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Berufsorientierung: Von der Suche bis zur Bewerbung

Wer einen Ausbildungsplatz sucht, sollte zuerst klären, welche Tätigkeiten und Ausbildungswege zum eigenen Alltag passen. Praxiserfahrungen helfen bei der Entscheidung. Anschließend suchen Sie passende Betriebe und bewerben sich gezielt auf die jeweilige Stelle. BIK Netz informiert über Berufswahl, Ausbildung und Bewerbung und unterstützt Sie bei der Planung der nächsten Schritte.

Welche Ausbildungsform passt?

Bei einer dualen Ausbildung lernen Sie im Betrieb und besuchen parallel die Berufsschule. Sie dauert je nach Beruf in der Regel zwei bis dreieinhalb Jahre. Bei einer schulischen Ausbildung findet der Unterricht überwiegend in der Schule statt; praktische Einsätze gehören ebenfalls dazu. Voraussetzungen, Fristen und mögliche Kosten richten sich nach dem Beruf, der Schule und teilweise dem Bundesland.

Daneben gibt es zum Beispiel Teilzeit-Ausbildungen oder Angebote mit zusätzlicher Unterstützung. Wenn Sie Betreuungspflichten haben oder Unterstützung beim Einstieg benötigen, fragen Sie bei der Berufsberatung, der Schule oder dem Ausbildungsbetrieb nach passenden Möglichkeiten.

Vergleichen Sie Berufe und ihre Bedingungen: Welche Ausbildungsform passt zu Ihrem Alltag? Wie weit ist der Betrieb entfernt? Welche Arbeitszeiten gelten? Und welche Vergütung oder Kosten sind vorgesehen? Bei schulischen Bildungsgängen klärt die jeweilige Schule die konkreten Bedingungen.

Interessen in Tätigkeiten übersetzen

Allgemeine Vorlieben helfen bei der Suche, wenn Sie sie mit konkreten Aufgaben verbinden. „Ich mag Technik“ grenzt die Auswahl kaum ein. Fragen Sie sich stattdessen, ob Sie Geräte prüfen, Fehler suchen oder Arbeitsschritte dokumentieren möchten. Wer gern mit Menschen arbeitet, sollte genauer überlegen, ob Beratung, Pflege, Verkauf oder Organisation interessiert.

Auch die Arbeitsbedingungen gehören zur Berufswahl. Prüfen Sie, ob Sie viel Kundenkontakt möchten, körperlich arbeiten können und mit Schicht- oder Wochenendarbeit zurechtkommen. Stellen Sie sich einen typischen Arbeitstag vor. So erkennen Sie eher, ob der Beruf zu Ihnen passt.

Notieren Sie einige Tätigkeiten, die Sie ausprobieren möchten, und solche, die Sie eher ausschließen. Mit dieser kurzen Übersicht suchen Sie gezielter und bereiten passende Fragen für Beratungsgespräche und Praktika vor.

Berufsorientierungstests richtig nutzen

Orientierungstests geben Hinweise auf Ihre Interessen und Stärken. Check-U, das kostenlose Angebot der Bundesagentur für Arbeit, prüft Ihre Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen. Außerdem erfasst der Test berufliche Vorlieben und Interessen. Die Ergebnisse zeigen passende Ausbildungsberufe oder Studienfelder.

Nutzen Sie die Vorschläge als Startpunkt für die Recherche. Lesen Sie nach, welche Aufgaben zum Beruf gehören, und besprechen Sie Ihre Ergebnisse bei Bedarf mit einer Berufsberaterin oder einem Berufsberater. Ein Test zeigt nicht, wie sich ein Arbeitsplatz im Alltag anfühlt. Dafür brauchen Sie Gespräche und praktische Einblicke.

Berufe praktisch prüfen

Ein Praktikum, ein Schnuppertag oder ein Gespräch mit Beschäftigten zeigt, welche Aufgaben im Beruf tatsächlich anfallen. Bei einer medizinischen Fachangestellten gehören medizinische Tätigkeiten und der Kontakt mit erkrankten Menschen zum Alltag. Hinzu kommen Terminplanung, Dokumentation und Hygiene. So sehen Sie, ob Ihre Erwartungen zum Berufsalltag passen.

Fragen Sie während eines Praktikums, welche Arbeitszeiten gelten und welche Aufgaben typisch sind. Erkundigen Sie sich auch nach der Betreuung von Auszubildenden. Bei Ausbildungsmessen und Tagen der offenen Tür erfahren Sie ebenfalls mehr über den Beruf. Nebenjobs bieten eine weitere Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Ein Praktikum kann außerdem erste Kontakte zu einem Betrieb schaffen und später als passende Erfahrung in der Bewerbung auftauchen.

