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Wie die passende Ausbildungsstelle finden?

Die passende Ausbildungsstelle findest du, wenn drei Dinge zusammenpassen: der Beruf, der Ausbildungsbetrieb und deine persönlichen Voraussetzungen. Eine freie Stelle allein reicht dafür nicht aus. Entscheidend sind die Tätigkeiten im Alltag, die Lernform, die Anforderungen, die Entfernung und die Betreuung im Betrieb.

Beginne deshalb mit einer kurzen Orientierung: Was interessiert dich? Welche Aufgaben liegen dir? Möchtest du vor allem praktisch arbeiten, im Team kommunizieren, organisieren, gestalten oder technische Probleme lösen? Danach suchst du gezielt nach Berufen und Ausbildungsstellen, die zu deinem Profil passen.

1. Interessen und Stärken prüfen

Schulnoten spielen bei der Berufswahl eine Rolle, beschreiben aber nicht alle Fähigkeiten. Überlege auch, welche Tätigkeiten dir liegen und unter welchen Bedingungen du gut arbeitest.

Fragen zur Orientierung:

  • Arbeite ich lieber mit Menschen, Technik, Daten, Tieren, Materialien oder Lebensmitteln?
  • Löst du gerne praktische Probleme?
  • Fällt dir das Organisieren und Planen leicht?
  • Hast du Freude am Schreiben, Rechnen oder Gestalten?
  • Arbeitest du sorgfältig, kreativ, körperlich oder kommunikativ?
  • Möchtest du im Büro, in einer Werkstatt, im Freien, im Labor oder in einer Einrichtung arbeiten?
  • Wie wichtig sind feste Arbeitszeiten, kurze Wege oder ein großer Betrieb?
  • Kommst du mit Kundenkontakt, Schichtarbeit oder wechselnden Einsatzorten zurecht?

Ein Berufsorientierungstest kann erste Hinweise geben. Das kostenlose Angebot Check-U der Bundesagentur für Arbeit prüft unter anderem Interessen, Textverständnis, Rechenfertigkeit, räumliches und technisch-mechanisches Denken sowie soziale Kompetenzen. Der Test unterstützt die erste Orientierung und ersetzt keine persönliche Beratung. Auch ein kürzerer Interessencheck wie meinBERUF GO kann einen Einstieg bieten.

Notiere die Ergebnisse und gleiche sie mit echten Berufsbildern ab. Ein Test entscheidet nicht über deine Zukunft. Er hilft dir, Berufe zu entdecken, die du bisher vielleicht nicht berücksichtigt hast.

2. Berufsbilder anhand des Ausbildungsalltags vergleichen

Die Berufsbezeichnung sagt wenig über den konkreten Alltag aus. Informiere dich deshalb vor einer Bewerbung über die tatsächlichen Aufgaben.

Prüfe für jeden interessanten Beruf:

  • Welche Tätigkeiten gehören jeden Tag dazu?
  • Wie viel Zeit entfällt auf praktische, organisatorische oder theoretische Aufgaben?
  • Gibt es Kundenkontakt oder Arbeit im Team?
  • Wird überwiegend drinnen, draußen oder an wechselnden Orten gearbeitet?
  • Welche digitalen, mathematischen oder sprachlichen Kenntnisse sind wichtig?
  • Gibt es Schicht-, Wochenend- oder Bereitschaftsdienste?
  • Welche körperlichen Anforderungen bestehen?
  • Wie werden Auszubildende auf Prüfungen vorbereitet?
  • Welche Weiterbildungen sind nach dem Abschluss möglich?

Beispiel: Medizinische Fachangestellte

Wer gerne mit Menschen arbeitet, interessiert sich vielleicht für die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. Zum Alltag gehören neben dem Kontakt mit Patientinnen und Patienten auch Terminplanung, Dokumentation, Verwaltung, Hygiene und der Umgang mit medizinischen Geräten. Ein Praktikum zeigt, ob diese Mischung den eigenen Vorstellungen entspricht.

