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Welche Ausbildungsberufe gibt es im Rathaus?

Wer im Rathaus arbeiten möchte, wählt meistens die Ausbildung zur oder zum Verwaltungsfachangestellten in der Fachrichtung Kommunalverwaltung. Je nach Stadt, Gemeinde oder Landkreis kommen weitere Berufe hinzu, etwa in IT, Büromanagement, Bibliothek, Vermessung, Gartenbau, Abwassertechnik oder Abfallwirtschaft.

Dabei bezeichnet „Rathaus“ häufig die gesamte kommunale Arbeitgeberin. Viele Ausbildungsplätze liegen deshalb nicht im Rathausgebäude, sondern zum Beispiel im Bauhof, in einer Stadtbibliothek, im Forstbetrieb, in einer Kläranlage oder bei einem kommunalen IT-Dienstleister.

Der klassische Ausbildungsberuf: Verwaltungsfachangestellte

Verwaltungsfachangestellte bearbeiten Anträge, wenden Rechtsvorschriften an und beraten Bürgerinnen und Bürger. Sie arbeiten beispielsweise im Bürgeramt, Ordnungsamt, Sozialamt, Bauamt, Personalamt, Kulturamt oder in der Kämmerei.

Zu den typischen Aufgaben gehören:

  • Anträge und Nachweise prüfen
  • Bescheide vorbereiten
  • Gebühren und Abgaben bearbeiten
  • Bürgeranfragen am Schalter, telefonisch oder schriftlich beantworten
  • Daten und Akten digital verwalten
  • Sitzungen von Gemeinderat oder Ausschüssen vorbereiten
  • Beschlüsse umsetzen
  • Vorgänge im Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen bearbeiten
  • Beschaffungen und organisatorische Abläufe unterstützen
  • Personalakten führen und bei Verwaltungsaufgaben im Personalwesen mitarbeiten

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Sie findet an drei Lernorten statt:

  1. In der kommunalen Verwaltung lernen Auszubildende die praktische Arbeit kennen.
  2. In der Berufsschule erwerben sie Grundlagen in Wirtschaft, Recht, Verwaltung und Kommunikation.
  3. In dienstbegleitenden Lehrgängen vertiefen sie verwaltungsrechtliche und fachliche Inhalte.

Nach der Ausbildungsordnung entfallen 24 Monate auf eine gemeinsame Grundausbildung. Die fachrichtungsspezifische Ausbildung umfasst weitere zwölf Monate. Ergänzend ist eine dienstbegleitende Unterweisung mit in der Regel 420 Stunden vorgesehen. Die genaue Organisation richtet sich nach dem Bundesland und der Kommune.

So sieht der Ausbildungsalltag aus

Der Arbeitsalltag verbindet Büroarbeit, digitale Vorgänge und Bürgerkontakt. Ein typischer Tag kann zum Beispiel so ablaufen:

  • Eingegangene Anträge und E-Mails sichten
  • fehlende Unterlagen bei Antragstellenden nachfordern
  • einen Verwaltungsfall anhand gesetzlicher Vorschriften prüfen
  • Daten in einem Fachverfahren erfassen
  • einen Gebührenbescheid vorbereiten
  • eine Frage am Telefon oder am Schalter beantworten
  • die Zuständigkeit mit einem anderen Amt klären
  • Dokumente im Verwaltungssystem ablegen
  • den Ausbildungsnachweis ergänzen

Auszubildende wechseln häufig zwischen verschiedenen Fachbereichen. Dadurch lernen sie unterschiedliche Aufgaben kennen und erhalten einen breiten Einblick in die Kommunalverwaltung. Bürgerkontakt gehört in vielen Einsatzstellen dazu. Je nach Amt kommen außerdem interne Besprechungen oder einzelne Außentermine hinzu.

Die Ausbildung umfasst unter anderem:

  • allgemeines Verwaltungsrecht
  • Kommunalrecht
  • Verwaltungsverfahren
  • Haushalts- und Rechnungswesen
  • Personalwesen
  • Beschaffung und Organisation
  • Kommunikation und Kooperation
  • digitale Informations- und Kommunikationssysteme
  • fallbezogene Rechtsanwendung

Eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung gehören ebenfalls zur Ausbildung. In der Abschlussprüfung müssen Auszubildende unter anderem zeigen, dass sie Verwaltungsfälle bearbeiten, Rechtsvorschriften anwenden und ihre Ergebnisse verständlich darstellen können.

