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Berufsbegleitende Ausbildung: Lernen neben dem Job

Wer neben dem Job einen Abschluss erwerben möchte, kann eine Weiterbildung, Fortbildung, Teilzeitausbildung oder ein berufsbegleitendes Studium wählen. Die Wege führen zu unterschiedlichen Abschlüssen und erfordern unterschiedlich viel Zeit. „Berufsbegleitend“ bedeutet, dass Lernen und Beruf parallel stattfinden.

Klären Sie zuerst, welchen Abschluss Sie für Ihr berufliches Ziel brauchen. Prüfen Sie dann, ob Unterricht, Lernzeit, Kosten und Arbeitszeiten zusammenpassen. Eine passende Qualifikation kann neue Aufgaben oder einen Berufswechsel unterstützen, führt aber nicht automatisch zu einer Beförderung oder einem höheren Gehalt.

Was berufsbegleitend heißt

Unter berufsbegleitendem Lernen fallen mehrere Bildungswege mit unterschiedlichen Abschlüssen. Bei einer dualen Ausbildung lernen Sie im Betrieb und in der Berufsschule. Das bedeutet nicht automatisch, dass Sie diese Ausbildung zusätzlich zu Ihrer bisherigen Stelle absolvieren. Eine Teilzeitausbildung ist dagegen ein reguläres Ausbildungsverhältnis mit kürzeren täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeiten.

Eine Weiterbildung vermittelt neue Kenntnisse, etwa zu Software, Projektmanagement, Sprachen oder einem Fachgebiet. Eine berufliche Fortbildung führt zu einem höheren Abschluss, zum Beispiel als Meisterin, Fachwirt oder Technikerin. Wenn Sie einen neuen Beruf anstreben, kommt eine Umschulung oder ein Weg zu einer anerkannten Berufsqualifikation infrage. Ein kurzer Kurs reicht für einen vollständigen Berufswechsel nicht zwangsläufig aus.

Auch Fernunterricht, Abendkurse und ein Teilzeitstudium bezeichnen zunächst die Lernform oder den Zeitplan. Sie sagen allein noch nichts darüber aus, welchen Abschluss Sie erhalten. Prüfen Sie daher immer die genaue Bezeichnung des Abschlusses und wer ihn vergibt oder die Prüfung abnimmt.

Welcher Abschluss passt zu Ihrem Ziel?

Gehen Sie vom beruflichen Ziel aus und suchen Sie dann den passenden Abschluss. Möchten Sie in Ihrem jetzigen Beruf neue Aufgaben übernehmen, kann eine fachliche Weiterbildung genügen. Für eine Führungs- oder Spezialistenrolle kann eine anerkannte Fortbildung sinnvoll sein. Fehlt Ihnen ein Berufsabschluss, brauchen Sie einen Weg, der tatsächlich zu einer anerkannten Qualifikation führt.

Vergleichen Sie bei den Anbietern, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, wie die Prüfungen ablaufen und was der Abschluss umfasst. Fragen Sie, ob Sie ein Teilnahmezertifikat, eine Teilqualifikation oder einen anerkannten Berufs- beziehungsweise Fortbildungsabschluss erhalten. Diese Nachweise sind nicht gleichwertig. Wenn Sie sich über eine Kammer, eine Berufsschule oder einen Prüfungsausschuss qualifizieren, lassen Sie sich bestätigen, welche Anforderungen für Ihren konkreten Beruf gelten.

Passt der Wochenplan?

Planen Sie neben den Unterrichtsstunden auch Zeit für Vor- und Nachbereitung, Übungen und Prüfungen ein. Auch bei einem Kurs mit wenigen festen Terminen müssen Sie möglicherweise viel allein lernen. Bitten Sie den Anbieter deshalb um Angaben zur gesamten Lernbelastung und fragen Sie, wie oft Prüfungen oder Abgaben anstehen.

Beim Präsenzunterricht lernen Sie zu festen Zeiten vor Ort und können sich direkt mit anderen austauschen. Dafür brauchen Sie zusätzlich Zeit für die Anfahrt. Live-Unterricht im Internet spart den Weg, findet jedoch ebenfalls zu festen Zeiten statt und braucht eine stabile Internetverbindung sowie einen ruhigen Platz. Fernunterricht und Selbstlernphasen lassen sich flexibler verteilen, erfordern aber mehr eigene Planung. Mischformen verbinden feste Termine mit selbstständigem Lernen.

Tragen Sie Unterricht und Lernzeiten für mehrere typische Wochen in Ihren Kalender ein. Berücksichtigen Sie dabei Schichtdienste, Überstunden und Betreuungspflichten. Lassen Sie freie Abende und Zeit vor Prüfungen als Puffer stehen. Wenn der Plan nur in einer außergewöhnlich ruhigen Woche funktioniert, passt er wahrscheinlich nicht zu Ihrem Alltag.

Welche Regeln gelten für die Teilzeitausbildung?

Die Regeln für eine Teilzeitausbildung hängen vom Beruf und vom rechtlichen Ausbildungsweg ab. Bei Ausbildungen, für die das Berufsbildungsgesetz gilt, können die Beteiligten nach § 7a im Ausbildungsvertrag vereinbaren, die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit zu verkürzen. Die Verkürzung darf höchstens 50 Prozent betragen. Die Ausbildungsdauer verlängert sich entsprechend und kann bis zum Eineinhalbfachen der regulären Dauer reichen.

Diese Regel gilt nicht automatisch für jede Ausbildung in Deutschland. Berufe nach der Handwerksordnung sowie schulische und staatlich geregelte Ausbildungen können anderen Bestimmungen folgen. Fragen Sie deshalb bei der zuständigen Kammer, Schule oder Ausbildungsstelle nach, welche Regeln für Ihren Beruf gelten und wie sich die Teilzeit auf Prüfungen und Ausbildungsdauer auswirkt.