Beispiel: Berufe rund um Computer

Interesse an Computern führt nicht automatisch zu einer einzigen Ausbildung. Je nach Schwerpunkt kommen beispielsweise Programmierung, technische Fehlersuche, Kundenberatung, Gestaltung, kaufmännische Aufgaben oder die Betreuung von IT-Systemen infrage. Entscheidend ist, welche Aufgaben dir im Alltag Freude machen.

3. Praktika nutzen

Ein Praktikum gehört zu den besten Möglichkeiten, einen Beruf und einen Betrieb kennenzulernen. Einige Tage oder Wochen zeigen, wie die Arbeit tatsächlich aussieht und welche Anforderungen im Alltag entstehen.

Während eines Praktikums kannst du beobachten:

  • Wie beginnt und endet ein Arbeitstag?
  • Welche Aufgaben erledigen Auszubildende?
  • Wie erklären Fachkräfte neue Tätigkeiten?
  • Wie ist der Umgang im Betrieb?
  • Welche Arbeitszeiten gelten?
  • Passen Tempo, Lautstärke und körperliche Belastung zu dir?

Ein Praktikum hilft auch bei der Bewerbung. Du kannst im Anschreiben konkret erklären, was du kennengelernt hast und warum dich der Beruf weiterhin interessiert. Manche Betriebe laden Bewerbende nach einem Gespräch zu einem kurzen Praktikum oder zu einer Arbeitsprobe ein. Dabei prüfen beide Seiten, ob die Zusammenarbeit passt.

4. Duale oder schulische Ausbildung?

Die Ausbildungsform beeinflusst deinen Alltag und deine Lernweise. Kläre deshalb früh, ob der gewünschte Beruf dual oder überwiegend schulisch organisiert ist.

Duale Ausbildung

Bei einer dualen Ausbildung lernst du an zwei wichtigen Lernorten:

  • im Ausbildungsbetrieb,
  • in der Berufsschule.

Im Betrieb übst du berufstypische Tätigkeiten, arbeitest mit Fachkräften zusammen und übernimmst schrittweise mehr Verantwortung. Die Berufsschule vermittelt Fachtheorie sowie allgemeinbildende Inhalte. Der Unterricht findet je nach Beruf an einzelnen Wochentagen oder in längeren Blöcken statt. In manchen Berufen kommen überbetriebliche Ausbildungsstätten hinzu.

Eine duale Ausbildung passt häufig zu Menschen, die praktische Arbeit früh kennenlernen und Theorie direkt anwenden möchten.

Schulische Ausbildung

Bei einer schulischen Ausbildung findet der größte Teil des Unterrichts an einer Berufsfachschule, Fachschule oder vergleichbaren Einrichtung statt. Praktische Einsätze gehören je nach Bildungsgang dazu. Diese Form ist unter anderem in Gesundheits-, Erziehungs-, Sozial- und Assistenzberufen verbreitet.

Eine schulische Ausbildung kann geeignet sein, wenn du gerne nach einem festen Stundenplan lernst und theoretische Grundlagen zunächst systematisch erarbeiten möchtest. Die Bewerbung läuft häufig über die Schule oder den jeweiligen Bildungsträger. Deshalb solltest du die Anforderungen und Fristen direkt dort prüfen.

Weitere Möglichkeiten

Wenn kein regulärer Ausbildungsplatz gefunden wird, können je nach persönlicher Situation weitere Wege infrage kommen:

  • eine Einstiegsqualifizierung,
  • eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme,
  • eine außerbetriebliche Berufsausbildung,
  • eine assistierte Ausbildung,
  • eine Teilzeitausbildung,
  • ein längeres Berufsorientierungspraktikum.

Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit informiert über Voraussetzungen und Zuständigkeiten. Auch Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern beraten zu vielen Ausbildungsberufen.

5. Anforderungen richtig einschätzen

Ausbildungsbetriebe nennen in Stellenanzeigen häufig einen gewünschten Schulabschluss, bestimmte Noten oder Kenntnisse. Diese Angaben unterscheiden sich nach Beruf, Unternehmen und Region.

