anerkannten Berufsabschluss und einen direkten Einstieg in die Arbeitswelt verbindet. Entscheidend sind die eigenen Ziele und der konkrete Ausbildungsberuf.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.