Kommunale Ausbildung: Viel mehr als Stadtverwaltung
Eine Ausbildung bei der Stadt oder Gemeinde führt nicht automatisch in einen Büroberuf. Kommunen beschäftigen Menschen in der Verwaltung, IT, im Garten- und Forstbereich, in Bauhöfen, Verkehrsbetrieben, Kitas, Feuerwehren, Bibliotheken und vielen weiteren Einrichtungen. „Kommunale Ausbildung“ beschreibt deshalb vor allem den Ausbildungsort und den Arbeitgeber, nicht einen einzelnen Beruf.
Wer eine Ausbildung bei der Stadt sucht, sollte daher zuerst die eigenen Interessen klären: Liegt die Stärke im Bürgerkontakt, in Technik, Informatik, Natur, Gesundheit, Kultur oder praktischer Arbeit? Erst danach lohnt sich der Blick auf konkrete Ausbildungsangebote von Städten, Gemeinden, Landkreisen und kommunalen Betrieben.
Welche Ausbildungsberufe bieten Kommunen an?
Das Angebot unterscheidet sich je nach Größe und Aufgabenbereich der Kommune. Eine Großstadt unterhält häufig eigene IT-Dienste, Verkehrsbetriebe, Kliniken, Museen und Feuerwehren. Eine kleinere Gemeinde bietet möglicherweise weniger Berufe an, arbeitet aber mit kommunalen Zweckverbänden oder Eigenbetrieben zusammen.
Verwaltung und Recht
Der bekannteste Ausbildungsberuf ist die oder der Verwaltungsfachangestellte in der Fachrichtung Kommunalverwaltung. Die Ausbildung dauert drei Jahre und bereitet auf Tätigkeiten in Gemeinde-, Stadt- und Kreisverwaltungen vor.
Typische Aufgaben sind:
- Anträge prüfen und bearbeiten
- Bürgerinnen und Bürger beraten
- Verwaltungsentscheidungen vorbereiten
- Bescheide erstellen
- Sitzungen kommunaler Gremien organisieren
- Personalvorgänge sowie Haushalts- und Kassenvorgänge bearbeiten
- Daten, Akten und Vorgänge dokumentieren
- Rechtsvorschriften auf konkrete Fälle anwenden
Der Beruf verbindet Schriftverkehr, Rechtsfragen, Organisation und persönlichen Kontakt. Je nach Einsatzstelle arbeiten Auszubildende etwa im Sozialamt, Bürgeramt, Jugendamt, Bauamt, Schulamt, Kulturamt oder in der Finanzverwaltung.
IT und Digitalisierung
Kommunen benötigen Fachkräfte, die digitale Arbeitsplätze, Netzwerke und Verwaltungsverfahren betreuen. Typische Ausbildungsberufe sind:
- Fachinformatikerin oder Fachinformatiker für Systemintegration
- Fachinformatikerin oder Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung
- Berufe in der kommunalen Verwaltungsinformatik
Die Aufgaben reichen von der Einrichtung von Arbeitsplätzen über die Betreuung von Netzwerken bis zur Entwicklung und Pflege von Software. Auch Datenschutz, IT-Sicherheit und die Digitalisierung von Anträgen und Verwaltungsabläufen spielen eine Rolle.
Ein Beispiel bietet die kommunale IT der Stadt Köln. Dort werden zentrale technische Strukturen für mehr als 14.000 PC-Arbeitsplätze betreut. Eine Ausbildung in diesem Bereich führt damit in ein technisch anspruchsvolles Arbeitsfeld mit direktem Bezug zu öffentlichen Dienstleistungen.
Technik, Bau und Infrastruktur
Städte und Gemeinden bauen und unterhalten Straßen, Gebäude, Brücken, Spielplätze, Leitungsnetze und Verkehrsanlagen. Dafür brauchen sie technische und handwerkliche Fachkräfte, zum Beispiel:
- Vermessungstechnikerinnen und Vermessungstechniker
- Bauzeichnerinnen und Bauzeichner
- Fachkräfte für Straßen- und Verkehrstechnik
- Elektronikerinnen und Elektroniker
- Anlagenmechanikerinnen und Anlagenmechaniker
- Fachkräfte für Abwassertechnik
- Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik
- Fachkräfte für Lagerlogistik
- Land- und Baumaschinenmechatronikerinnen und -mechatroniker
- Kraftfahrzeugmechatronikerinnen und -mechatroniker für Nutzfahrzeuge
Wer Müllfahrzeuge, Schneepflüge, Kehrmaschinen oder Busse wartet, arbeitet beispielsweise in einem kommunalen Fuhrpark oder Verkehrsbetrieb. In Werkstätten kommen Diagnosegeräte, Hydraulik, Elektronik und mechanische Arbeiten zusammen.