Achte auf folgende Punkte:

  • der geforderte oder gewünschte Schulabschluss,
  • wichtige Schulfächer,
  • Sprach- und Rechenkenntnisse,
  • digitale Grundkenntnisse,
  • handwerkliches Geschick,
  • Führerschein oder andere Nachweise,
  • gesundheitliche und körperliche Voraussetzungen,
  • Bereitschaft zu Schicht-, Wochenend- oder Außendienst.

Ein bestimmter Schulabschluss ist bei vielen dualen Ausbildungsberufen nicht gesetzlich vorgeschrieben. Betriebe dürfen jedoch eigene Erwartungen formulieren. Lies daher die konkrete Anzeige sorgfältig und frage nach, wenn eine Anforderung unklar ist.

Schulnoten sind außerdem nicht das einzige Auswahlkriterium. Belege deine Stärken mit konkreten Erfahrungen:

  • ein Praktikum,
  • ein Nebenjob,
  • ein Ehrenamt,
  • Vereinsarbeit,
  • ein Schulprojekt,
  • eigene technische oder kreative Projekte,
  • Sprachkenntnisse,
  • Zertifikate oder besondere Kenntnisse.

Statt „Ich bin teamfähig“ wirkt ein Beispiel überzeugender: „Bei einem Schulprojekt habe ich die Aufgaben verteilt, Termine koordiniert und die Ergebnisse gemeinsam mit der Gruppe vorgestellt.“

6. Ausbildungsstellen gezielt suchen

Nutze mehrere Suchwege gleichzeitig. Ausbildungsplätze werden nicht überall auf denselben Plattformen veröffentlicht.

Geeignete Anlaufstellen sind:

  • die Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit,
  • die Ausbildungssuche und die AzubiWelt,
  • Websites von Unternehmen,
  • Lehrstellenbörsen der Industrie- und Handelskammern,
  • Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern,
  • Ausbildungsmessen,
  • Berufsinformationszentren,
  • Schulen und Schulsozialarbeit,
  • regionale Stellenportale,
  • Berufsberatung,
  • persönliche Kontakte.

Auch eine Initiativbewerbung kann sinnvoll sein. Besonders kleinere Betriebe veröffentlichen nicht jede freie Ausbildungsstelle auf großen Portalen. Du kannst kurz anrufen und fragen, ob der Betrieb ausbildet, wann Bewerbungen möglich sind und an wen du deine Unterlagen senden sollst.

Ausbildungsmesse vorbereiten

Auf einer Messe kannst du direkt mit Ausbilderinnen, Ausbildern und Auszubildenden sprechen. Bereite dich vorher vor:

  1. Prüfe die Liste der teilnehmenden Unternehmen.
  2. Wähle passende Betriebe aus.
  3. Notiere Fragen zu Aufgaben, Berufsschule und Arbeitszeiten.
  4. Nimm mehrere Lebensläufe oder eine PDF-Datei mit.
  5. Schreibe dir nach den Gesprächen die Namen der Ansprechpersonen auf.
  6. Versende eine Bewerbung zeitnah nach der Messe.

7. Fristen und Zeitplan beachten

Es gibt keine einheitliche Bewerbungsfrist für alle Ausbildungsstellen. Der Zeitpunkt hängt vom Betrieb, Beruf, Ausbildungsbeginn, Bundesland und der Ausbildungsform ab.

Größere Unternehmen beginnen teilweise schon deutlich vor dem Ausbildungsbeginn mit der Auswahl. Bei Banken, Versicherungen und öffentlichen Arbeitgebern können Bewerbungsphasen ebenfalls früh starten. Schulische Ausbildungen haben eigene Fristen, die teilweise lange vor dem Beginn des Bildungsgangs enden.