So planen Sie den Einstieg

Beginnen Sie mit dem Abschluss und den Zugangsvoraussetzungen. Vergleichen Sie danach mehrere Anbieter und rechnen Sie nicht nur Unterricht, sondern auch Selbstlernzeit, Prüfungsgebühren und Lernmaterialien ein. Fragen Sie nach Fristen, Kündigungsregeln und den Bedingungen für eine Unterbrechung. Klären Sie außerdem früh mit Ihrem Arbeitgeber, ob Sie für Unterricht oder Prüfungen freigestellt werden und ob er Kosten übernimmt.

Als grobe Orientierung empfiehlt BIK Netz, sechs bis zwölf Monate vor dem geplanten Start das berufliche Ziel zu klären. Vier bis acht Monate vorher können Sie Anbieter vergleichen. Drei bis sechs Monate vor Beginn sollten Arbeitgeber, Finanzierung und familiäre Verpflichtungen geklärt sein. Die Anmeldung erfolgt nach dieser Orientierung ein bis drei Monate vor dem Start. Das sind Planungszeiträume, keine allgemeinen Fristen. Anbieter, Prüfungsstellen und Förderstellen setzen eigene Termine. Größere Arbeitgeber suchen Auszubildende teilweise schon zwölf bis 18 Monate vor Ausbildungsbeginn.

Wer trägt die Kosten?

Rechnen Sie die gesamten Ausgaben zusammen. Dazu gehören Lehrgang, Prüfung und Materialien; planen Sie gegebenenfalls auch Fahrtkosten oder Kinderbetreuung ein. Fragen Sie zuerst Ihren Arbeitgeber nach einer Kostenbeteiligung oder bezahlter Lern- und Prüfungszeit. Halten Sie Absprachen schriftlich fest und klären Sie, ob eine Rückzahlung verlangt wird, wenn Sie den Betrieb verlassen.

Für Beschäftigte kann eine Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit infrage kommen. Sie wird mit dem Arbeitgeber abgestimmt und hängt unter anderem davon ab, ob Kurs und Anbieter für die jeweilige Förderung zugelassen sind. Ob Sie die Förderung erhalten, hängt auch von weiteren Voraussetzungen und Ihrer persönlichen Situation ab.

Die Bundesagentur nennt mögliche Zuschüsse zu Lehrgangskosten, die von der Größe des Arbeitgebers abhängen: Bei Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten sollen die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen vollständig übernommen werden. Bei Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten nennt sie 50 Prozent, bei größeren Betrieben 25 Prozent. Auch Zuschüsse zum Arbeitsentgelt für ausgefallene Arbeitszeit sind vorgesehen. Diese Angaben sind keine automatische Zusage. Klären Sie die Förderung mit der Bundesagentur und Ihrem Arbeitgeber, bevor der Kurs beginnt.

Ein Bildungsgutschein ist für Beschäftigte an Voraussetzungen gebunden und steht nicht für jeden Kurs zur Verfügung. Bei einer Weiterbildung während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses ist die Abstimmung mit dem Arbeitgeber in der Regel Teil des Förderwegs. Für eine Fortbildung wie Meister oder Fachwirt kann außerdem Aufstiegs-BAföG relevant sein. Prüfen Sie die Voraussetzungen bei der zuständigen Stelle, bevor Sie sich verbindlich anmelden.

Was bringt der Abschluss?

Mit berufsbegleitendem Lernen können Sie Ihr Wissen auffrischen, Fachkenntnisse erwerben oder sich auf mehr Verantwortung vorbereiten. Ein anerkannter Abschluss kann bei einer Bewerbung oder einem internen Wechsel relevant sein. Wie stark er die beruflichen Möglichkeiten verändert, hängt auch von Ihrer Erfahrung, dem Berufsfeld und der Nachfrage nach den erworbenen Kenntnissen ab.

Für einen Wechsel in einen anderen Beruf sollten Sie prüfen, ob der gewählte Kurs dafür eine vollständige Qualifikation vermittelt. Ein einzelnes Zertifikat kann eine Bewerbung ergänzen; in manchen Berufen ist zusätzlich die erforderliche Ausbildung nötig. Fragen Sie Arbeitgeber in Ihrem Zielbereich, welche Abschlüsse und Kenntnisse sie tatsächlich voraussetzen.

Sie bleiben während des Lernens beschäftigt und können neue Kenntnisse direkt im Beruf anwenden. Gleichzeitig tragen Sie über längere Zeit eine zusätzliche Belastung. Wenn sich Arbeitszeiten, Gesundheit oder Betreuungspflichten ändern, brauchen Sie einen Plan für weniger Lernzeit, eine Unterbrechung oder einen späteren Prüfungsantritt.

Vor der Anmeldung prüfen

Prüfen Sie diese Fragen, bevor Sie sich verbindlich anmelden. So sehen Sie, ob Abschluss, Zeitaufwand, Finanzierung und Absprachen mit Ihrem Arbeitgeber zu Ihrem Vorhaben passen.

  • Welchen konkreten Abschluss brauchen Sie für Ihr Ziel?
  • Wer vergibt den Abschluss oder nimmt die Prüfung ab?
  • Erfüllen Sie die Zugangsvoraussetzungen?
  • Wie viel Zeit kosten Unterricht, Selbststudium und Prüfungen zusammen?
  • Passen die Termine zu Schichten, Betreuung und Erholung?
  • Welche Gesamtkosten entstehen, und welche Förderung ist vor Kursbeginn bestätigt?
  • Sind Freistellung, Kündigung und Unterbrechung schriftlich geklärt?
Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.