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Ausbildung mit und ohne Abitur: Chancen im Vergleich

Hauptschulabschluss, Realschulabschluss oder Abitur: Jeder Abschluss öffnet andere Wege in die Berufsausbildung, keiner sperrt die Türen komplett zu. Die meisten dualen Ausbildungsberufe schreiben keinen bestimmten Schulabschluss vor – der Betrieb entscheidet selbst, wen er einstellt. Der Abschluss bestimmt aber, welche Berufe realistisch sind, wie schnell Sie eine Stelle finden und welche Weiterbildungen später offenstehen.

Wer vor der Entscheidung steht, sollte wissen: Der Abschluss allein entscheidet nicht über den Erfolg, aber er bestimmt, welche Wege offenstehen.

Die vier Abschlüsse im Überblick

In Deutschland gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Namen und Regelungen. Im Kern zählen für die Ausbildung vier Abschlüsse: den Hauptschulabschluss, den Mittleren Bildungsabschluss, der oft Realschulabschluss genannt wird, die Fachhochschulreife und das Abitur, offiziell allgemeine Hochschulreife. Dazu kommt der Förderschulabschluss, der den Einstieg manchmal erschwert. Die Fachhochschulreife erlaubt ein Studium an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften, das Abitur an jeder Universität. Für die betriebliche Ausbildung selbst spielt der Unterschied zwischen Fachhochschulreife und Abitur meist keine Rolle. Er wird erst wichtig, wenn Sie später studieren wollen.

Hauptschulabschluss und praktische Berufe

Mit dem Hauptschulabschluss stehen Ihnen viele duale Ausbildungsberufe offen, besonders im Handwerk und in der Produktion. Betriebe in diesen Branchen stellen regelmäßig Hauptschulabsolventen ein, weil dort praktisches Geschick und Zuverlässigkeit mehr zählen als der Abschluss auf dem Papier. Beispiele sind Berufe im Bau, in der Metallverarbeitung, im Lebensmittelhandwerk oder in der Lagerlogistik.

Die Noten entscheiden mit. Wenn mehrere Bewerber mit demselben Abschluss kommen, schauen Betriebe auf die Zeugnisnoten in Deutsch, Mathe und den praktischen Fächern. Ein guter Hauptschulabschluss schlägt einen schwachen Realschulabschluss, wenn die Bewerbung überzeugt.

Wenn Sie einen höheren Abschluss anstreben, können Sie den Realschulabschluss nachholen, etwa über eine Berufsfachschule oder die Volkshochschule. Das lohnt sich vor allem, wenn Sie in einen kaufmännischen oder technischen Beruf wechseln möchten. Dort bevorzugen Betriebe meist Bewerber mit Mittlerem Bildungsabschluss.

Realschulabschluss als breiter Einstieg

Der Mittlere Bildungsabschluss ist der häufigste Einstieg in die duale Ausbildung. Er öffnet fast alle Ausbildungsberufe, von kaufmännischen Berufen im Büro und Handel über technische Berufe in der Industrie bis zu Berufen im Gesundheitswesen. Betriebe sehen den Realschulabschluss als solide Grundlage, weil er praktische und theoretische Anforderungen abdeckt.

Auch hier gilt: Der Abschluss allein reicht nicht. In beliebten Berufen wie Industriekaufmann, Fachinformatiker oder Medizinischer Fachangestellter bewerben sich oft mehr Kandidaten als Plätze vorhanden sind. Betriebe sortieren dann nach Noten, Praktika und Auftreten. Ein Praktikum oder eine überzeugende Bewerbung kann den Ausschlag geben.

Der Realschulabschluss lässt sich außerdem ausbauen: Über die Fachoberschule erreichen Sie die Fachhochschulreife, über das Berufliche Gymnasium sogar das Abitur. Damit bleibt der Weg ins Studium offen, ohne dass Sie die Ausbildung dafür aufgeben müssen.

Was das Abitur für die Ausbildung bedeutet

Mit dem Abitur können Sie jede Ausbildung beginnen, die der Betrieb anbietet, und zusätzlich stehen Ihnen duale Studiengänge offen, die Abitur oder Fachhochschulreife voraussetzen. Viele Betriebe schätzen Abiturienten, weil sie davon ausgehen, dass sie schneller lernen und theoretische Inhalte leichter verstehen. In Berufen wie Bankkaufmann, in der öffentlichen Verwaltung oder in manchen IT-Bereichen ist das Abitur in der Praxis oft die Norm, auch wenn es formal nicht verlangt wird.

Ein praktischer Vorteil ist die verkürzte Ausbildungszeit. Viele Betriebe verkürzen die Ausbildung für Abiturienten von drei auf zwei Jahre, wenn die Leistungen stimmen. Sie verdienen dann früher das volle Gehalt und sind schneller im Berufsleben.

Das Abitur ist aber keine Garantie für einen Ausbildungsplatz. Betriebe prüfen auch hier Noten, Motivation und ob der Bewerber zum Betrieb passt. Manche Arbeitgeber zögern sogar, Abiturienten einzustellen, weil sie befürchten, dass diese nach der Ausbildung doch studieren und den Betrieb verlassen. In der Bewerbung sollten Sie deshalb klar machen, warum Sie sich für die Ausbildung entschieden haben und nicht für ein Studium.

Wann das Abitur den Ausschlag gibt

Das Abitur verändert den Weg vor allem in drei Situationen. Erstens beim dualen Studium: Wenn Sie Theorie und Praxis kombinieren wollen, brauchen Sie dafür die Hochschulreife. Zweitens bei Berufen, in denen der Abschluss üblich ist, etwa im Bankwesen oder im höheren Verwaltungsdienst. Drittens, wenn Sie später studieren möchten: Mit Abitur können Sie nach der Ausbildung direkt an die Universität, ohne eine zusätzliche Prüfung abzulegen.

Für viele andere Berufe ist das Abitur kein Muss. Wenn Sie etwa im Handwerk oder in der Pflege arbeiten möchten, kommen Sie mit Realschulabschluss genauso weit, und die spätere Weiterbildung zum Meister oder Fachwirt steht unabhängig vom Schulabschluss offen. Entscheidend ist am Ende, was Sie beruflich erreichen wollen, nicht der höchste Abschluss auf dem Papier.

Wege ohne Schulabschluss

Wer keinen Schulabschluss hat, hat es schwerer, aber nicht aussichtslos. Eine Einstiegsqualifizierung (EQ) ist ein mehrmonatiges Praktikum in einem Betrieb, das den Einstieg in die Ausbildung vorbereitet und oft in einen Ausbildungsvertrag mündet. Auch das Berufsvorbereitungsjahr an der Berufsschule hilft, Grundlagen nachzuholen und einen Abschluss zu erreichen.

Der Hauptschulabschluss lässt sich über die Volkshochschule oder berufsvorbereitende Maßnahmen nachholen, und genau das verbessert die Chancen auf einen Ausbildungsplatz deutlich. Auch wer einen Förderschulabschluss hat, verbessert mit dem nachgeholten Hauptschulabschluss die Aussichten. Für Menschen mit Behinderung gibt es zusätzlich die begleitete betriebliche Ausbildung (bbA), bei der ein Bildungsträger die Auszubildenden während der Ausbildung unterstützt, wenn eine reguläre betriebliche Ausbildung allein nicht infrage kommt.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.