Umwelt, Gartenbau und Forst
Kommunale Grünflächenämter, Bauhöfe und Forstbetriebe pflegen Parks, Straßenbäume, Friedhöfe, Wälder und andere öffentliche Flächen. Mögliche Ausbildungsberufe sind:
- Gärtnerin oder Gärtner
- Forstwirtin oder Forstwirt
- Vermessungstechnikerin oder Vermessungstechniker
- Fachkraft für Abwassertechnik
- Fachkraft für Umwelttechnik
Gärtnerinnen und Gärtner arbeiten beispielsweise in der Pflege von Grünanlagen, bei Pflanzungen oder bei der Gestaltung öffentlicher Flächen. Forstwirtinnen und Forstwirte arbeiten im Wald mit Maschinen und Werkzeugen und müssen dabei Sicherheits- und Naturschutzregeln beachten.
Der Beruf der Geomatik verbindet Vermessung, Karten und digitale Daten. Ein Teil der Arbeit findet im Außendienst statt, ein anderer am Computer. Satellitendaten, geografische Informationssysteme und digitale Pläne ersetzen viele frühere Arbeitsweisen.
Bildung, Soziales und Gesundheit
Kommunen betreiben oder organisieren Kindertagesstätten, Jugendhilfe, Schulen, Sozialdienste und Gesundheitsämter. Je nach Bundesland und Träger kommen unter anderem folgende Ausbildungswege infrage:
- praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher
- Pflegeausbildungen in kommunalen Einrichtungen
- medizinische Fachangestellte
- Hygienekontrolleurin oder Hygienekontrolleur
- Tätigkeiten in Jugendhilfe und Sozialverwaltung
Diese Ausbildungen folgen nicht immer dem gleichen Modell wie die klassische duale Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Besonders bei Erzieherberufen unterscheiden sich Zugang, Unterrichtsform und Vergütung je nach Bundesland und Träger. Die konkrete Ausschreibung ist deshalb entscheidend.
Feuerwehr und Rettungsdienst
Kommunale Feuerwehren bieten eigene Ausbildungswege an. Dazu gehören beispielsweise:
- Ausbildung zur Notfallsanitäterin oder zum Notfallsanitäter
- Ausbildung zur Brandmeisterin oder zum Brandmeister
- kombinierte oder gestufte Ausbildungsmodelle, die handwerkliche und feuerwehrtechnische Inhalte verbinden
Die Anforderungen sind höher als bei vielen Büroberufen. Je nach Ausschreibung gehören körperliche und gesundheitliche Eignung, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und psychische Belastbarkeit dazu. Einstellungstests, Sportprüfungen und medizinische Untersuchungen sind möglich.
Die Stadt Köln verbindet in einer Stufenausbildung zum Brandmeister handwerkliche Inhalte mit feuerwehr- und rettungsdienstlicher Qualifizierung. Das dort beschriebene Modell umfasst 19 Monate handwerkliche Ausbildung und anschließend 18 Monate feuerwehrtechnische Ausbildung.
Kultur, Medien und Veranstaltungen
Kommunen sind außerdem Träger von Bibliotheken, Archiven, Museen, Theatern und Veranstaltungsbetrieben. Je nach Einrichtung gibt es Ausbildungsplätze für:
- Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste
- Fotografen
- Buchbinder
- Medientechnologen
- Veranstaltungskaufleute
In einer Bibliothek geht es beispielsweise um die Beschaffung, Erschließung und Ausleihe von Medien sowie um die Beratung von Besucherinnen und Besuchern. Veranstaltungskaufleute organisieren Abläufe, kalkulieren Kosten und betreuen Veranstaltungen.