Ein sinnvoller Orientierungsplan sieht so aus:

Zeitraum vor dem Ausbildungsbeginn Sinnvolle Schritte
18 bis 15 Monate Interessen prüfen, Berufe recherchieren, Praktika suchen
15 bis 12 Monate Wunschberufe eingrenzen und Betriebe vergleichen
12 bis 9 Monate Unterlagen vorbereiten und erste Bewerbungen versenden
9 bis 6 Monate Bewerbungen nachfassen, Gespräche und Tests wahrnehmen
6 bis 3 Monate weitere Bewerbungen verschicken und Alternativen prüfen
Kurz vor Beginn Vertrag, Unterlagen, Anfahrt und ersten Tag organisieren

Dieser Plan dient nur als Orientierung. Maßgeblich sind die Angaben in der Ausschreibung sowie die Auskünfte des Betriebs oder der Schule.

Auch eine späte Suche lohnt sich. Ausbildungsstellen werden frei, wenn Verträge nicht zustande kommen oder Bewerbende kurzfristig abspringen. Prüfe offene Angebote bei der Agentur für Arbeit, den Kammern und direkt bei Betrieben. Ein Einstieg nach dem üblichen Ausbildungsbeginn ist möglich, wenn Betrieb und Berufsschule zustimmen. Fehlende Inhalte müssen dann aufgearbeitet werden.

8. Bewerbungsunterlagen erstellen

Eine Bewerbung enthält meistens:

  1. ein individuelles Anschreiben,
  2. einen tabellarischen Lebenslauf,
  3. Schulzeugnisse,
  4. Praktikumsbescheinigungen sowie weitere relevante Nachweise.

Ein Bewerbungsfoto ist nicht verpflichtend. Motivationsschreiben, Arbeitsproben oder Bewerbungsvideos gehören nur dazu, wenn der Betrieb sie verlangt oder sie für den Beruf sinnvoll sind.

Das Anschreiben

Beantworte drei Fragen:

  • Warum interessiert dich dieser Ausbildungsberuf?
  • Warum möchtest du dich bei diesem Betrieb bewerben?
  • Welche Erfahrungen und Stärken bringst du mit?

Beziehe dich auf konkrete Aufgaben, Produkte, Kunden, Technologien oder Arbeitsbereiche des Betriebs. Ein Anschreiben, in dem nur der Firmenname ausgetauscht wurde, wirkt weniger persönlich.

Achte auf:

  • die richtige Ansprechperson,
  • passende Anrede,
  • klare Absätze,
  • konkrete Beispiele,
  • korrekte Rechtschreibung,
  • vollständige Kontaktdaten.

Übertreibungen oder falsche Angaben schaden der Bewerbung. Zeugnisse und Nachweise müssen unverändert und vollständig sein.

Der Lebenslauf

Der Lebenslauf sollte übersichtlich und in der Regel tabellarisch aufgebaut sein. Er enthält:

  • Name und Kontaktdaten,
  • schulischen Werdegang,
  • Praktika,
  • Nebenjobs,
  • relevante Kenntnisse,
  • Sprachkenntnisse,
  • digitale oder technische Fähigkeiten,
  • Ehrenamt und passende Interessen.

Sortiere die wichtigsten Informationen so, dass der Betrieb schnell erkennt, was du bisher gemacht hast. Originalzeugnisse solltest du nicht verschicken. Kopien oder digitale Dateien reichen in der Regel aus.

Bewerbung per E-Mail oder Portal

Bei einer Bewerbung per E-Mail werden die Unterlagen meist in einer PDF-Datei zusammengefasst. Benenne die Datei verständlich, zum Beispiel mit deinem Namen und dem Wort „Bewerbung“. Prüfe vor dem Versand:

  • die Empfängeradresse,
  • Betreff,
  • Anrede,
  • Anhänge,
  • Dateiformat,
  • Dateigröße,
  • Schreibfehler.

Bei einem Online-Portal gelten die dort genannten Vorgaben. Speichere die abgeschickte Bewerbung und notiere das Versanddatum.