Weitere Ausbildungsberufe bei der Stadt oder Gemeinde

Welche Berufe eine Kommune anbietet, hängt von ihrer Größe, ihren eigenen Einrichtungen und ihrem Personalbedarf ab. Die folgenden Möglichkeiten gehören häufig zum kommunalen Ausbildungsangebot.

Kaufleute für Büromanagement

Kaufleute für Büromanagement arbeiten in Sekretariaten, zentralen Diensten, Personalstellen, Verwaltungsabteilungen oder kommunalen Betrieben.

Mögliche Aufgaben sind:

  • Schriftverkehr bearbeiten
  • Termine und Besprechungen organisieren
  • Sitzungen vorbereiten
  • Rechnungen und Bestellungen bearbeiten
  • Dokumente und Daten verwalten
  • interne und externe Kommunikation unterstützen
  • bei Aufgaben im Personal- oder Rechnungswesen mitarbeiten

Die Ausbildung passt zu Personen, die gerne organisieren, sorgfältig mit Unterlagen umgehen und kaufmännische Abläufe interessant finden. Die konkreten Schwerpunkte hängen von der jeweiligen Ausschreibung und den gewählten Wahlqualifikationen ab.

Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker

Größere Städte haben eigene IT-Abteilungen oder beauftragen zentrale kommunale IT-Dienstleister. Dort bilden sie beispielsweise Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker für Systemintegration oder Anwendungsentwicklung aus.

In der Fachrichtung Systemintegration geht es unter anderem um:

  • Arbeitsplätze und Netzwerke einrichten
  • Benutzerkonten und Zugriffsrechte verwalten
  • Fachverfahren betreuen
  • technische Störungen analysieren
  • Server und Endgeräte warten
  • IT-Sicherheitsvorgaben berücksichtigen
  • Beschäftigte bei technischen Fragen unterstützen
  • IT-Lösungen dokumentieren

In der Anwendungsentwicklung stehen Software, Programmierung und die Anpassung digitaler Fachverfahren stärker im Mittelpunkt.

Diese Berufe verbinden technische Aufgaben mit dem öffentlichen Auftrag der Kommune. Wer sich für Computer, Netzwerke, Datenschutz oder Programmierung interessiert, findet hier eine Alternative zur klassischen Verwaltungsausbildung.

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste

Kommunale Bibliotheken, Archive und Dokumentationsstellen bilden Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste aus. Je nach Fachrichtung unterscheiden sich die Aufgaben.

In einer Bibliothek können sie:

  • Bücher, Zeitschriften und digitale Medien verwalten
  • Medien katalogisieren
  • Nutzerinnen und Nutzer beraten
  • Informationen recherchieren
  • Rückgaben und Mahnvorgänge bearbeiten
  • Datenbanken pflegen
  • Veranstaltungen vorbereiten

In Archiven stehen historische Dokumente, Akten und digitale Unterlagen im Mittelpunkt. Auszubildende ordnen Bestände, erschließen Informationen und unterstützen deren Nutzung.

Der Beruf eignet sich für Menschen, die gerne recherchieren, mit digitalen Datenbanken arbeiten und Interesse an Bildung, Kultur oder Geschichte haben.

Vermessungstechnikerinnen, Vermessungstechniker und Geomatikerinnen und Geomatiker

Bauämter, Vermessungsämter und Stadtplanungsämter benötigen Fachkräfte für Grundstücke, Gebäude und Geodaten. Vermessungstechnische Berufe verbinden Büroarbeit mit digitalen Karten und Tätigkeiten im Außendienst.

Mögliche Aufgaben:

  • Grundstücke und Gebäude vermessen
  • Geodaten erfassen und auswerten
  • digitale Pläne und Karten erstellen
  • Geoinformationssysteme bedienen
  • Daten für Bau- und Liegenschaftsverfahren bereitstellen
  • Stadtentwicklung und Bauleitplanung unterstützen

Diese Ausbildung passt zu Personen, die sich für Technik, Karten, Mathematik und die Entwicklung von Städten oder Gemeinden interessieren.

