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Ausbildung

Probleme in der Ausbildung wirksam meistern

Wenn die Ausbildung anders läuft als erwartet, helfen frühe Gespräche und passende Unterstützung meist besser als ein vorschneller Abbruch. Schwierigkeiten entstehen in der Berufsschule, im Betrieb, bei der Berufswahl oder durch private Belastungen. Entscheidend ist, das Problem genau zu benennen, die zuständige Ansprechperson einzubeziehen und gemeinsam einen überprüfbaren nächsten Schritt festzulegen.

Ein vorzeitig gelöster Ausbildungsvertrag kann einen Betriebswechsel oder einen Wechsel des Ausbildungsberufs bedeuten, ohne dass jemand das gesamte Ausbildungssystem verlässt. Deshalb lohnt sich Beratung, bevor eine Kündigung oder Vertragsauflösung erklärt wird.

Wenn die Ausbildung nicht wie erwartet läuft

Viele Probleme haben mit einer fehlenden Passung zu tun. Der Beruf entspricht vielleicht nicht den eigenen Vorstellungen, der Ausbildungsbetrieb vermittelt wichtige Inhalte nicht oder die Anforderungen in der Berufsschule sind höher als erwartet. Auch persönliche Konflikte, gesundheitliche Belastungen, finanzielle Sorgen oder Schwierigkeiten in der Familie wirken sich auf die Ausbildung aus.

Typische Warnzeichen sind:

  • wiederholt schlechte Noten oder nicht bestandene Klassenarbeiten
  • Unsicherheit bei Fachsprache, Mathematik oder digitalen Anwendungen
  • häufige Verspätungen oder Fehlzeiten
  • fehlende Anleitung und kaum Rückmeldung im Betrieb
  • dauerhaft ausbildungsfremde Tätigkeiten
  • Streit mit Ausbilderinnen, Ausbildern oder Kolleginnen und Kollegen
  • Prüfungsangst oder anhaltende Überforderung
  • Zweifel am Ausbildungsberuf
  • Probleme beim Führen des Ausbildungsnachweises
  • Sorgen, dass der Betrieb wirtschaftlich gefährdet ist

Die Verantwortung liegt dabei nicht automatisch nur bei einer Seite. Unzuverlässigkeit, unentschuldigtes Fehlen und fehlende Lernbereitschaft verschärfen Konflikte. Betriebe verschärfen sie durch mangelhafte Anleitung, respektlosen Umgang, ungeeignete Aufgaben oder fehlende Gespräche. Häufig entstehen Schwierigkeiten, weil Erwartungen und Zuständigkeiten nicht klar besprochen wurden.

Die Berufswahl realistisch prüfen

Probleme lassen sich teilweise vermeiden, wenn der Berufsalltag vor der Bewerbung möglichst genau bekannt ist. Ein Berufstitel beschreibt nur einen Teil der späteren Arbeit. Prüfen Sie deshalb vor der Entscheidung:

  • Welche Aufgaben gehören zu einem gewöhnlichen Arbeitstag?
  • Wie viel Zeit entfällt auf Kundenkontakt, Bildschirmarbeit, Verwaltung oder körperliche Tätigkeiten?
  • Gibt es Schichtarbeit, frühe Arbeitszeiten oder längere Fahrwege?
  • Welche Fächer und praktischen Fähigkeiten sind wichtig?
  • Passt das Arbeitsumfeld zu den eigenen Interessen und Belastungsgrenzen?
  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten bietet der Beruf nach dem Abschluss?

Ein Praktikum, ein Schnuppertag oder ein Gespräch mit Beschäftigten vermittelt oft ein realistischeres Bild als eine kurze Beschreibung im Internet. So zeigt sich beispielsweise, dass eine Ausbildung im Büromanagement neben organisatorischen Aufgaben auch Telefonate, Tabellen, Terminplanung und wiederkehrende Verwaltung umfasst. Wer vorab praktische Erfahrungen sammelt, kann die Berufswahl besser bestätigen oder rechtzeitig nach einer Alternative suchen.

Bei Zweifeln hilft eine einfache Unterscheidung:

  1. Stört mich der Beruf selbst oder nur dieser Ausbildungsbetrieb?
  2. Ist die Belastung vorübergehend oder besteht sie seit Beginn?
  3. Fehlen mir Kenntnisse, die ich mit Unterstützung nachholen kann?
  4. Würde ein anderer Betrieb besser zu mir passen?
  5. Brauche ich eine andere Ausbildungsform, etwa Teilzeit?

Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer können diese Fragen mit Ihnen einordnen.

Ausbildungsformen und Lernorte

Duale Ausbildung

In einer dualen Ausbildung lernen Sie an zwei Orten: im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Der Betrieb vermittelt praktische Fertigkeiten und berufliche Handlungsfähigkeit. Die Berufsschule vermittelt Fachtheorie sowie allgemeinbildende und berufsübergreifende Inhalte.

Der Unterricht findet je nach Beruf an einzelnen Wochentagen oder in Blockform statt. Berufsschulunterricht gehört zur Ausbildung und darf nicht einfach durch reguläre Arbeit ersetzt werden. Der Betrieb muss die Teilnahme ermöglichen und Auszubildende dafür freistellen.

Typische Lernprobleme entstehen, wenn Theorie und Praxis zunächst wenig miteinander zu tun haben. Eine Aufgabe aus dem Unterricht wird im Betrieb vielleicht erst Wochen später gebraucht. Umgekehrt fehlt manchmal das Hintergrundwissen, um praktische Tätigkeiten zu verstehen. Ein Lernplan sollte deshalb beide Bereiche verbinden.

Schulische Ausbildung

Bei einer schulischen Ausbildung findet der Unterricht überwiegend an einer Berufsfachschule oder einer anderen beruflichen Schule statt. Praktische Abschnitte können in Einrichtungen oder Betrieben stattfinden.

Hier gelten je nach Beruf, Bundesland und Schule unterschiedliche Voraussetzungen. Dazu gehören beispielsweise:

  • ein bestimmter Schulabschluss
  • ein Vorpraktikum
  • Gesundheitsnachweise
  • ein erweitertes Bewerbungsverfahren
  • feste Fristen für Anmeldung oder Bewerbung

Informieren Sie sich bei der jeweiligen Schule frühzeitig. Für viele schulische Ausbildungsgänge beginnt die Bewerbung etwa ein Jahr vor dem Ausbildungsstart. Eine allgemeine Frist für alle Berufe gibt es jedoch nicht.

Teilzeitausbildung

Eine Teilzeitausbildung kann helfen, wenn familiäre, gesundheitliche oder andere persönliche Gründe eine Ausbildung in Vollzeit erschweren. Die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit wird reduziert. Die Ausbildungsdauer verlängert sich entsprechend und darf höchstens auf das Eineinhalbfache der regulären Dauer steigen.

Ob diese Lösung möglich ist, hängt vom Einzelfall und der Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Stelle ab. Beratung ist sinnvoll, bevor Arbeitszeiten verändert werden.

Anforderungen an Auszubildende und Betriebe

Für eine duale Ausbildung ist rechtlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Betriebe legen jedoch eigene Auswahlkriterien fest. In Stellenanzeigen finden sich häufig Anforderungen an Schulnoten, Fachkenntnisse, Praktika oder persönliche Eigenschaften.

Wichtig sind je nach Beruf:

Bereich Mögliche Anforderungen
Schulische Grundlagen Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen oder Fachtheorie
Persönliche Fähigkeiten Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit
Praktische Anforderungen sorgfältiges Arbeiten, Kundenkontakt oder körperliche Belastbarkeit
Organisation Pünktlichkeit, Krankmeldung und Einhalten von Fristen
Digitale Kenntnisse Umgang mit Fachprogrammen, Textverarbeitung oder Tabellen

Auch der Ausbildungsbetrieb hat Pflichten. Er muss die berufliche Handlungsfähigkeit planmäßig und sachlich gegliedert vermitteln. Die Aufgaben müssen zum Ausbildungszweck passen und den körperlichen Kräften angemessen sein. Erforderliche Ausbildungsmittel muss der Betrieb kostenlos bereitstellen. Außerdem muss er den Berufsschulbesuch ermöglichen und den Ausbildungsnachweis regelmäßig prüfen.

Dauerhaftes Kopieren, Kaffeekochen oder andere Tätigkeiten ohne Ausbildungsbezug erfüllen diesen Zweck nicht. Einzelne einfache Aufgaben gehören zum Arbeitsalltag, sie dürfen aber nicht die geplanten Ausbildungsinhalte ersetzen.