Wie sieht der Ausbildungsalltag aus?
Der Alltag hängt stark vom Beruf und vom Einsatzort ab. Eine Verwaltungsausbildung findet überwiegend in Büros und öffentlichen Einrichtungen statt. Technische Berufe führen dagegen in Werkstätten, auf Baustellen, in Grünanlagen oder in den Außendienst.
Beispiel: Verwaltungsfachangestellte
Ein Arbeitstag in der Kommunalverwaltung kann mehrere dieser Aufgaben verbinden:
- Eingehende Anträge und E-Mails prüfen
- Fehlende Unterlagen nachfordern
- Zuständigkeiten und Rechtsgrundlagen klären
- Bürgerinnen und Bürger beraten: persönlich, telefonisch oder digital
- Vorgänge im Fachverfahren dokumentieren
- Entscheidungen vorbereiten oder Bescheide erstellen
- Rückfragen mit anderen Ämtern klären
- Akten, Statistiken oder Haushaltsdaten pflegen
Auszubildende wechseln häufig zwischen verschiedenen Ämtern. In Münster gehören beispielsweise Praxisabschnitte in unterschiedlichen Verwaltungsbereichen, Bürgerkontakt und Unterricht am Berufskolleg sowie am Studieninstitut zum Ausbildungsmodell. Dadurch lernen die Auszubildenden mehrere kommunale Aufgaben kennen.
Beispiel: Technische oder handwerkliche Ausbildung
In einem Bauhof, Fuhrpark oder Grünflächenamt stehen praktische Arbeiten im Mittelpunkt. Der Tag kann folgende Tätigkeiten enthalten:
- Maschinen und Anlagen warten
- technische Arbeitsschritte dokumentieren
- Messungen oder Vermessungen durchführen
- Grünflächen pflegen
- Fahrzeuge reparieren
- Baustellen vorbereiten
- Sicherheits- und Umweltschutzvorgaben einhalten
- Ergebnisse mit Fachämtern oder externen Betrieben abstimmen
Je nach Beruf kommen körperliche Arbeit, Außendienst, Werkstattarbeit und Computerarbeit zusammen.
Schichtdienst und besondere Arbeitszeiten
Verwaltungsausbildungen finden häufig zu regelmäßigen Arbeitszeiten statt. Feuerwehr, Rettungsdienst, Verkehrsbetriebe, Kliniken und bestimmte kommunale Einrichtungen arbeiten dagegen mit Schichten, Bereitschaften oder Wochenenddiensten. Bewerberinnen und Bewerber sollten die Arbeitszeitregelung in der Ausschreibung prüfen und im Vorstellungsgespräch nachfragen.
Welche Lernformen gibt es?
Kommunale Ausbildungen nutzen mehrere Lernorte. Die genaue Kombination hängt vom Beruf ab.
Klassische duale Ausbildung
Bei der dualen Ausbildung wechseln sich praktische Arbeit im Betrieb und theoretischer Unterricht ab. Dieses Modell gibt es beispielsweise bei:
- Verwaltungsfachangestellten
- Fachinformatik
- Gärtnerei
- Forstwirtschaft
- Vermessungstechnik
- technischen Berufen sowie Berufen im Handwerk
Der Unterricht findet an einer Berufsschule, an einem Studieninstitut oder an einer vergleichbaren Bildungseinrichtung statt.
Praxisintegrierte Ausbildung
Bei einer praxisintegrierten Ausbildung sind Theorie und praktische Einsätze enger miteinander verbunden. Dieses Modell kommt zum Beispiel bei bestimmten Erzieherausbildungen vor. Zugangsvoraussetzungen, Dauer und Vergütung richten sich nach dem Bundesland und dem jeweiligen Träger.
Beamtenausbildung
Einige Kommunen bilden für bestimmte Laufbahnen im Beamtenverhältnis aus. Anwärterinnen und Anwärter erhalten dann Anwärterbezüge nach den geltenden besoldungsrechtlichen Vorschriften. Diese Ausbildung folgt anderen Regeln als ein tarifliches Ausbildungsverhältnis. Voraussetzungen können unter anderem Staatsangehörigkeit, Schulabschluss, Alter oder gesundheitliche Eignung betreffen.