9. Vorstellungsgespräch und Auswahlverfahren

Bereite dich auf Fragen zum Beruf, zum Betrieb und zu deinem bisherigen Weg vor. Betriebe nutzen je nach Ausbildungsplatz zusätzlich Einstellungstests, Arbeitsproben, Gruppengespräche, digitale Interviews oder kurze Praktika.

Mögliche Fragen sind:

  • Warum interessiert dich dieser Beruf?
  • Welche Aufgaben hast du bereits kennengelernt?
  • Was weißt du über unseren Betrieb?
  • Welche Stärken bringst du mit?
  • Woran möchtest du noch arbeiten?
  • Wie gehst du mit Fehlern oder schwierigen Aufgaben um?
  • Warum passt die Ausbildungsform zu dir?

Sprich ehrlich und nenne konkrete Beispiele. Eine Schwäche solltest du nicht künstlich dramatisieren. Erkläre lieber, wie du an einer Fähigkeit arbeitest.

Bereite außerdem eigene Fragen vor:

  • Wie ist die Ausbildung im Betrieb organisiert?
  • Welche Abteilungen lerne ich kennen?
  • Wie häufig findet Berufsschule statt?
  • Wer begleitet mich im Alltag?
  • Wie werden Prüfungen vorbereitet?
  • Welche Arbeitszeiten gelten?
  • Gibt es Schicht- oder Wochenendarbeit?
  • Welche Weiterbildungen sind möglich?
  • Wird ein Praktikum angeboten?

Beobachte auch selbst, wie der Betrieb mit dir umgeht. Eine klare Erklärung der Ausbildung, feste Ansprechpersonen und nachvollziehbare Antworten helfen bei der Einschätzung der Ausbildungsqualität.

10. Ausbildungsstellen vergleichen

Bewerte nicht nur die Berufsbezeichnung oder den Bekanntheitsgrad eines Unternehmens. Zwei Betriebe derselben Branche können völlig unterschiedliche Aufgaben anbieten. Eine Schreinerei kann sich zum Beispiel auf Küchen, Kindermöbel oder individuelle Kundenaufträge konzentrieren.

Vergleiche deshalb:

  • konkrete Ausbildungsinhalte,
  • Tätigkeiten im Alltag,
  • Betreuung und Anleitung,
  • Berufsschulorganisation,
  • Arbeitszeiten,
  • Schicht- oder Wochenendarbeit,
  • Entfernung und Pendelzeit,
  • Betriebsklima,
  • Größe des Unternehmens,
  • Vergütung und Urlaub laut Vertrag,
  • Ausstattung,
  • Weiterbildungsangebote,
  • mögliche Übernahme nach der Ausbildung.

Eine einfache Entscheidungsmatrix macht Unterschiede sichtbar:

Kriterium Gewichtung Betrieb A Betrieb B
Aufgaben passen zu meinen Interessen hoch
Betreuung und Anleitung hoch
Erreichbarkeit mittel
Arbeitszeiten mittel
Lernmöglichkeiten hoch
Vergütung und Urlaub laut Vertrag mittel

Bewerte jeden Punkt beispielsweise mit Punkten von 1 bis 5 und gewichte besonders wichtige Kriterien stärker. Eine kurze Anfahrt gleicht kein Tätigkeitsprofil aus, das dauerhaft nicht zu dir passt.

11. Ausbildungsalltag realistisch einschätzen

Eine Ausbildung besteht aus praktischen Aufgaben, Unterricht und zunehmender Selbstständigkeit. Im Betrieb gehören je nach Beruf Einarbeitung, Mitarbeit im Team, Dokumentation, Sicherheitsunterweisungen und Prüfungsvorbereitung dazu.

Der genaue Ablauf hängt vom Beruf ab:

  • Ein Anlagenmechaniker arbeitet häufig praktisch, technisch und auf wechselnden Einsatzorten.
  • Eine Kauffrau für Büromanagement organisiert Abläufe, bearbeitet Schriftverkehr und arbeitet mit digitalen Programmen.
  • Eine Fachkraft im Gesundheitsbereich verbindet Betreuung, Dokumentation und fachliche Aufgaben.
  • Eine Mediengestalterin arbeitet kreativ, digital und kundenorientiert.