Bewerbung und Fristen

Wann sollte die Bewerbung beginnen?

Eine bundesweit einheitliche Bewerbungsfrist gibt es nicht. Der richtige Zeitpunkt hängt vom Ausbildungsberuf, vom Betrieb und von der Ausbildungsform ab.

Größere Unternehmen beginnen teilweise etwa eineinhalb Jahre vor dem Ausbildungsstart mit der Auswahl. Kleinere Betriebe veröffentlichen Stellen häufig später. Banken, Versicherungen und der öffentliche Dienst haben oft frühe Bewerbungsphasen. Bei schulischen Ausbildungen legt die Schule den Zeitraum fest.

Beginnen Sie deshalb spätestens am Anfang des letzten Schuljahres mit der Suche und prüfen Sie jede Ausschreibung einzeln. Maßgeblich sind die Frist des Betriebs oder der Schule und die dort genannten Anforderungen.

Welche Unterlagen gehören in die Bewerbung?

In der Regel benötigen Sie:

  • ein Anschreiben, das auf den Betrieb zugeschnitten ist
  • einen tabellarischen Lebenslauf
  • aktuelle Schulzeugnisse
  • Praktikumsbescheinigungen
  • relevante Zertifikate und Nachweise
  • gegebenenfalls Arbeitsproben oder ein Motivationsschreiben

Ein Bewerbungsfoto ist nicht verpflichtend. Zusätzliche Unterlagen oder ein bestimmtes Dateiformat können in der Ausschreibung verlangt werden.

Das Anschreiben sollte zwei Fragen beantworten: Warum interessiert Sie dieser Ausbildungsberuf, und warum bewerben Sie sich bei diesem Betrieb? Vermeiden Sie ein unverändertes Standardschreiben für alle Bewerbungen. Prüfen Sie außerdem Rechtschreibung, Dateinamen und die vollständige Übermittlung der Unterlagen.

Bewerbungs-Checkliste

  1. Tätigkeiten und Anforderungen des Berufs prüfen.
  2. Frist und Ansprechpartner notieren.
  3. Eigene Kenntnisse und Praktika mit der Ausschreibung vergleichen.
  4. Anschreiben individuell formulieren.
  5. Lebenslauf aktualisieren.
  6. Zeugnisse und Nachweise vollständig zusammenstellen.
  7. Unterlagen als PDF speichern, sofern dies verlangt wird.
  8. Bewerbung vor dem Versand gegenlesen.
  9. Bewerbungen und Rückmeldungen in einer Übersicht dokumentieren.
  10. Nach etwa vier Wochen ohne Antwort höflich nach dem Stand fragen.

Besser lernen in Betrieb und Berufsschule

Mehr Lernzeit allein löst Lernprobleme nicht. Entscheidend ist eine Methode, die zum Stoff und zum eigenen Alltag passt.

Lernplan

Teilen Sie den Prüfungsstoff in kleine Wochenziele auf. Planen Sie feste Einheiten und lassen Sie Zeit für Wiederholungen. Beginnen Sie mit schwierigen Themen frühzeitig, statt erst kurz vor der Prüfung damit anzufangen.

Aktives Abrufen

Lesen Sie Unterlagen nicht nur mehrfach. Schließen Sie das Buch und beantworten Sie Fragen aus dem Gedächtnis. Erklären Sie einen Ablauf laut, als würden Sie ihn einer anderen Person beibringen.

Karteikarten und Fehlerliste

Karteikarten eignen sich für Fachbegriffe, Definitionen und Vokabeln. Sammeln Sie zusätzlich falsch gelöste Aufgaben in einer Fehlerliste. Wiederholen Sie diese Aufgaben regelmäßig, bis Sie den Lösungsweg sicher erklären können.

Praxisbezug

Verknüpfen Sie jede Theorieeinheit mit einer konkreten Aufgabe aus dem Betrieb. Wer beispielsweise kaufmännische Berechnungen lernt, kann prüfen, wo diese bei Angeboten, Rechnungen oder Lagerbeständen vorkommen.

Lerngruppe und Prüfungssimulation

In einer kleinen Lerngruppe erklären sich die Beteiligten schwierige Themen gegenseitig. Eine Prüfungssimulation mit Zeitvorgabe zeigt, ob nicht nur das Wissen, sondern auch die Bearbeitungsgeschwindigkeit ausreicht.

