Ausbildung bei der Stadt: Berufe jenseits der Verwaltung
Eine Ausbildung bei der Stadt verbinden viele mit dem Rathaus: Akten, Anträge, Sachbearbeitung. Doch Städte und ihre Betriebe bilden auch auf dem Bauhof, in der Kita, im Schwimmbad, im Theater oder bei den Stadtwerken aus. Wer sich bei einer Kommune bewirbt, hat sehr unterschiedliche Arbeitsplätze zur Auswahl.
Zur Stadt gehören neben der Stadtverwaltung auch Eigenbetriebe, Stadtwerke und kommunale Gesellschaften, die eigene Auszubildende einstellen. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Träger, und nicht jede Stelle führt in eine Beamtenlaufbahn.
Beispiele aus einzelnen Städten
Die Stadt Aachen listet auf ihrem Karriereportal viele Ausbildungsberufe. Das zeigt, wie vielfältig kommunale Arbeit sein kann. Im Bereich Bau und Straße bildet die Stadt unter anderem Straßenwärter, Tiefbaufacharbeiter mit Schwerpunkt Straßenbau und Vermessungstechniker aus. Für die Werkstatt gibt es bei Aachen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik oder Kfz-Mechatroniker für Nutzfahrzeugtechnik. Diese Berufe halten die Infrastruktur am Laufen, die im Alltag selten auffällt, aber ständig gebraucht wird.
Aachen bildet Gärtner in den Fachrichtungen Garten- und Landschaftsbau, Zierpflanzenbau und Friedhofsgärtnerei aus. Die Stadt Mengen in Baden-Württemberg ergänzt das Angebot um den Beruf des Forstwirts. Mengen bildet die Fachkraft für Abwassertechnik aus, einen Beruf für alle, die sich für Wasser und Versorgung interessieren. In Kassel bildet das Stadtnetz-Programm der gemeinnützigen StadtBild unter anderem Umwelttechnologen für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen aus. Partner sind zum Beispiel KASSELWASSER und die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH.
Besonders stark vertreten ist die Kinderbetreuung. Die Stadt Bietigheim-Bissingen meldete zum Ausbildungsstart am 1. September 2025 insgesamt 27 neue Auszubildende, davon 19 in Richtung Erzieher oder Kinderpfleger. Aachen listet Erzieher und Kinderpfleger in praxisintegrierter Form auf, dazu Notfallsanitäter. Die Ausbildung zur Fachangestellten für Bäderbetriebe in Mengen passt zu allen, die lieber mit Menschen in der Freizeit arbeiten.
Auch Kultur und Veranstaltungen gehören dazu. Am Theater Aachen werden Bühnenmaler, Maßschneider, Maskenbildner und Fachkräfte für Veranstaltungstechnik ausgebildet. Bietigheim-Bissingen nennt Auszubildende in Bibliothek und Archiv. Wer einen kaufmännischen Beruf sucht, muss nicht ins Rathaus. Kassel bildet Kaufleute für Büromanagement, Immobilienkaufleute, Fachkräfte für Lagerlogistik und Köche aus. Mengen bildet Industriekaufleute aus.
Diese Beispiele aus einzelnen Städten sind nur eine Auswahl, keine vollständige Übersicht. Welche Plätze gerade frei sind, ändert sich je nach Kommune und Ausbildungsjahr.
Unterschiedliche Ausbildungswege
Ausbildungen bei der Stadt folgen unterschiedlichen Mustern. Die Bundesagentur für Arbeit unterscheidet im öffentlichen Dienst zwischen betrieblichen Ausbildungen und Ausbildungen für Beamtenlaufbahnen. Dazu kommen praxisintegrierte Modelle und Praktika. Die Bezeichnung „duale Ausbildung“ passt also nicht auf alle Angebote.
Die praxisintegrierte Ausbildung, kurz PiA, ist bei Erziehern und Kinderpflegern verbreitet. Sie verbindet eine Anstellung in der Einrichtung mit dem Besuch der Fachschule, und die Auszubildenden erhalten von Anfang an eine Vergütung. Davon zu unterscheiden sind klassische Praktika wie das Anerkennungsjahr, das in sozialen Berufen oft Teil der Ausbildung ist. Wer eine Beamtenlaufbahn anstrebt, durchläuft dagegen einen Vorbereitungsdienst, der eigenen Regeln folgt.
Die Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich entsprechend. Für die in Aachen gelisteten Straßenwärter nennt die Stadt einen Hauptschulabschluss nach Klasse 10 Typ A und gegebenenfalls Praktikumsbescheinigungen. Für die PiA-Erzieher gibt es mehrere mögliche Zugangswege, darunter einen einschlägigen Praktikumsnachweis unter bestimmten Voraussetzungen. Diese Angaben gelten für die Aachener Angebote und sind keine bundesweit einheitlichen Regeln. Prüfen Sie die Anforderungen deshalb immer in der konkreten Ausschreibung.
So finden Sie passende Angebote
Wer nur nach „Stadtverwaltung“ sucht, übersieht einen großen Teil des Angebots. Suchen Sie stattdessen nach den Einrichtungen und Aufgaben, die Sie interessieren. Dazu gehören Bauhof, Stadtwerke, Wasser- oder Abwasserbetrieb, Kita, Schwimmbad, Theater, Bibliothek, Forst oder Grünflächenamt. Diese Organisationen veröffentlichen ihre Stellen oft unter eigenen Bezeichnungen und auf eigenen Karriereseiten.
Die Stadt Mengen etwa stellt ihre Ausbildungsangebote gemeinsam mit den Stadtwerken vor und bezeichnet sich als drittgrößte Arbeitgeberin am Ort. In Kassel richtet sich das Stadtnetz-Programm an Ausbildungsplatzsuchende mit Wohnsitz in Kassel. Solche Programme haben eigene Regeln und Fristen, die Sie direkt bei der jeweiligen Stelle erfragen sollten.
Ein guter Ausgangspunkt ist die Karriereseite Ihrer Stadt oder der umliegenden Kommunen. Viele Städte bündeln dort ihre Ausbildungsberufe und nennen die Bewerbungsfristen. Es lohnt sich auch, auf den Seiten der Stadtwerke und Eigenbetriebe zu schauen, die nicht immer auf demselben Portal zu finden sind.
So prüfen Sie eine Stelle
Die Berufsbezeichnung allein sagt wenig über den Arbeitsalltag aus. „Bei der Stadt“ kann Arbeit auf der Baustelle, in der Werkstatt, im Schwimmbad, in der Kita oder am Schreibtisch bedeuten. Fragen Sie vor der Bewerbung nach dem Ausbildungsplan, den Einsatzstellen, der Berufsschule und den Arbeitszeiten. Ein Praktikum ist der beste Weg, um herauszufinden, ob die Tätigkeit wirklich zu Ihnen passt.
Achten Sie außerdem auf den Arbeitgeber in der Ausschreibung. Stadtverwaltung, Stadtwerk, Eigenbetrieb und kommunale Gesellschaft sind nicht automatisch derselbe Arbeitgeber, und das hat Folgen für den Tarifvertrag, die Vergütung und die Übernahmechancen. Ein auf einer Karriereseite gelisteter Beruf bedeutet zudem nicht, dass gerade eine Stelle ausgeschrieben ist. Prüfen Sie deshalb die aktuellen Ausschreibungen und Fristen direkt bei der ausschreibenden Stelle.