Gärtnerinnen und Gärtner

Kommunale Grünflächenämter, Bauhöfe, Friedhöfe und Parkbetriebe bilden je nach Bedarf Gärtnerinnen und Gärtner aus. In der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau arbeiten sie an öffentlichen Grünanlagen, Wegen, Spielplätzen und Außenflächen.

Je nach Einsatzbereich gehören dazu:

  • Pflanzen setzen und pflegen
  • Rasenflächen und Beete anlegen
  • Bäume und Sträucher schneiden
  • Wege und Plätze gestalten
  • Grünanlagen instand halten
  • Maschinen und Geräte fachgerecht einsetzen

Auch Ausbildungen im Bereich Friedhofsgärtnerei oder Floristik können bei kommunalen Einrichtungen vorkommen. Diese Ausbildungsplätze befinden sich in der Regel außerhalb des eigentlichen Rathausgebäudes.

Straßenwärterinnen und Straßenwärter

Straßenwärterinnen und Straßenwärter sorgen für die Verkehrssicherheit und den Zustand kommunaler Straßen. Sie arbeiten beispielsweise an:

  • Straßen, Wegen und Plätzen
  • Verkehrszeichen und Absperrungen
  • Grünstreifen und Böschungen
  • Entwässerungsanlagen
  • Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten
  • Winterdienst und Streckenkontrollen

Die Arbeit findet überwiegend im Freien statt und erfordert körperliche Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein und einen sicheren Umgang mit Werkzeugen und Maschinen.

Fachkräfte für Abwassertechnik

Kommunale Kläranlagen und Entwässerungsbetriebe bilden Fachkräfte für Abwassertechnik aus. Sie überwachen technische Anlagen, kontrollieren die Wasseraufbereitung und führen Messungen durch.

Zum Arbeitsbereich gehören beispielsweise:

  • Anlagen und Pumpen kontrollieren
  • Messwerte erfassen
  • Abwasserproben untersuchen
  • Störungen erkennen
  • Wartungsarbeiten unterstützen
  • Arbeits- und Umweltschutzvorgaben einhalten

Wer sich für Umwelt, Wasser, Technik und naturwissenschaftliche Zusammenhänge interessiert, findet hier einen kommunalen Ausbildungsberuf mit starkem Praxisbezug.

Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft

Städte und Gemeinden betreiben teilweise eigene Entsorgungsbetriebe oder Wertstoffhöfe. Dort können Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft ausgebildet werden.

Sie nehmen Abfälle an, sortieren Wertstoffe, überwachen Anlagen und achten auf einen sicheren sowie umweltgerechten Umgang mit Abfällen. Der Arbeitsplatz liegt häufig bei einem kommunalen Eigenbetrieb und nicht in der Stadtverwaltung im engeren Sinn.

Weitere technische und soziale Berufe

Je nach Aufgabenbereich kommen außerdem Ausbildungsplätze in folgenden Berufen infrage:

  • Elektronikerin oder Elektroniker
  • Anlagenmechanikerin oder Anlagenmechaniker
  • Veranstaltungstechnikerin oder Veranstaltungstechniker
  • Berufe im Straßen- und Kanalbau
  • Erzieherin oder Erzieher in kommunalen Einrichtungen
  • Pflegefachfrau oder Pflegefachmann in kommunalen Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen
  • Feuerwehrberufe

Ob eine Kommune diese Berufe selbst anbietet, hängt von ihren Einrichtungen und Eigenbetrieben ab.

Ausbildung im Rathaus oder Ausbildung bei der Kommune?

Die Begriffe werden im Alltag häufig gleich verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Arbeitsorte.

Im Rathaus oder in der Verwaltung arbeiten vor allem:

  • Verwaltungsfachangestellte
  • Kaufleute für Büromanagement
  • Verwaltungsmitarbeitende in verschiedenen Fachämtern
  • teilweise Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker

Bei der Kommune arbeiten zusätzlich Fachkräfte in:

  • Stadtbibliotheken und Archiven
  • Bauhöfen
  • Grünflächenämtern
  • Friedhofsbetrieben
  • Kläranlagen
  • Abfall- und Recyclingbetrieben
  • kommunalen Werkstätten
  • Feuerwehren
  • Schulen, Kindertagesstätten und sozialen Einrichtungen

Wer nach einer Ausbildung „im Rathaus“ sucht, sollte deshalb auch die Karriereportale der Stadt, des Landkreises, kommunaler Betriebe und Eigenbetriebe prüfen.