Duales Studium
Ein duales Studium verbindet Hochschulphasen mit Praxisabschnitten bei der Kommune. Mögliche Studienrichtungen sind:
- öffentliche Verwaltung
- Verwaltungsinformatik
- öffentliche Wirtschaft
- Soziale Arbeit
- Bauwesen
Für den Zugang wird meistens die Fachhochschulreife oder die Hochschulreife verlangt. Die Ausschreibung legt fest, welcher Abschluss und welche weiteren Voraussetzungen gelten.
Welche Anforderungen gelten?
Es gibt keine einheitlichen Voraussetzungen für alle kommunalen Ausbildungsberufe. Der konkrete Beruf und die Ausschreibung bestimmen, worauf es ankommt.
Anforderungen in der Verwaltung
Für die Ausbildung zur oder zum Verwaltungsfachangestellten in der Fachrichtung Kommunalverwaltung ist rechtlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis hatten Ausbildungsanfängerinnen und -anfänger im Jahr 2023 laut Bundesagentur für Arbeit überwiegend die Hochschulreife oder einen mittleren Bildungsabschluss. Die Verteilung sagt etwas über die damalige Ausbildungspraxis aus, ersetzt aber kein Zugangskriterium der einzelnen Kommune.
Wichtig sind vor allem:
- sichere Deutschkenntnisse
- sorgfältiges Arbeiten
- Verschwiegenheit
- Interesse an Recht, Politik und gesellschaftlichen Fragen
- verständliche Kommunikation
- Kundenorientierung
- Grundkenntnisse in Mathematik und Wirtschaft
- Bereitschaft, Gesetze und Verwaltungsregeln zu lernen
Ein Abitur ist daher nicht zwingend erforderlich. Entscheidend bleibt, welche Anforderungen die konkrete Kommune nennt und wie das Auswahlverfahren aufgebaut ist.
Anforderungen in Technik, Feuerwehr und Sozialwesen
Technische Berufe verlangen häufig mathematisches und naturwissenschaftliches Verständnis. Hinzu kommen je nach Tätigkeit handwerkliches Geschick, räumliches Denken und der sichere Umgang mit Werkzeugen oder Maschinen.
Bei Feuerwehr und Rettungsdienst können zusätzlich gelten:
- die körperliche und gesundheitliche Eignung
- Mindestalter
- Führerschein
- Sporttest
- medizinische Untersuchung
- psychische Belastbarkeit
- erweitertes Führungszeugnis
Soziale und pädagogische Ausbildungen können Praktika, bestimmte Schulabschlüsse oder weitere Nachweise voraussetzen. Wer die Bedingungen nicht sofort erfüllt, sollte bei der Berufsberatung oder beim Ausbildungsbetrieb nach alternativen Zugangswegen fragen.
Ausbildungsvergütung und Beschäftigungsbedingungen
Viele kommunale Ausbildungsverhältnisse richten sich nach dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes, kurz TVAöD. Die Regelungen unterscheiden sich jedoch nach Ausbildungsbereich und Status. Für Beamtenanwärterinnen und -anwärter gelten Anwärterbezüge, für einzelne Pflege-, Feuerwehr- oder landesrechtliche Ausbildungen können andere Vorschriften gelten.
Für Verwaltungsfachangestellte nennt die Bundesagentur für Arbeit beispielhafte monatliche Bruttobeträge von:
- Im ersten Ausbildungsjahr: 1.368 Euro
- 1.418 Euro im zweiten Ausbildungsjahr
- 1.464 Euro im dritten Ausbildungsjahr
Die Stadt Münster weist für den Stand 1. Mai 2026 Beträge von 1.368,26 Euro, 1.418,20 Euro und 1.464,02 Euro aus. Diese Zahlen gelten nicht automatisch für jede Kommune und jede Ausbildung. Maßgeblich sind der Vertrag, der geltende Tarifbereich und die konkrete Ausschreibung.
Tarifliche Regelungen können außerdem Arbeitszeit, Urlaub und weitere Leistungen bestimmen. Eine unbefristete Übernahme ist dagegen keine allgemeine Zusage. Ob und unter welchen Bedingungen eine Weiterbeschäftigung möglich ist, hängt vom Personalbedarf, den Leistungen während der Ausbildung und den Regeln der jeweiligen Kommune ab.
