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Die passende Ausbildung ohne Überforderung finden

Die passende Ausbildung hängt nicht nur vom Wunschberuf ab. Schichtdienst, viel Kundenkontakt und lange Theoriephasen in der Berufsschule verlangen unterschiedliche Kräfte. Prüfen Sie neben Interessen und Noten auch, wie viel Belastung Sie aushalten, wie Ihr Alltag aussieht und wie Sie am besten lernen.

Entscheidend sind Arbeitszeiten, Lernformen, Anfahrtsweg und Ausbildungsvergütung. Wer diese Punkte vor der Bewerbung klärt, vermeidet den Wechsel in eine Ausbildung, die dauerhaft überfordert.

Was die Ausbildung von Ihnen fordert

In der dualen Ausbildung lernen Sie im Betrieb und in der Berufsschule. In der schulischen Ausbildung besuchen Sie eine Berufsfachschule und sammeln in Praktika Praxis. Beide Formen belasten unterschiedlich.

Die duale Ausbildung verlangt meist frühes Aufstehen, feste Arbeitszeiten und oft auch Schichtdienst. Dazu kommen Kundenkontakt, Termindruck oder körperliche Arbeit. Die schulische Ausbildung ähnelt dem Schulalltag: viele Unterrichtsstunden, Hausarbeiten, Klausuren, dazu Praktika, die oft unbezahlt bleiben. In manchen schulischen Ausbildungen, besonders an privaten Schulen, zahlen Sie Schulgeld.

Machen Sie sich vor der Bewerbung ein genaues Bild vom Alltag. Der Ausbildungsrahmenplan für den Beruf listet auf, welche Fertigkeiten Sie im Betrieb lernen. Die Berufsschule veröffentlicht ihre Stundentafel. Noch genauer informieren aktuelle Auszubildende: Fragen Sie nach den üblichen Arbeitszeiten, nach der Anzahl der Klausuren pro Halbjahr und danach, wie viel Zeit die Auszubildenden im Stehen oder unterwegs verbringen.

Belastbarkeit ehrlich einschätzen

Keine Checkliste kann Ihnen sagen, wie viel Sie persönlich aushalten. Die Übersicht der Bundesagentur für Arbeit nennt Ausbildungsplätze, Fristen und Auswahlverfahren, aber nicht Ihre Belastbarkeit. Diese Einschätzung müssen Sie selbst treffen.

Orientieren Sie sich an konkreten Situationen aus Ihrem bisherigen Leben. Wie sind Sie durch die letzten Prüfungsphasen gekommen? Haben Sie danach Tage gebraucht, um sich zu erholen, oder waren Sie am nächsten Morgen wieder fit? Wie reagieren Sie auf viele Menschen, Lärm oder ständige Unterbrechungen? Wenn Sie nach vollen Tagen lange Ruhe brauchen, ist eine Ausbildung mit ständig wechselnden Schichten oder viel Kundenkontakt eine Dauerbelastung. Wenn Sie sich in ruhiger Einzelarbeit am wohlsten fühlen, sind laute Werkstätten oder Großraumbüros die falsche Umgebung.

Etwas Anspannung gehört in den ersten Monaten jeder Ausbildung dazu. Entscheidend ist, ob die Grundlast zu Ihnen passt. Wer sich das ehrlich eingesteht, statt sich am Idealbild des Berufs zu orientieren, wählt realistischer.

Der Alltag entscheidet mit

Die Ausbildung muss in Ihr Leben passen, nicht nur in Ihren Lebenslauf. Prüfen Sie die Anfahrt zur Berufsschule und zum Betrieb zu den Zeiten, zu denen Sie wirklich fahren müssen. Wenn die Anfahrt länger als eine Stunde dauert, bleibt an Arbeitstagen wenig Zeit für anderes. In manchen Berufen findet der Berufsschulunterricht geblockt über mehrere Wochen statt, in anderen an ein oder zwei Tagen pro Woche. Das verändert Ihren kompletten Wochenrhythmus.

Auch private Verpflichtungen gehören in die Rechnung. Wer jüngere Geschwister betreut, Angehörige pflegt oder auf einen Nebenjob angewiesen ist, braucht eine Ausbildung mit planbaren Zeiten. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch nach dem Schichtmodell und danach, wie früh der Dienstbeginn sein kann.