Verwaltungsfachangestellte oder Verwaltungswirt?

Die Ausbildung zur oder zum Verwaltungsfachangestellten ist eine anerkannte duale Berufsausbildung. Daneben bieten Kommunen weitere Wege in die Verwaltung an.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Verwaltungswirtin oder Verwaltungswirt
  • Stadtsekretäranwärterin oder Stadtsekretäranwärter
  • Vorbereitungsdienst für eine Beamtenlaufbahn
  • duales Studium öffentliche Verwaltung
  • Bachelor of Laws oder vergleichbare Studiengänge im öffentlichen Dienst

Diese Wege sind nicht automatisch mit der klassischen Berufsausbildung gleichzusetzen. Verwaltungswirtinnen und Verwaltungswirte durchlaufen je nach Bundesland eine landesrechtlich geregelte Ausbildung oder einen Vorbereitungsdienst. Ein duales Studium verbindet Hochschulunterricht mit praktischen Ausbildungsabschnitten und richtet sich häufig an Personen, die später anspruchsvollere Verwaltungs- oder Führungsaufgaben übernehmen möchten.

Die Ausschreibung nennt, welcher Abschluss, welche Laufbahn und welche Zugangsvoraussetzungen gelten.

Welcher Ausbildungsberuf passt zu welchen Interessen?

Die folgende Orientierung hilft bei der ersten Auswahl:

Interesse Möglicher Ausbildungsweg
Gesetze, Bürgerkontakt und Verwaltungsfälle Verwaltungsfachangestellte oder Verwaltungsfachangestellter
Organisation, Schriftverkehr und Büroabläufe Kaufleute für Büromanagement
Netzwerke, Computer und IT-Sicherheit Fachinformatik für Systemintegration
Programmierung und Software Fachinformatik für Anwendungsentwicklung
Bücher, Recherche und Kultur Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste
Karten, Geodaten und Stadtplanung Vermessungstechnik oder Geomatik
Pflanzen, Parks und Arbeit im Freien Garten- und Landschaftsbau
Wasser, Anlagen und Umweltschutz Abwassertechnik
Abfall, Recycling und Anlagenbetrieb Kreislauf- und Abfallwirtschaft
Führungsaufgaben und ein Hochschulabschluss Duales Studium öffentliche Verwaltung

Die Tabelle ersetzt keine Prüfung der konkreten Ausschreibung. Derselbe Beruf kann in einer kleinen Gemeinde andere Schwerpunkte haben als in einer Großstadt.

Anforderungen und Schulabschluss

Für die Ausbildung zur oder zum Verwaltungsfachangestellten ist rechtlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Kommunen legen in ihren Ausschreibungen jedoch eigene Auswahlkriterien fest. In der Praxis spielen mittlerer Schulabschluss und Hochschulreife häufig eine Rolle. Die tatsächliche Bewerberlage unterscheidet sich je nach Kommune und Ausbildungsberuf.

Für die Verwaltung sind besonders wichtig:

  • sorgfältiges und fehlerfreies Arbeiten
  • Interesse an Recht und gesellschaftlichen Themen
  • verständliches schriftliches Formulieren
  • gute Kommunikationsfähigkeit
  • freundlicher und sachlicher Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern
  • Verschwiegenheit im Umgang mit personenbezogenen Daten
  • Organisationstalent
  • sicherer Umgang mit digitalen Anwendungen
  • Bereitschaft, Gesetzesänderungen und neue Verfahren zu lernen

Hilfreiche Schulfächer sind Deutsch, Mathematik, Politik oder Sozialkunde sowie Wirtschaft und Recht, sofern diese Fächer angeboten werden.

Für technische Berufe zählen zusätzlich technisches Verständnis, mathematische Grundlagen und je nach Einsatzbereich körperliche Belastbarkeit. Bei IT-Ausbildungen sind logisches Denken, Interesse an Computersystemen und eine sorgfältige Arbeitsweise wichtig.

Ausbildungsvergütung und tarifliche Regelungen

Die Ausbildungsvergütung richtet sich häufig nach dem Tarifrecht des öffentlichen Dienstes. Die konkrete Höhe hängt unter anderem vom geltenden Tarifvertrag, vom Arbeitgeber und vom Ausbildungsberuf ab.