Bewerbung bei der Stadt: Ablauf und Unterlagen
Die Bewerbung läuft bei vielen Kommunen über ein Online-Portal. Üblicherweise werden folgende Unterlagen verlangt:
- Anschreiben
- tabellarischer Lebenslauf
- Schulzeugnisse
- Praktikumsbescheinigungen
- weitere Nachweise, falls sie in der Ausschreibung genannt sind
Ein Bewerbungsfoto ist nicht verpflichtend. Zeugnisse und Nachweise sollten gut lesbar als PDF vorliegen, sofern das Portal dieses Format verlangt.
So wird die Bewerbung überzeugender
Das Anschreiben sollte drei Fragen beantworten:
- Warum interessiert dich gerade dieser Ausbildungsberuf?
- Welche Erfahrungen oder Schulfächer passen dazu?
- Warum möchtest du bei dieser Kommune arbeiten?
Für eine Verwaltungsausbildung eignen sich beispielsweise Erfahrungen im Kundenkontakt, sorgfältige Arbeit mit Unterlagen oder Interesse an Politik und Recht. Für einen technischen Beruf passen Praktika in einer Werkstatt, technisches Basteln oder gute Leistungen in Mathematik und Physik. Bewerberinnen und Bewerber für Feuerwehrberufe sollten konkrete sportliche, handwerkliche oder ehrenamtliche Erfahrungen nennen, sofern sie vorhanden sind.
Ein allgemeines Anschreiben für viele Kommunen wirkt meist weniger überzeugend als ein Text, der den konkreten Beruf und die Ausschreibung aufgreift.
Auswahlverfahren
Nach der Bewerbung können mehrere Schritte folgen:
- Online- oder Präsenztest
- Aufgaben in Deutsch und Mathematik
- Logik- und Konzentrationstests
- Fragen zu Allgemeinwissen oder Politik
- Vorstellungsgespräch
- Assessment-Center
- Sporttest
- medizinische Untersuchung
Verwaltungsberufe und Feuerwehrberufe haben daher nicht denselben Auswahlprozess. Die Einladung und die Ausschreibung geben Auskunft darüber, welche Prüfungen vorgesehen sind.
Welche Bewerbungsfristen gelten?
Eine bundesweit einheitliche Frist gibt es nicht. Städte, Gemeinden, Landkreise, Eigenbetriebe und einzelne Ausbildungsberufe legen ihre Termine selbst fest. Manche Ausschreibungen schließen früh, andere bleiben offen, bis genügend Bewerbungen eingegangen sind.
Bei Ausbildungsbeginn 2027 nennt die Stadt Aachen für Verwaltungsfachangestellte beispielsweise den 29. November 2026 als Bewerbungsschluss. Für die Stufenausbildung zum Brandmeister bei der Stadt Köln gilt für das Einstellungsjahr 2027 der 30. November 2026. Diese Termine sind Beispiele und keine allgemeine Regel.
Wer im Sommer des folgenden oder übernächsten Jahres beginnen möchte, sollte bereits im vorletzten Schuljahr die Karriereportale der gewünschten Kommunen prüfen. Entscheidend bleibt immer das Datum in der konkreten Ausschreibung.
Drei Praxisbeispiele
Verwaltung in Münster
Die Ausbildung in Münster verbindet mehrere Praxisabschnitte in Ämtern mit Blockunterricht am Berufskolleg und zusätzlichem Unterricht am Studieninstitut. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Verwaltungsrecht, Sozialrecht, Arbeits- und Tarifrecht, Organisation sowie kommunales Finanzmanagement.
Das Beispiel zeigt, dass Verwaltungsarbeit aus Beratung, Rechtsanwendung, Organisation und Finanzthemen besteht. Akten und digitale Vorgänge gehören dazu, bilden aber nur einen Teil des Berufsbildes.
Kommunale IT in Köln
In Köln arbeiten Auszubildende in der kommunalen IT an der technischen Infrastruktur der Stadt. Die Betreuung von mehr als 14.000 PC-Arbeitsplätzen verdeutlicht die Größenordnung eines zentralen IT-Dienstleisters. Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker unterstützen damit Verwaltungsabläufe, Schulen und weitere kommunale Einrichtungen.
