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Den passenden Ausbildungsberuf finden

Mehrere hundert Ausbildungsberufe und duale Studiengänge stehen zur Auswahl. Die richtige Entscheidung fällt schwer. Wer systematisch vorgeht, statt sich vom Angebot überwältigen zu lassen, findet schneller einen Beruf, der zu den eigenen Stärken passt. Drei Schritte führen zum Ziel: eigene Stärken und Interessen klären, ungeeignete Berufe aussortieren und die verbleibenden Kandidaten genauer prüfen.

Was Sie über sich selbst klären sollten

Bevor Sie Berufe vergleichen, schauen Sie zuerst auf sich selbst. Eine zentrale Frage ist, ob Sie eher zurückhaltend oder gesellig arbeiten. Wer lieber allein und konzentriert arbeitet, kommt mit Berufen zurecht, die wenig Kundenkontakt verlangen. Wer Energie aus dem Austausch mit Menschen zieht, sucht besser einen Beruf mit viel Teamarbeit oder Publikumsverkehr.

Weitere Fragen betreffen Ihre Arbeitsweise: Arbeiten Sie lieber mit den Händen oder mit Zahlen? Planen Sie gern im Voraus oder reagieren Sie lieber spontan? Bleiben Sie bei einer Sache, bis sie fertig ist, oder brauchen Sie Abwechslung? Diese Antworten grenzen die Auswahl bereits deutlich ein.

Kostenlose Tests nutzen

Zwei kostenlose Online-Tests helfen, Stärken und Interessen mit passenden Berufen abzugleichen. Der Check-U-Test der Bundesagentur für Arbeit dauert etwa 80 Minuten und erstellt ein persönliches Stärkenprofil. Sie beantworten Fragen zu Ihren Talenten, bevorzugten Arbeitsbedingungen und interessanten Berufsfeldern. Der Test zeigt passende Ausbildungsberufe ab der 8. Klasse und Studiengänge ab der 10. Klasse.

Der Berufs-Check ist deutlich kürzer: 12 Fragen, unter 5 Minuten, ohne Konto und beliebig oft wiederholbar. Er zeigt auch weniger bekannte Berufe aus allen Branchen. Beide Tests ergänzen sich, weil der eine gründlich analysiert und der andere schnell neue Ideen liefert.

Ausschlusskriterien formulieren

Bevor Sie nach passenden Berufen suchen, legen Sie fest, was nicht infrage kommt. Ausschlusskriterien sind Bedingungen, die einen Beruf für Sie unabhängig vom Gehalt uninteressant machen. Typische Beispiele: keine Schichtarbeit, kein ständiger Kundenkontakt, keine Arbeit in großer Höhe, kein überwiegendes Sitzen im Büro.

Schreiben Sie fünf bis zehn solcher Kriterien auf. Gehen Sie dann Ihre Liste möglicher Berufe durch und streichen Sie alles, was gegen ein Kriterium verstößt. Diese Methode funktioniert, weil sie die Auswahl von mehreren hundert Berufen auf eine überschaubare Zahl reduziert. Wichtig ist, dass Sie ehrlich bleiben und nicht aus Rücksicht auf Eltern oder Freunde Kriterien weglassen, die Ihnen persönlich wichtig sind.

Von Interessen zu Berufsfeldern

Aus einem Interesse lässt sich oft ein ganzes Berufsfeld ableiten. Wer gern mit Menschen arbeitet, findet passende Berufe in Gesundheit, Erziehung, Handel oder Gastronomie. Wer sich für Technik begeistert, schaut in Richtung Metall, Elektro, IT oder Fahrzeugbau. Wer gern im Freien ist, findet Anschluss in Landwirtschaft, Gartenbau oder Forstwirtschaft.

Der RIASEC-Test, ein anerkanntes Modell der Berufswahl, ordnet Interessen sechs Kategorien zu: praktisch, forschend, künstlerisch, sozial, unternehmerisch und konventionell. Diese Einordnung hilft, Berufe zu finden, die zu Ihrer Persönlichkeit passen. Eine Liste der zwanzig beliebtesten Ausbildungsberufe gibt zusätzlich einen Überblick, welche Berufe andere häufig wählen. Sie sollten diese Liste aber nicht als Rangfolge verstehen, sondern als Ausgangspunkt für eigene Recherche.

Praktische Schritte zur Entscheidung

Nachdem Sie sich selbst geprüft und die Tests gemacht haben, folgt die konkrete Recherche. Suchen Sie sich fünf bis zehn Berufe heraus, die Ihre Kriterien erfüllen und zu Ihren Interessen passen. Lesen Sie die offiziellen Ausbildungsbeschreibungen, achten Sie auf Inhalte, Dauer und Abschluss. Ein Praktikum oder ein Schnuppertag zeigt am zuverlässigsten, ob der Alltag im Beruf zu Ihnen passt.

Sprechen Sie mit Menschen, die den Beruf ausüben. Fragen Sie nach den typischen Aufgaben, den stressigen Momenten und den Aufstiegschancen. Diese Gespräche liefern Informationen, die keine Beschreibung enthält. Vergleichen Sie am Ende Ihre Kandidaten anhand Ihrer Kriterien und treffen Sie die Entscheidung bewusst.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.