Ausbildungsberufe kennenlernen und eingrenzen
In Deutschland gibt es mehrere hundert anerkannte Ausbildungsberufe. Wer die Schule bald beendet, braucht daraus eine kleine Auswahl für Bewerbungen, Beratungsgespräche und Praktika. Vier Schritte führen dorthin: Interessen sammeln, passende Berufsfelder wählen, Aufgaben einzelner Berufe vergleichen, Favoritenliste festlegen.
Ein Berufsfeld bündelt Ausbildungsberufe mit ähnlichen Tätigkeiten, etwa Elektro, Gesundheit oder IT. Wer zuerst in Feldern denkt statt in einzelnen Berufsnamen, verkleinert die Suche von vornherein.
Mit einer Interessenliste starten
Für den ersten Schritt reichen ein Blatt Papier, ein Stift und etwa eine Stunde Zeit. Schreiben Sie in die linke Spalte, was Sie gern tun: Schulfächer, die Ihnen leichtfallen, Hobbys, Nebentätigkeiten und Situationen, in denen Sie die Zeit vergessen. In die rechte Spalte kommt, was Sie nicht möchten, etwa langes Sitzen, Schichtdienst, viel Kundenkontakt oder Arbeiten im Freien.
Wichtig ist, in dieser Phase nichts zu bewerten. Auch unscheinbare Einträge wie "mit dem Hund spazieren gehen" oder "am Computer einrichten" helfen weiter, weil sie auf Bedürfnisse hinweisen: Bewegung, Verantwortung, technisches Verständnis. Am Ende der Stunde entnehmen Sie der Liste einige Stichworte, etwa Menschen, Zahlen, Maschinen, Lebensmittel, Gestaltung oder Natur.
Dieser Aufwand lohnt sich. Eine Ausbildung dauert in der Regel zwei bis dreieinhalb Jahre, und der Beruf begleitet Sie danach weiter. Wer sich für die Inhalte interessiert, hält diesen Zeitraum leichter durch als jemand, der nur wegen des Gehalts oder der Jobaussichten gewählt hat.
Berufsfelder als Sortierhilfe
Die Bundesagentur für Arbeit ordnet die Ausbildungsberufe in Berufsfelder ein, also in Gruppen mit ähnlichen Tätigkeiten. Zu den großen Feldern gehören Bau und Architektur, Elektro, Gesundheit, IT, Metall, Verkehr und Logistik sowie Wirtschaft und Verwaltung. Wenn Sie Ihre Stichworte mit zwei oder drei dieser Felder abgleichen, schrumpft die Auswahl von mehreren hundert Berufen auf einige Dutzend.
Ein Beispiel: Liegen Ihre Stichworte etwa bei Umgang mit Menschen und Organisation, passen die Felder Gesundheit, Handel oder Verwaltung. Stehen Technik und Konstruktion im Vordergrund, führen die Felder Metall, Elektro und IT zu Berufen wie Mechatroniker, Elektroniker oder Fachinformatiker.
Orientierungstests helfen bei dieser Zuordnung. Das kostenlose Erkundungstool Check-U der Bundesagentur für Arbeit vergleicht Interessen und Stärken mit passenden Berufen. Viele weitere Tests im Internet arbeiten nach dem RIASEC-Modell, das Interessen sechs Typen zuordnet und dazu Berufsfelder vorschlägt. Das Ergebnis eines Tests ist ein Hinweis, kein Urteil. Vergleichen Sie es mit Ihrer Interessenliste und nehmen Sie Abweichungen ernst.
Alphabetische Übersichten wie das ABC der Ausbildungsberufe eignen sich zum Stöbern, beim Eingrenzen helfen sie kaum. Nebeneinanderstehende Berufe wie Bäcker und Bankkaufmann verbindet inhaltlich wenig, das Alphabet zeigt keine Verwandtschaft.
Aufgaben der Berufe vergleichen
Ein Berufsfeld verkleinert die Auswahl, aber innerhalb eines Feldes stehen weiterhin viele Berufe zur Wahl. Berufsnamen sagen wenig über den Alltag aus. Den Fachinformatiker gibt es in mehreren Schwerpunkten, und zwischen Kaufmann für Büromanagement und Kaufmann im E-Commerce liegen trotz ähnlicher Bezeichnung unterschiedliche Tätigkeiten. Darum entscheidet der Aufgabenvergleich über die Auswahl.
Die zentrale Quelle dafür ist das BerufeNet der Bundesagentur für Arbeit. Die Datenbank beschreibt zu jedem anerkannten Ausbildungsberuf die typischen Tätigkeiten, die Ausbildungsinhalte und die Arbeitsorte. Nehmen Sie sich aus Ihrem Berufsfeld drei oder vier Berufe vor und notieren Sie zu jedem die Kernaufgaben. Anschließend prüfen Sie jeden Beruf an zwei Kriterien: Zählen Sie, wie viele Kernaufgaben zu Tätigkeiten aus Ihrer linken Spalte passen, und wie viele zu Einträgen aus der rechten Spalte. Je mehr Aufgaben aus der rechten Spalte im Alltag vorkommen, desto größer das Risiko, dass die Arbeit Sie dauerhaft belastet.
Erste Favoriten festlegen
Nach dem Aufgabenvergleich bleibt meist eine Gruppe von drei bis sechs Berufen übrig, die Sie wirklich interessieren. Bringen Sie diese Gruppe in eine Rangliste. Eine bewährte Entscheidungsregel lautet: Nur die drei Berufe bleiben auf der Liste, die Sie auch dann noch wählen würden, wenn die übrigen nicht mehr zur Auswahl stünden.
Schreiben Sie zu jedem Favoriten einen Satz, warum er auf der Liste steht, und einen Satz, was dagegen spricht. Diese Notizen helfen später beim Abwägen zwischen zwei Angeboten und in Gesprächen mit der Berufsberatung. Die Liste ist ein Arbeitsstand. Neue Informationen aus Praktika oder Gesprächen dürfen sie verändern.
Favoriten mit Praktika prüfen
Ein Praktikum zeigt am besten, ob ein Beruf wirklich passt. Wer in einem Betrieb mitarbeitet, erlebt die Aufgaben, das Tempo, den Umgang unter Kollegen und die Stimmung, die keine Berufsbeschreibung vermitteln kann. Je mehr unterschiedliche Unternehmen und Berufe Sie kennengelernt haben, desto besser können Sie einschätzen, ob Sie im favorisierten Beruf und Betrieb zufrieden sein werden. Auch ein Praktikum, das nicht überzeugt, ist ein Ergebnis: Es streicht einen Beruf oder Betrieb von der Liste und spart Zeit für die verbleibenden Favoriten.
Unterstützung bei der Organisation bekommen Sie bei der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit sowie bei den Industrie- und Handelskammern und den Handwerkskammern. Die Berufsberatung hilft kostenlos beim Vergleichen von Stärken, Interessen und Berufen. Die Kammern kennen die Ausbildungsbetriebe in ihrer Region und vermitteln Kontakte.