Der Ausbildungsvertrag enthält unter anderem Angaben zu Ausbildungsberuf, Dauer, Beginn und Ende, Probezeit, Vergütung, Urlaub und Arbeitszeit. Prüfe den Vertrag vor der Unterschrift sorgfältig und frage bei Unklarheiten den Betrieb, die zuständige Kammer oder die Berufsberatung.

Für Minderjährige gelten zusätzlich besondere Schutzregeln, unter anderem zu Arbeitszeit, Berufsschule, Nachtarbeit und Urlaub. Die konkreten Vorgaben hängen vom Alter und vom Einsatz ab.

12. Was tun bei einer Absage?

Eine Absage bedeutet nicht automatisch, dass du für den Beruf ungeeignet bist. Prüfe deine Suche und verbessere einzelne Punkte:

  1. Habe ich mich bei mehreren Betrieben beworben?
  2. War das Anschreiben auf den jeweiligen Betrieb zugeschnitten?
  3. Passen Lebenslauf und Nachweise zur Stelle?
  4. Habe ich die Anforderungen der Anzeige berücksichtigt?
  5. Kann ich durch ein Praktikum relevante Erfahrungen sammeln?
  6. Kommen verwandte Berufe infrage?
  7. Kann ich den Suchradius erweitern?
  8. Habe ich die Berufsberatung oder eine Kammer einbezogen?

Bitte nur dann um Feedback, wenn der Betrieb dafür offen ist. Eine kurze, höfliche Nachfrage kann dir Hinweise geben, liefert aber keinen Anspruch auf eine ausführliche Begründung.

Wenn du nach mehreren Bewerbungen keine passende Stelle findest, vereinbare einen Termin bei der Berufsberatung. Dort kannst du auch Alternativen wie Einstiegsqualifizierung, assistierte Ausbildung oder einen späteren Einstieg besprechen.

Deine nächsten Schritte in sieben Tagen

Tag 1: Interessen, Stärken und gewünschte Arbeitsbedingungen notieren.
Tag 2: Check-U oder einen anderen seriösen Orientierungstest bearbeiten.
Tag 3: Drei bis fünf Berufsbilder recherchieren.
Tag 4: Aufgaben, Lernform, Arbeitszeiten und Anforderungen vergleichen.
Tag 5: Zehn passende Betriebe oder Schulen auswählen.
Tag 6: Lebenslauf aktualisieren und Zeugnisse digital vorbereiten.
Tag 7: Eine individuelle Bewerbung versenden oder einen Betrieb anrufen.

Checkliste für die passende Ausbildungsstelle

  • Passt der Beruf zu meinen Interessen und Fähigkeiten?
  • Kenne ich die wichtigsten Tätigkeiten?
  • Habe ich den Ausbildungsalltag durch ein Praktikum oder Gespräch geprüft?
  • Ist die Ausbildungsform für meine Lernweise geeignet?
  • Kenne ich die Anforderungen des Betriebs?
  • Habe ich die Frist kontrolliert?
  • Ist das Anschreiben individuell formuliert?
  • Sind Lebenslauf und Nachweise vollständig?
  • Stimmen Dateiformat und Empfängeradresse?
  • Habe ich mich auf das Gespräch vorbereitet?
  • Passen Arbeitszeiten, Pendelweg und Betreuung zu meiner Situation?
  • Habe ich Alternativen, falls die erste Bewerbung nicht erfolgreich ist?

Die Suche gelingt am zuverlässigsten, wenn du zuerst Beruf und Lernform klärst, anschließend mehrere Betriebe vergleichst und dich mit sorgfältigen, ehrlichen Unterlagen bewirbst.Nutze Praktika, Ausbildungsmessen und Beratungsgespräche, um deine Entscheidung mit echten Einblicken abzusichern.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.