Feuerwehr in Köln
Die Kölner Stufenausbildung zum Brandmeister kombiniert eine 19-monatige handwerkliche Ausbildung mit einer 18-monatigen feuerwehr- und rettungsdienstlichen Qualifizierung. Der Ausbildungsweg richtet sich somit an Menschen, die praktische Arbeit, Technik, Einsatzbereitschaft und Verantwortung miteinander verbinden möchten.
Welche Vorteile und Herausforderungen gibt es?
Eine kommunale Ausbildung bietet mehrere mögliche Perspektiven:
- Arbeit an öffentlichen Aufgaben mit direktem Nutzen für die Bevölkerung
- Einblicke in verschiedene Fachbereiche
- strukturierte Ausbildungsabläufe
- tarifliche Regelungen bei vielen Arbeitgebern
- Möglichkeiten zur Weiterbildung und zum Aufstieg
- Wechselmöglichkeiten zwischen Ämtern und kommunalen Betrieben
- Anschlussmöglichkeiten in anderen öffentlichen oder privaten Betrieben, besonders bei anerkannten dualen Berufen
Gleichzeitig sollten Bewerberinnen und Bewerber die Belastungen realistisch einschätzen. In der Verwaltung gehören rechtliche Vorgaben, Dokumentation und schwierige Gespräche zum Alltag. Technische Berufe verlangen häufig körperlichen Einsatz und Arbeit im Freien. Feuerwehr und Rettungsdienst können Schichtarbeit und psychisch belastende Einsätze mit sich bringen. Ausstattung, Arbeitsorganisation und Entwicklungsmöglichkeiten unterscheiden sich von Kommune zu Kommune.
Weiterbildung nach der Ausbildung
Nach einer Ausbildung bestehen je nach Beruf verschiedene Weiterbildungswege. Verwaltungsfachangestellte können sich beispielsweise berufsbegleitend weiterqualifizieren und später Aufgaben mit größerer rechtlicher oder organisatorischer Verantwortung übernehmen. Der Verwaltungsfachwirt ist ein möglicher Weg, etwa für Tätigkeiten in Jobcentern, im Sozialrecht oder im Asylrecht.
In technischen Berufen kommen Meister-, Techniker- oder Fachwirtweiterbildungen infrage. Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker können sich unter anderem auf Netzwerke, IT-Sicherheit, Anwendungsentwicklung oder Projektarbeit spezialisieren. Ein späteres Studium ist ebenfalls möglich, wenn die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen erfüllt sind.
Checkliste für den Einstieg
Wer eine kommunale Ausbildung anstrebt, kann so vorgehen:
- Interessen festhalten: Büro, IT, Technik, Natur, Menschen, Gesundheit, Sicherheit oder Kultur?
- Mehrere konkrete Ausbildungsberufe vergleichen.
- Die Websites von Städten, Gemeinden und Landkreisen prüfen.
- Auch kommunale Eigenbetriebe, Verkehrsbetriebe, Kliniken und Zweckverbände berücksichtigen.
- Zugangsvoraussetzungen und Arbeitszeiten der Ausschreibung lesen.
- Nach Möglichkeit ein Praktikum im passenden Bereich absolvieren.
- Lebenslauf, Zeugnisse und Nachweise vorbereiten.
- Das Anschreiben auf den konkreten Beruf zuschneiden.
- Bewerbungsfrist und gefordertes Online-Portal kontrollieren.
- Für Einstellungstest, Gespräch oder Sportprüfung üben.
- Im Gespräch nach Praxisstationen, der Berufsschule, der Vergütung und den Übernahmebedingungen fragen.
- Mehrere passende Bewerbungen versenden und jede individuell anpassen.
Eine Ausbildung bei der Stadt ist damit eine Berufswahl nach Aufgaben, nicht nur nach Behördennamen. Wer Verwaltung ebenso prüft wie IT, Technik, Umwelt, Bildung, Feuerwehr und Kultur, findet deutlich mehr Möglichkeiten als den klassischen Arbeitsplatz im Rathaus.