Verbindlich für die Bewerbung sind deshalb:

  • die Angaben in der Ausschreibung
  • der spätere Ausbildungsvertrag
  • der für die Kommune geltende Tarifvertrag

Pauschale Beträge für alle Rathäuser gibt es nicht. Auch Zusatzleistungen und Regelungen zur Arbeitszeit sollten direkt in der Ausschreibung geprüft werden.

Bewerbung für einen Ausbildungsplatz im Rathaus

Für eine Bewerbung werden häufig folgende Unterlagen verlangt:

  • Anschreiben
  • tabellarischer Lebenslauf
  • aktuelle Schulzeugnisse
  • Praktikumsbescheinigungen, sofern vorhanden
  • Nachweise über ehrenamtliches Engagement oder besondere Kenntnisse, sofern relevant

Ein Bewerbungsfoto ist nicht verpflichtend. Maßgeblich sind die Vorgaben der jeweiligen Kommune. Viele Städte verlangen die Bewerbung über ein eigenes Online-Portal.

Das Anschreiben auf die Stelle ausrichten

Das Anschreiben sollte konkret erklären:

  • Warum interessiert dich die Kommune?
  • Warum passt der gewählte Ausbildungsberuf zu deinen Interessen?
  • Welche Erfahrungen hast du durch Schule, Praktikum, Nebenjob oder Ehrenamt gesammelt?
  • Welche Stärken helfen dir bei den Aufgaben?

Ein allgemeiner Satz über einen „sicheren Arbeitsplatz“ reicht als Begründung nicht aus. Für eine Verwaltungsstelle sind beispielsweise Interesse an Recht, Bürgerkontakt und sorgfältiger Sachbearbeitung aussagekräftiger. Für eine IT-Ausbildung passen Erfahrungen mit Computern, Netzwerken oder Programmierprojekten besser.

Mögliche Auswahlstufen

Kommunen setzen je nach Stelle unterschiedliche Verfahren ein. Möglich sind:

  • Online- oder Einstellungstest
  • schriftlicher Test
  • strukturiertes Vorstellungsgespräch
  • Gruppenaufgabe
  • Assessment-Center
  • persönliches Gespräch mit Fragen zur Motivation

Für einen Einstellungstest lohnt es sich, Deutsch und Rechtschreibung, Mathematik, logisches Denken, Konzentration und Allgemeinwissen zu üben. Zusätzlich sollten Bewerberinnen und Bewerber die Aufgaben der Stadt kennen. Dazu gehören zum Beispiel aktuelle Bauvorhaben, Verkehrsfragen, Schulen, Bürgerdienste oder kommunale Umweltprojekte.

Bewerbungsfristen: Jede Kommune legt eigene Termine fest

Eine bundesweit einheitliche Bewerbungsfrist für Ausbildungsplätze im Rathaus gibt es nicht. Der Bewerbungsschluss hängt von der Kommune, dem Ausbildungsberuf und dem Einstellungsjahr ab.

Größere Städte veröffentlichen Ausbildungsstellen teilweise deutlich vor dem Ausbildungsbeginn. Andere Kommunen schreiben Stellen später aus oder besetzen einzelne Berufe nach Bedarf. Deshalb sollten Interessierte:

  1. bereits im vorletzten Schuljahr nach passenden Stellen suchen,
  2. das Karriereportal der Stadt regelmäßig prüfen,
  3. den Einstellungstermin und Bewerbungsschluss notieren,
  4. die Ausbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit nutzen,
  5. bei unklaren Angaben die zuständige Personal- oder Ausbildungsstelle fragen,
  6. mehrere Kommunen und verwandte Berufe in Betracht ziehen.

Eine Bewerbung sollte nicht bis zum Abschlusszeugnis warten, wenn die Ausschreibung bereits vorher Unterlagen verlangt.

Drei Beispiele für kommunale Ausbildungswege

Kleine Gemeinde

Eine kleine Gemeinde bietet möglicherweise nur wenige Ausbildungsberufe an, zum Beispiel Verwaltungsfachangestellte. Während der Ausbildung lernen die Nachwuchskräfte mehrere Bereiche kennen, etwa Bürgerbüro, Kämmerei, Ordnungsamt und Personalverwaltung. Die Aufgaben sind dadurch breit gefächert, während es weniger Spezialisierung gibt.