Ausbildungsplätze finden

Suchen Sie in der Ausbildungsplatzsuche der Bundesagentur für Arbeit, auf Unternehmensseiten und in Börsen der zuständigen Kammern. Bei schulischen Ausbildungen ist die jeweilige Schule eine wichtige Anlaufstelle. Ausbildungsmessen und die Berufsberatung helfen, weitere Betriebe und Bildungsgänge zu finden.

Lesen Sie Stellenanzeigen genau: Welche Voraussetzungen nennt der Betrieb? Welche Unterlagen verlangt er, und wie soll die Bewerbung eingehen? Wenn keine passende Anzeige online ist, können Sie direkt beim Betrieb nachfragen, ob er in Ihrem Wunschberuf ausbildet. Eine Initiativbewerbung ist eine weitere Möglichkeit, wenn der Betrieb grundsätzlich passt.

Vergleichen Sie auch die Ausbildungsbedingungen. Fragen Sie nach dem Ausbildungsplan, der Betreuung und der Prüfungsvorbereitung. Prüfen Sie außerdem, wie Sie den Betrieb erreichen und ob Arbeitszeiten und Umfeld für Sie passen.

Bewerbungsfristen früh einplanen

Für Ausbildungsplätze gibt es keine einheitliche Bewerbungsfrist. Größere Betriebe beginnen teilweise schon eineinhalb Jahre vor Ausbildungsbeginn mit der Suche. Kleinere Betriebe und Schulen schreiben Stellen häufig später aus. Im öffentlichen Dienst sowie bei Banken und Versicherungen können Bewerbungsphasen früh beginnen; schulische Ausbildungen haben eigene Fristen.

Orientieren Sie sich deshalb an der konkreten Anzeige und den Angaben der Schule. Legen Sie einen Kalender für Bewerbungsfristen, Ansprechpartner, Versandtermine und Rückmeldungen an. So behalten Sie den Überblick, auch wenn Sie sich bei mehreren Betrieben bewerben.

Bewerbungsunterlagen passend vorbereiten

Eine Bewerbung umfasst meist ein Anschreiben, einen tabellarischen Lebenslauf und Zeugnisse. Weitere Nachweise brauchen Sie, wenn der Betrieb sie verlangt oder sie Ihre Eignung belegen. Praktika, Nebenjobs, Schulprojekte und ehrenamtliches Engagement können Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern helfen, ihre Eignung zu zeigen, wenn sie zur Stelle passen.

Erklären Sie im Anschreiben, warum Sie sich für den Beruf und den Betrieb interessieren. Nennen Sie dazu konkrete Erfahrungen oder Stärken. Statt allgemein zu schreiben, Sie seien zuverlässig, können Sie zum Beispiel eine passende Aufgabe aus einem Praktikum oder Schulprojekt nennen.

Ein Bewerbungsfoto ist freiwillig. Auch ein Deckblatt, ein Motivationsschreiben oder ein Bewerbungsvideo gehören nicht automatisch zu den erforderlichen Unterlagen. Entscheidend sind die Angaben in der Ausschreibung oder im Bewerbungsportal. Prüfen Sie vor dem Versand, ob alle verlangten Dokumente vollständig und lesbar sind. Achten Sie außerdem darauf, dass Ihre Kontaktdaten stimmen und die Unterlagen keine Tippfehler enthalten.

Auf Bewerbungsgespräche vorbereiten

Informieren Sie sich vor dem Gespräch über den Betrieb und überlegen Sie, warum Sie den Beruf lernen möchten. Bereiten Sie Beispiele vor, die zeigen, wie Sie arbeiten oder mit einer Herausforderung umgehen. Üben Sie, Ihren bisherigen Weg und Ihre Interessen in eigenen Worten zu erklären.

Bringen Sie auch eigene Fragen mit. Sie können zum Beispiel nach der Betreuung, den Ausbildungsinhalten oder der Vorbereitung auf Prüfungen fragen. Ein Übungsgespräch mit einer vertrauten Person hilft, Antworten zu ordnen und Nervosität abzubauen.

Nachfassen und weitersuchen

Nach dem Versand dauert es, bis Sie eine Rückmeldung erhalten. Wenn nach vier Wochen nichts eingegangen ist, empfiehlt die Bundesagentur für Arbeit, freundlich nach dem Stand zu fragen. Notieren Sie, wann Sie die Bewerbung geschickt haben und an wen Sie sich wenden.

Prüfen Sie nach einer Absage weitere passende Betriebe. Bei Bedarf können Sie die Berufsberatung oder das Berufsinformationszentrum bitten, Ihre Unterlagen durchzusehen. Dort gibt es auch Unterstützung bei Bewerbungstrainings.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.