Bei sprachlichen, fachlichen oder persönlichen Schwierigkeiten sollten Sie Unterstützung früh beantragen. Die Assistierte Ausbildung, kurz AsA, kann unter anderem Nachhilfe, Prüfungsvorbereitung, Sprachförderung und sozialpädagogische Begleitung umfassen. Die Teilnahme ist für Auszubildende kostenlos, wenn die individuellen Voraussetzungen erfüllt sind.

Häufige Probleme im Ausbildungsalltag

Fehlende Anleitung und ausbildungsfremde Tätigkeiten

Führen Sie ein Protokoll mit Datum, Aufgabe, beteiligten Personen und fehlendem Ausbildungsinhalt. Dadurch wird aus dem allgemeinen Eindruck ein konkretes Gesprächsanliegen.

Formulieren Sie beispielsweise:

„In den vergangenen drei Wochen habe ich überwiegend Ablageaufgaben erledigt. Die Inhalte zur Kundenkommunikation aus meinem Ausbildungsplan konnte ich deshalb noch nicht üben. Können wir festlegen, wann ich diese Aufgaben übernehme und wer mich dabei anleitet?“

Fehlzeiten und Verspätungen

Wiederholte Verspätungen, unentschuldigtes Fehlen und verspätete Krankmeldungen belasten das Ausbildungsverhältnis. Prüfen Sie die betrieblichen Regeln zur Krankmeldung und informieren Sie den Betrieb unverzüglich. Die Berufsschule muss ebenfalls informiert werden, wenn dies dort vorgesehen ist. Nachweise sollten fristgerecht eingereicht werden.

Wenn gesundheitliche Probleme wiederholt zu Fehlzeiten führen, suchen Sie ärztliche oder beratende Unterstützung. Verschweigen Sie eine Überforderung nicht, bis die Fehlzeiten weiter anwachsen.

Ausbildungsnachweis

Der Ausbildungsnachweis, häufig Berichtsheft genannt, sollte regelmäßig und zeitnah geführt werden. Notieren Sie die Tätigkeiten wöchentlich und gleichen Sie sie mit dem Ausbildungsplan ab. Ein fester Termin, etwa 20 Minuten am Freitag, verhindert Nachträge aus dem Gedächtnis.

Der Betrieb muss Gelegenheit geben, den Nachweis am Arbeitsplatz zu führen, und ihn regelmäßig durchsehen. Fehlende Ausbildungsinhalte werden dadurch früh sichtbar.

Schlechte Noten und Prüfungsangst

Sprechen Sie nicht erst nach dem Nichtbestehen einer Prüfung über Lernprobleme. Wenden Sie sich an eine Lehrkraft, die Klassenleitung, die Schulsozialarbeit oder die Ausbildungsberatung. Fragen Sie nach Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung.

Ein einfacher Plan kann so aussehen:

  • zuerst die drei Themen mit den größten Lücken bestimmen
  • pro Woche zwei feste Lerntermine eintragen
  • alte Aufgaben ohne Unterlagen bearbeiten
  • nach jedem Termin die Fehler auswerten
  • einmal pro Woche eine Aufgabe unter Prüfungsbedingungen lösen

Konflikte im Betrieb

Auszubildende erleben Konflikte häufig wegen Fehlzeiten, Unpünktlichkeit oder unzureichender Leistungen. Betriebe und Auszubildende berichten zugleich von fehlender Anleitung, ausbildungsfremden Tätigkeiten, Überstunden oder respektlosem Verhalten. Ein sachliches Gespräch sollte beide Seiten und die konkrete Situation berücksichtigen.

Bei Beleidigungen, Drohungen, Belästigung, gefährlichen Arbeitsbedingungen oder Verstößen gegen den Jugendarbeitsschutz sollten Sie nicht auf ein langes Abwarten setzen. Wenden Sie sich an eine Vertrauensperson, die zuständige Kammer oder eine geeignete Beratungsstelle.

Schritt für Schritt zu einer Lösung

1. Das Problem konkret beschreiben

Schreiben Sie auf:

  • Was ist passiert?
  • Wann und wie oft ist es passiert?
  • Wer war an der Situation beteiligt?
  • Welche Folge hat die Situation für Ausbildung oder Gesundheit?
  • Welche konkrete Änderung brauchen Sie?