Die finanzielle Seite klären Sie ebenfalls vorher. In der dualen Ausbildung zahlen die Betriebe eine Ausbildungsvergütung, deren Höhe im Tarifvertrag oder im Betrieb festgelegt ist. In schulischen Ausbildungen gibt es oft keine Vergütung, stattdessen können Schulkosten anfallen. Fragen Sie beides direkt an, bevor Sie sich bewerben.

Lernstil und Prüfungsform

Jede Ausbildung hat ihren eigenen Lernschwerpunkt. Manche Berufe sind überwiegend praktisch, andere verlangen viel Theorie. Schauen Sie sich die Ausbildungsordnung an, die für Ihren Wunschberuf gilt, und die Fächer der Berufsschule im ersten Ausbildungsjahr.

Wenn Sie am besten lernen, indem Sie Dinge ausprobieren, passt ein Beruf mit vielen praktischen Aufgaben besser als einer, der überwiegend aus Unterricht und Fachtexten besteht. Wenn Sie gut mit Texten arbeiten und sich Wissen selbst erarbeiten können, kommen Sie auch mit theorielastigen Ausbildungen klar.

Auch die Prüfungsform spielt eine Rolle. Die Abschlussprüfung besteht je nach Beruf aus schriftlichen, praktischen und mündlichen Teilen. Wer bei Prüfungen stark aufgeregt ist, sollte wissen, wie groß der praktische Anteil ist und ob es Übungsmöglichkeiten gibt. Fragen Sie den Betrieb, ob er die Auszubildenden gezielt auf die Prüfung vorbereitet und ob es innerbetrieblichen Unterricht oder zusätzliche Schulungen gibt.

Die Checkliste der Bundesagentur nutzen

Die Bundesagentur für Arbeit hat eine Checkliste für die Ausbildungswahl. Sie sammelt die organisatorischen Fakten, die Sie vor der Bewerbung kennen sollten:

  • Wo die Ausbildung möglich ist und wie viele Plätze es gibt
  • Wie viele Bewerber es üblicherweise gibt
  • Bis wann die Bewerbung eingereicht sein muss
  • Wie das Auswahlverfahren abläuft, etwa mit Vorstellungsgespräch oder Assessment-Center
  • Ob die Ausbildung mit Hochschulreife verkürzt werden kann
  • Welche Stelle die Ausbildung überwacht und berät, zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, die Landwirtschaftskammer oder die Schulbehörde
  • Ob Zusatzqualifikationen oder Auslandsaufenthalte möglich sind
  • Wie hoch die Ausbildungsvergütung in der dualen Ausbildung ist oder ob in der schulischen Ausbildung Schulkosten anfallen

Diese Liste hilft Ihnen, Ausbildungen zu vergleichen und Fristen einzuhalten. Sie beantwortet aber nicht die Fragen nach Belastbarkeit, Alltag und Lernstil. Ergänzen Sie die organisatorischen Fakten um Ihre eigene Einschätzung aus den vorherigen Abschnitten.

Praktika und Probearbeiten

Der sicherste Test ist der Arbeitsplatz selbst. Ein Schulpraktikum, ein freiwilliges Praktikum oder ein Schnuppertag zeigen Ihnen, wie sich der Beruf tatsächlich anfühlt. Achten Sie dabei nicht nur auf die Aufgaben, sondern auf das Tempo, die Pausen, den Umgangston und darauf, wie erschöpft Sie nach einem Arbeitstag sind.

Fragen Sie während des Praktikums die Auszubildenden nach ihrem ersten Jahr: ob sie genug Zeit zum Lernen hatten, ob sie Unterstützung bekommen haben und ob der Beruf ihren Erwartungen entspricht. Fragen Sie sich am Abend selbst, ob Sie diese Arbeit fünf Tage die Woche über die gesamte Ausbildungszeit durchhalten möchten.

Wenn Sie zwischen zwei Berufen schwanken, machen Sie in beiden ein Praktikum. Der Vergleich zeigt oft deutlicher als jede Berufsbeschreibung, wo die Belastung liegt und welche Umgebung Ihnen guttut.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.