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Ausbildung oder Studium: So treffen Sie die Entscheidung

Nach der Schule müssen viele junge Menschen entscheiden: betriebliche Ausbildung oder Studium. Was besser passt, hängt von Ihren Interessen, Ihren Stärken und dem Arbeitsmarkt ab. Es gibt gute Gründe, die alte Annahme zu überdenken, dass ein Studium automatisch die bessere Wahl ist. Treffen Sie die Entscheidung ruhig und überlegt und lassen Sie sich dabei nicht von Trends oder Erwartungen treiben.

Warum die Entscheidung heute schwieriger ist

Die Arbeitswelt verändert sich schneller als früher. Künstliche Intelligenz übernimmt immer mehr Aufgaben, die bis vor kurzem gut bezahlte Einstiegsjobs in Büros und Wissensberufen waren. Experten schätzen, dass KI etwa die Hälfte dieser Einstiegsjobs bedroht. Das betrifft Tätigkeiten wie das Zusammenfassen von Texten, das Erstellen von Standardberichten oder die erste Auswertung von Daten. Wer heute ein Studium beginnt, sollte sich fragen, ob der angestrebte Beruf solche Routinetätigkeiten enthält und ob er nach dem Abschluss noch gefragt ist.

Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit unter Akademikern. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldet: Die Akademikerarbeitslosigkeit in Deutschland ist von 2,1 Prozent vor der Corona-Pandemie auf 3,3 Prozent gestiegen. Das klingt immer noch niedrig, aber der Trend zeigt: Ein Hochschulabschluss ist keine Garantie für einen sicheren Job. In manchen Fächern, etwa in Geisteswissenschaften, finden Absolventen schwerer eine passende Stelle als in der Pflege oder im Handwerk.

Verdienst und Sicherheit im Vergleich

Ein direkter Vergleich zwischen Ausbildung und Studium ist schwierig, weil die Gehälter innerhalb beider Wege stark variieren. Ein Meister im Handwerk kann langfristig ähnlich viel verdienen wie ein Absolvent mit Masterabschluss. Der Unterschied liegt oft im Verlauf: Studierende verdienen in den ersten Jahren wenig und nehmen häufig Nebenjobs an, Auszubildende erhalten vom ersten Tag an eine Vergütung. Nach der Ausbildung steigt das Gehalt mit der Berufserfahrung. Mit einem Meisterbrief oder einer Weiterbildung zum Techniker sind Aufstiege möglich.

Auch die Branche beeinflusst die finanzielle Sicherheit. In technischen und medizinischen Berufen sind die Aussichten mit Ausbildung und mit Studium gut. In Bereichen mit vielen Absolventen, etwa in der Kommunikationsbranche oder in Teilen der Sozialwissenschaften, ist der Wettbewerb um Stellen dagegen hoch. Ein Studium lohnt sich vor allem dann, wenn der Beruf einen akademischen Abschluss zwingend verlangt, etwa als Arzt, Lehrer oder Ingenieur in bestimmten Positionen.

Stärken und Interessen ehrlich prüfen

Am wichtigsten ist, dass Sie sich selbst ehrlich einschätzen. Fragen Sie sich, ob Sie lieber theoretisch arbeiten und komplexe Zusammenhänge analysieren oder ob Sie praktische Ergebnisse sehen wollen. Wer gerne mit den Händen arbeitet, direkt mit Kunden oder Patienten umgeht und konkrete Produkte herstellt, ist in einer Ausbildung oft besser aufgehoben. Freude am Lesen, Schreiben, Forschen und an abstrakten Problemen spricht dagegen eher für ein Studium.

Achten Sie auch darauf, wie Sie am besten lernen. Ein Studium verlangt viel Selbstorganisation: Sie gestalten Ihren Stundenplan weitgehend selbst und müssen sich den Stoff eigenständig erarbeiten. Eine Ausbildung bietet einen festen Rahmen mit klaren Anforderungen und regelmäßigem Feedback durch Ausbilder. Wenn Sie Struktur und Anleitung brauchen, um motiviert zu bleiben, spricht das für eine Ausbildung. Reizt Sie dagegen Freiheit und Eigenverantwortung, kann ein Studium die richtige Wahl sein.

Praktische Schritte zur Entscheidung

Statt lange zu grübeln, sammeln Sie aktiv Informationen. Die Bundesagentur für Arbeit bietet mit dem Portal meinBERUF eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die Sie durch den Entscheidungsprozess führt. Dort können Sie einen Selbsttest machen, der Ihre Interessen und Stärken mit passenden Berufen abgleicht. Das Portal informiert über Ausbildungsberufe, Studiengänge und duale Studiengänge, die beides kombinieren.

Ein Praktikum ist die beste Möglichkeit, einen Beruf realistisch kennenzulernen. Verbringen Sie ein paar Wochen in einem Betrieb oder in einer Einrichtung, die Sie interessiert. So erfahren Sie, wie der Alltag tatsächlich aussieht, welche Aufgaben Sie erwarten und ob das Team zu Ihnen passt. Auch ein Gespräch mit Menschen, die den Beruf bereits ausüben, hilft mehr als jede Broschüre. Fragen Sie nach den guten und den schwierigen Seiten der Arbeit.

Nutzen Sie außerdem die Beratungsangebote der Agentur für Arbeit. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater kennen den regionalen Arbeitsmarkt und können einschätzen, welche Abschlüsse in Ihrer Umgebung gefragt sind. Sie helfen auch bei der Bewerbung, wenn Sie sich für eine Ausbildung entscheiden. Das meinBERUF-Portal enthält dafür Tipps und Vorlagen.

Ausbildung und Studium kombinieren

Ein duales Studium verbindet ein Hochschulstudium mit einer betrieblichen Ausbildung oder mit längeren Praxisphasen im Unternehmen, sodass Sie sich nicht endgültig für einen der beiden Wege entscheiden müssen. Sie erhalten eine Vergütung, sammeln Berufserfahrung und erwerben gleichzeitig einen akademischen Abschluss. Das ist besonders in technischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereichen verbreitet.

Eine andere Möglichkeit ist, nach der Ausbildung ein Studium aufzunehmen. Mit einem Meisterbrief oder einer Aufstiegsfortbildung erwerben Sie in vielen Bundesländern die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. So können Sie später noch studieren, wenn Sie merken, dass Sie sich fachlich weiterentwickeln möchten. Umgekehrt ist es schwieriger, nach einem abgeschlossenen Studium eine Ausbildung zu beginnen, weil Sie dann meist keine Förderung mehr erhalten. Planen Sie daher frühzeitig, ob Sie später noch einen anderen Weg einschlagen möchten.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.