2. Ein Gespräch vereinbaren

Wählen Sie einen ruhigen Zeitpunkt und sprechen Sie zunächst mit der Ausbilderin, dem Ausbilder oder der Ausbildungsleitung. Beschreiben Sie beobachtbare Tatsachen und vermeiden Sie pauschale Vorwürfe.

Eine hilfreiche Struktur lautet:

  1. Beobachtung nennen
  2. Auswirkung erklären
  3. Ein Ziel formulieren
  4. Eine Lösung vorschlagen
  5. Einen Überprüfungstermin vereinbaren

3. Vereinbarung festhalten

Notieren Sie nach dem Gespräch kurz:

  • Was wird geändert?
  • Wer übernimmt welchen Schritt?
  • Bis wann soll die Änderung erfolgen?
  • Wann wird gemeinsam geprüft, ob sie wirkt?

Eine schriftliche Zusammenfassung verhindert Missverständnisse. Sie muss kein ausführliches Protokoll sein.

4. Vertrauenspersonen einbeziehen

Je nach Problem kommen verschiedene Anlaufstellen infrage:

  • Ausbildungsleitung oder Ausbilder
  • Berufsschullehrkraft oder Klassenleitung
  • Schulsozialarbeit
  • Betriebsrat, Personalrat oder Jugend- und Auszubildendenvertretung
  • Eltern oder andere Vertrauenspersonen
  • Industrie- und Handelskammer
  • Handwerkskammer
  • Berufsberatung der Agentur für Arbeit

Die zuständige Kammer hängt vom Ausbildungsberuf und vom Ausbildungsbetrieb ab.

5. Neutrale Beratung nutzen

Die Ausbildungsberatung der zuständigen Kammer kann bei Konflikten vermitteln, Rechte und Pflichten erklären und weitere Schritte aufzeigen. Sie sollten sich dort auch melden, wenn Sie einen Betriebswechsel oder Berufswechsel erwägen.

Die Assistierte Ausbildung unterstützt bei schulischen Lücken, Sprachproblemen, Prüfungsvorbereitung und persönlichen Schwierigkeiten. VerAplus bietet eine persönliche Begleitung durch einen Coach. Das Angebot ist kostenlos und vertraulich. Die genauen Zugangsvoraussetzungen und der passende Umfang werden im Beratungsgespräch geklärt.

Betriebswechsel, Berufswechsel oder Beendigung

Ein Betriebswechsel kann sinnvoll sein, wenn der Betrieb wichtige Ausbildungsinhalte dauerhaft nicht vermittelt, Gespräche keine Verbesserung bringen oder das Arbeitsklima die Ausbildung gefährdet. Ein Berufswechsel passt eher, wenn die Tätigkeit selbst nicht den eigenen Interessen oder Fähigkeiten entspricht.

Vor einer Beendigung sollten Sie diese Punkte klären:

  • Gilt für Sie noch die Probezeit?
  • Welche Regelungen stehen im Ausbildungsvertrag?
  • Welche Folgen hat die geplante Beendigung für Berufsschule, Prüfung und Versicherung?
  • Kann die Ausbildung in einem anderen Betrieb fortgesetzt werden?
  • Werden bereits absolvierte Ausbildungszeiten berücksichtigt?
  • Ist eine andere Ausbildungsform oder Teilzeit möglich?

Das Berufsbildungsgesetz sieht eine Probezeit von mindestens einem und höchstens vier Monaten vor. Nach der Probezeit gelten besondere Anforderungen für eine Kündigung. Lassen Sie die konkrete Situation vor einer Erklärung von der zuständigen Kammer oder einer qualifizierten Beratungsstelle prüfen.

Eine Vertragslösung bedeutet nicht automatisch einen endgültigen Ausbildungsabbruch. Entscheidend ist, was danach geschieht: Ein Anschlussvertrag in einem anderen Betrieb oder ein Wechsel in einen besser passenden Beruf kann der sinnvollere Weg sein.

Drei praktische Beispiele

Schlechte Noten und Prüfungsangst

Ein Auszubildender im ersten Lehrjahr versteht Fachrechnen und Fachsprache nicht sicher. Vor Klassenarbeiten lernt er nur am Vorabend und vermeidet Aufgaben, die ihm schwerfallen.

Der nächste Schritt besteht darin, die Lehrkraft nach den größten Wissenslücken zu fragen. Danach erstellt er einen Wochenplan, übt zweimal pro Woche mit alten Aufgaben und sucht Unterstützung durch die Assistierte Ausbildung. Eine Fehlerliste zeigt, welche Rechenwege wiederholt werden müssen.