Großstadt

Eine Großstadt hat häufig eigene Fachämter, Bibliotheken, IT-Dienstleister, Bauhöfe und technische Betriebe. Dadurch kann sie parallel Verwaltungsfachangestellte, Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Vermessungstechnikerinnen und Vermessungstechniker, Gärtnerinnen und Gärtner sowie weitere Fachkräfte ausbilden.

Kommune mit Eigenbetrieben

Eine Stadt mit eigener Kläranlage, Abfallwirtschaft oder Werkstatt kann Ausbildungsplätze in Abwassertechnik, Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Elektronik oder Anlagenmechanik anbieten. Die Auszubildenden gehören dann zur kommunalen Arbeitgeberin, arbeiten aber in einem Eigenbetrieb oder einer technischen Einrichtung.

Vorteile und Herausforderungen

Eine Ausbildung bei der Kommune bietet verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Verwaltungsfachangestellte können nach der Ausbildung beispielsweise im Bürgeramt, Bauamt, Sozialamt, Personalamt oder Rechnungswesen arbeiten. Technische und handwerkliche Berufe führen in andere kommunale Einrichtungen.

Zu den möglichen Vorteilen gehören:

  • strukturierte Ausbildungsabschnitte
  • unterschiedliche Fachbereiche
  • gesellschaftlich relevante Aufgaben
  • Verbindung von Theorie und Praxis
  • Spezialisierung nach der Ausbildung
  • digitale Arbeitsweisen in vielen Bereichen
  • Weiterbildungs- und Studienmöglichkeiten

Die Ausbildung bringt zugleich Anforderungen mit sich:

  • Gesetzes- und Verfahrensinhalte müssen verstanden und angewendet werden.
  • Verwaltungsfälle verlangen Genauigkeit.
  • Personenbezogene Daten müssen vertraulich behandelt werden.
  • Bürgergespräche können anspruchsvoll sein.
  • Wiederkehrende Vorgänge gehören in vielen Ämtern zum Alltag.
  • Auswahlverfahren bestehen teilweise aus mehreren Stufen.

Wer sich nur wegen der vermuteten Arbeitsplatzsicherheit bewirbt, sollte die täglichen Aufgaben vorher kennenlernen. Ein Praktikum im Bürgerbüro, Bauamt, Archiv, Bauhof oder kommunalen Betrieb zeigt, welcher Arbeitsbereich tatsächlich passt.

Die nächsten Schritte zur passenden Ausbildung

  1. Interessen klären: Liegt der Schwerpunkt bei Recht und Bürgerkontakt, Büroorganisation, IT, Medien, Technik oder Arbeit im Freien?
  2. Kommunen auswählen: Prüfe Städte, Gemeinden, Landkreise, Bezirksverwaltungen und kommunale Eigenbetriebe.
  3. Ausbildungsangebote suchen: Nutze die Karriereportale der Arbeitgeber und die Ausbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit.
  4. Berufsbezeichnung genau lesen: Unterscheide Verwaltungsfachangestellte, Verwaltungswirt und duales Studium.
  5. Fristen speichern: Notiere Bewerbungsschluss und Ausbildungsbeginn gemeinsam.
  6. Praktikum anfragen: Ein Einblick in Rathaus, Bürgerbüro, Bibliothek oder Bauhof erleichtert die Entscheidung.
  7. Unterlagen vorbereiten: Erstelle einen übersichtlichen Lebenslauf und sammle Zeugnisse sowie Nachweise.
  8. Anschreiben anpassen: Beziehe dich auf den konkreten Beruf und die Aufgaben der Kommune.
  9. Auswahltest üben: Bereite dich auf Deutsch, Mathematik, Logik, Konzentration und kommunale Themen vor.
  10. Alternativen einplanen: Bewirb dich bei mehreren Kommunen und prüfe verwandte Ausbildungsberufe.

Die wichtigste Orientierung lautet: Für klassische Verwaltungstätigkeiten ist die Ausbildung zur oder zum Verwaltungsfachangestellten in der Fachrichtung Kommunalverwaltung der zentrale Einstieg. Wer sich für IT, Medien, Vermessung, Natur, Umwelt oder Technik interessiert, findet bei Städten und Gemeinden jedoch weitere Ausbildungswege. Entscheidend ist, ob der konkrete Beruf, der Lernort und die Aufgaben zur eigenen Interessenlage passen.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.