Ausbildung von zu Hause
Wenn regelmäßige Wege zum Betrieb aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen schwerfallen, kann eine Ausbildung von zu Hause zu einem anerkannten Berufsabschluss führen. Der Unterricht findet nach Stundenplan in virtuellen Klassenräumen statt. Je nach Beruf und Bildungsträger gehören auch praktische Übungen, Praktika und einzelne Termine vor Ort dazu.
Bei Online-Ausbildungen gibt es meist feste Lernzeiten und Betreuung. Anders als bei einem Fernstudium können Sie Ihre Zeit daher nicht frei einteilen. Prüfen Sie vor der Anmeldung, welchen Abschluss Sie erwerben, wie die praktische Ausbildung abläuft und wer die Kosten trägt.
So läuft eine Online-Ausbildung ab
Bei Online-Ausbildungen übernehmen häufig Berufsbildungswerke oder andere Bildungsträger die Ausbildung. Lehrkräfte und Ausbilder unterrichten per Videokonferenz. Auf Lernplattformen finden Sie Aufgaben und Materialien. In einem Angebot des SRH Berufsbildungswerks Neckargemünd lernen Auszubildende beispielsweise in virtuellen Gruppen und machen zusätzlich ein begleitetes Praktikum. Der Anbieter sieht außerdem ein persönliches Kennenlernen vor Ausbildungsbeginn vor.
Die Lernzeiten stehen dabei gewöhnlich im Stundenplan. Sie brauchen also einen verlässlichen Internetzugang und müssen zu den vereinbarten Unterrichtszeiten teilnehmen. Manche Träger stellen die technische Ausstattung und unterstützen bei den Internetkosten. Fragen Sie konkret nach, welche Geräte bereitstehen und welche Ausgaben Sie selbst übernehmen.
Eine reguläre Ausbildung mit einzelnen Homeoffice-Tagen ist etwas anderes. Eine Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung ergab für 2021, dass knapp ein Fünftel der Ausbildungsbetriebe zumindest einigen Auszubildenden Homeoffice ermöglichte. Die Zahl beschreibt zeitweises Lernen oder Arbeiten zu Hause in Betrieben. Sie sagt nicht, wie viele Menschen eine komplette Online-Ausbildung absolvieren.
Theorie braucht praktische Übungen
In einem anerkannten Ausbildungsberuf lernen Sie Fachwissen und praktische Fertigkeiten. Bei einer außerbetrieblichen Ausbildung bringt Ihnen der Bildungsträger praktische Fertigkeiten zum Beispiel in eigenen Werkstätten oder bei einem kooperierenden Betrieb bei. Je nach Ausbildungsberuf üben Sie außerdem in einem Praktikum oder bei Terminen vor Ort.
Kaufmännische und verwaltende Berufe eignen sich besonders für virtuelle Lernphasen. Dazu zählen beispielsweise Büromanagement, Industriekaufleute und E-Commerce. Auch in einzelnen Ausbildungen für IT-nahe Berufe und technische Produktgestaltung gibt es E-Learning-Phasen. Zu diesen Berufen gehören ebenfalls praktische Ausbildungsanteile.
Bei handwerklichen und gewerblich-technischen Berufen muss der Bildungsträger zeigen, wo und wie Sie die nötigen Fertigkeiten üben. Für Berufe wie Kfz-Mechatronik reicht Online-Unterricht allein nicht aus: Werkstattpraxis muss vor Ort organisiert werden. Fragen Sie nach konkreten Praxisorten und danach, wer Sie dort anleitet.
Abschluss und Prüfungen
Außerbetriebliche Angebote können zu einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf führen. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt diese Ausbildungsform als Verbindung von Theorie und Praxis. Bei einem konkreten Angebot sollten Sie sich schriftlich bestätigen lassen, welcher Berufsabschluss vorgesehen ist und welche zuständige Stelle die Prüfung abnimmt.
Menschen mit Behinderungen können einen Nachteilsausgleich beantragen. Dabei werden Prüfungsbedingungen an die individuelle Situation angepasst, etwa durch zusätzliche Bearbeitungszeit oder geeignete Hilfsmittel. Die fachlichen Anforderungen bleiben bestehen. Welche Unterstützung infrage kommt, wird im Einzelfall entschieden; klären Sie den Antrag rechtzeitig mit dem Bildungsträger und der zuständigen Prüfungsstelle.
Zugang und Finanzierung klären
Online-Ausbildungen sind häufig auf Menschen ausgerichtet, die wegen einer Behinderung oder eines besonderen Förderbedarfs keine passende Ausbildung vor Ort finden. Auch Pflege- und Betreuungspflichten können die Wahl der Ausbildungsform beeinflussen. Eine Ausbildung von zu Hause ist jedoch nicht automatisch in Teilzeit oder frei einteilbar.
Für eine außerbetriebliche Ausbildung müssen Sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die Bundesagentur für Arbeit berät Sie dazu, ob diese Ausbildung zu Ihrer Situation passt. Bei einzelnen Angeboten müssen Sie außerdem einen Antrag bei der Stelle stellen, die die Kosten übernimmt. Klären Sie vor der Anmeldung, wer die Ausbildung, die technische Ausstattung und gegebenenfalls die Fahrtkosten für Termine vor Ort bezahlt.
Prüfen Sie bei der Auswahl vor allem drei Punkte: den anerkannten Abschluss, den Ablauf der praktischen Ausbildung und den verbindlichen Wochenplan. So sehen Sie, ob das Angebot zu Ihrem gewünschten Beruf und Ihrem Alltag passt.