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Berufswahl: Welcher Weg führt zur passenden Ausbildung?

Bei der Suche nach einer Ausbildung hilft der Blick auf den späteren Berufsalltag: Welche Aufgaben liegen Ihnen, welche Arbeitsbedingungen passen zu Ihnen und welche Ausbildung bietet dafür den passenden Rahmen? Der Berufstitel allein beantwortet diese Fragen nicht.

Vergleichen Sie Ihre Interessen und Stärken mit den tatsächlichen Tätigkeiten, lernen Sie den Beruf praktisch kennen und prüfen Sie den Ausbildungsbetrieb. Tests und Berufsberatung geben Orientierung, entscheiden müssen Sie selbst.

Interessen in Tätigkeiten übersetzen

Überlegen Sie zuerst, was Sie bei der Arbeit gern tun. Arbeiten Sie lieber mit Menschen, Technik, Daten oder Materialien? Liegen Ihnen praktische Aufgaben, Organisation, kreatives Gestalten oder das Lösen kniffliger Probleme? Notieren Sie auch, was Ihnen bei der Arbeit wichtig ist, etwa geregelte Arbeitszeiten, Kundenkontakt oder körperliche Bewegung.

Prüfen Sie dann, welche konkreten Tätigkeiten zu diesen Vorlieben passen. Wer sich für Technik interessiert, sollte zum Beispiel prüfen, ob Fehlersuche, Dokumentation, Kundenberatung oder die Arbeit an Maschinen zum eigenen Bild vom Beruf passen. Gerade solche Aufgaben bestimmen den Alltag stärker als ein gut klingender Berufsname.

Prüfen Sie auch, welche Anforderungen der Beruf mit sich bringt. Fragen Sie sich, ob Schichtarbeit, Wochenendarbeit, längeres Stehen oder viel Kontakt mit Kundinnen und Kunden für Sie infrage kommen. Eine ehrliche Einschätzung hilft Ihnen, Berufe nicht vorschnell auszuschließen. Sie zeigt, welche Bedingungen Sie vor einer Bewerbung genauer prüfen sollten.

Berufe praktisch prüfen

Nutzen Sie einen Berufstest als Startpunkt für die Recherche. Check-U, das kostenlose Angebot der Bundesagentur für Arbeit, berücksichtigt Ihre Interessen und gewünschten Arbeitsbedingungen sowie Ihre Antworten auf Aufgaben und Selbsteinschätzungen. Die Ergebnisse zeigen mögliche Ausbildungsberufe und Alternativen. Sie sagen aber nicht verbindlich voraus, ob ein Beruf zu Ihnen passt.

Lesen Sie anschließend nach, was die vorgeschlagenen Berufe konkret verlangen. Das Online-Angebot BERUFENET beschreibt Tätigkeiten und Anforderungen. Ausbildungsanzeigen geben zusätzlich Hinweise darauf, was einzelne Betriebe erwarten. Wenn die Angaben unklar bleiben, besprechen Sie die Ergebnisse mit der Berufsberatung.

Mit einem Praktikum oder Schnuppertag prüfen Sie, ob Ihre Vorstellung zum Berufsalltag passt. Beobachten Sie dabei nicht nur die Hauptaufgabe. Achten Sie auch auf Arbeitsabläufe, Arbeitszeiten, den Umgang im Betrieb und den Kontakt mit Kundschaft oder Kolleginnen und Kollegen. Wenn Ihnen der Alltag nicht zusagt, haben Sie eine wichtige Information gewonnen, bevor Sie sich festlegen.

Ausbildungswege vergleichen

Bei einer dualen Ausbildung lernen Sie im Betrieb und in der Berufsschule. Je nach Beruf dauert sie in der Regel zwei bis dreieinhalb Jahre. Eine schulische Ausbildung findet überwiegend an einer Berufsfachschule oder spezialisierten Schule statt; Praxisphasen können dazugehören.