Ausbildungsfremde Tätigkeiten und fehlende Anleitung

Eine Auszubildende im Büro erledigt über mehrere Wochen fast nur Ablage und Botengänge. Inhalte aus dem Ausbildungsplan werden nicht erklärt. Sie dokumentiert die Aufgaben, vergleicht sie mit dem Ausbildungsplan und bittet um ein Gespräch mit der Ausbildungsleitung.

Im Gespräch vereinbaren beide Seiten konkrete Lernziele, eine zuständige Anleitung und einen Termin zur Überprüfung. Bleibt die Änderung aus, wendet sie sich an die zuständige Kammer.

Falscher Beruf oder ungeeigneter Betrieb

Ein Auszubildender stellt fest, dass ihn die Tätigkeit grundsätzlich nicht interessiert. Gleichzeitig ist der Umgangston im Betrieb schlecht. Er kündigt nicht sofort, sondern trennt die beiden Fragen: Passt der Beruf nicht, oder wäre nur ein anderer Betrieb geeigneter?

Ein Gespräch mit der Berufsberatung und der Kammer zeigt, ob ein Betriebswechsel, ein Berufswechsel oder eine Fortsetzung mit Unterstützung sinnvoll ist. Ein Praktikum in einem verwandten Beruf hilft bei der Entscheidung.

Die nächsten Schritte

Innerhalb von 24 Stunden

  • Problem mit Datum und konkreten Beispielen aufschreiben
  • Ausbildungsvertrag und Ausbildungsplan prüfen
  • eine vertraute Person informieren
  • Ausbildungsnachweis aktualisieren
  • keine vorschnelle Kündigung oder Vertragsauflösung erklären

Innerhalb einer Woche

  • Gespräch mit Ausbilder oder Ausbildungsleitung vereinbaren
  • Berufsschullehrkraft bei schulischen Problemen ansprechen
  • eine konkrete Vereinbarung mit einem Überprüfungstermin treffen
  • Regeln für Krankmeldungen und Fehlzeiten prüfen
  • zuständige Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer ermitteln

Innerhalb von 30 Tagen

  • prüfen, ob sich die Situation verbessert hat
  • bei Bedarf Assistierte Ausbildung, VerAplus oder Berufsberatung kontaktieren
  • Lernlücken mit einem festen Plan bearbeiten
  • Betriebswechsel, Berufswechsel oder Teilzeitausbildung beraten lassen
  • Bewerbungsunterlagen vorbereiten, falls ein Wechsel notwendig wird

Wichtige Einordnung zu Vertragslösungen

Im Berichtsjahr 2024 wurden in Deutschland 159.024 duale Ausbildungsverträge vor Ablauf der regulären Ausbildungsdauer gelöst. Die Vertragslösungsquote lag bei 29,7 Prozent. Diese Zahl beschreibt Vertragslösungen und keine allgemeine Abbruchquote.

Eine Vertragslösung kann einen Betriebswechsel, einen Berufswechsel oder das endgültige Ende der Ausbildung bedeuten. Mehr als zwei Drittel der im Jahr 2024 gelösten Verträge wurden innerhalb des ersten Ausbildungsjahres beendet. Das zeigt, wie wichtig eine frühe Klärung ist. Die Statistik erklärt jedoch nicht automatisch, warum ein Vertrag gelöst wurde oder welchen Weg die betroffene Person danach eingeschlagen hat.

Fazit

Probleme in der Ausbildung sollten Sie früh ansprechen und konkret dokumentieren. Prüfen Sie, ob die Ursache bei der Berufswahl, im Betrieb, in der Berufsschule oder in einer persönlichen Belastung liegt. Ein Gespräch, ein Lernplan und externe Beratung reichen häufig aus, um die Situation zu stabilisieren.

Wenn der Betrieb nicht ausbildet, der Beruf dauerhaft nicht passt oder private Umstände eine Vollzeitausbildung verhindern, gibt es weitere Wege. Dazu gehören Assistierte Ausbildung, VerAplus, ein Betriebswechsel, ein Berufswechsel oder eine Teilzeitausbildung. Eine Beratung vor der Kündigung schafft Klarheit und erhält mehr Möglichkeiten für den nächsten Schritt.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.