Die Voraussetzungen, Bewerbungsfristen und Kosten unterscheiden sich je nach Beruf, Schule und Bundesland. Prüfen Sie deshalb die Angaben der konkreten Schule oder Ausschreibung. Klären Sie auch, wie viel Unterricht und Praxis vorgesehen sind und ob für Ihre Lebenssituation ein längerer Arbeitsweg oder bestimmte Arbeitszeiten passen.

Teilzeitausbildung kann unter bestimmten Voraussetzungen infrage kommen. Assistierte Ausbildung bietet Unterstützung bei der Vorbereitung auf eine Ausbildung oder währenddessen. Ob eines dieser Angebote passt und welche Förderung möglich ist, hängt vom Einzelfall ab. Die Berufsberatung kann mit Ihnen prüfen, welche Unterstützung für Ihre Situation infrage kommt.

Den Ausbildungsbetrieb prüfen

Auch bei einem passenden Beruf lohnt sich ein genauer Blick auf den Ausbildungsbetrieb. Fragen Sie beim Betrieb nach, welche Aufgaben Sie während der Ausbildung übernehmen, wer Sie betreut und wie der Ausbildungsplan aussieht. Klären Sie außerdem, in welchen Bereichen Sie eingesetzt werden und wie der Betrieb die Prüfungsvorbereitung organisiert.

Sprechen Sie auch Arbeitszeiten und Berufsschule an. Fragen Sie, wie der Unterricht organisiert ist und ob längere Wege zwischen Betrieb und Schule anfallen. Wenn Ihnen Weiterbildung oder eine spätere Übernahme wichtig sind, fragen Sie danach. Eine Übernahmezusage gehört nicht automatisch zu jeder Ausbildung.

Bewerbungsfristen im Blick behalten

Für Ausbildungen gibt es keine bundesweit einheitliche Bewerbungsfrist. Größere Betriebe beginnen ihre Auswahl teilweise früh; kleinere Betriebe und schulische Ausbildungen haben eigene Zeitpläne. Entscheidend sind die Frist in der Ausschreibung oder die Angaben der Schule. Halten Sie Termine für Bewerbungen, Gespräche und Praktika an einem Ort fest.

Eine verpasste Frist beendet die Suche nicht automatisch. Prüfen Sie, ob andere Betriebe noch Plätze anbieten, fragen Sie direkt nach freien Stellen oder ziehen Sie verwandte Berufe und weitere Regionen in Betracht. Wenn Sie bei der Suche nicht weiterkommen, kann die Berufsberatung passende nächste Schritte mit Ihnen klären.

Ausbildungszahlen richtig einordnen

Das Bundesinstitut für Berufsbildung beschreibt es als Herausforderung, offene Ausbildungsstellen mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern in derselben Region zusammenzubringen. Offene Ausbildungsstellen bedeuten deshalb nicht automatisch, dass jede suchende Person einen passenden Platz findet.

Für Ihre Entscheidung heißt das: Prüfen Sie, welche Berufe und Betriebe in Ihrer Region zu Ihren Interessen und Voraussetzungen passen. Aus den Gesamtzahlen lässt sich nicht ablesen, ob ein bestimmter Ausbildungsplatz für Sie erreichbar oder geeignet ist.

Nächste Schritte bei der Ausbildungssuche

Gehen Sie bei der Suche Schritt für Schritt vor:

  1. Notieren Sie Ihre Interessen, Stärken und wichtigen Arbeitsbedingungen.
  2. Nutzen Sie Check-U, um mögliche Berufe und Alternativen zu finden.
  3. Prüfen Sie Tätigkeiten und Anforderungen in BERUFENET und in Ausbildungsanzeigen.
  4. Lernen Sie den Berufsalltag durch ein Praktikum oder einen Schnuppertag kennen.
  5. Vergleichen Sie Ausbildungsform, Betrieb, Fristen und mögliche Unterstützung.
Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.