Ausbildung am Wohnort oder in einer neuen Stadt?
Ob Sie die Ausbildung am Wohnort oder in einer neuen Stadt machen, hängt von Kosten, Alltag, Selbstständigkeit und beruflichen Chancen ab. Ein Ausbildungsplatz in der Nähe spart Miete und Fahrtkosten. Ein Platz in einer neuen Stadt erweitert die Auswahl an Betrieben und bringt Sie früher in ein eigenständiges Leben. Für den Umzug gibt es staatliche Unterstützung, die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB).
Was der Wohnort bietet
Wer zu Hause wohnt, spart die größten Posten des Ausbildungsalltags: Miete, Nebenkosten und Lebensmittel. Das Ausbildungsgehalt reicht dann meist für Fahrtkosten, Kleidung und Freizeit. Sie müssen sich nicht um Haushalt, Einkauf oder Wäsche kümmern. Auch das soziale Umfeld bleibt erhalten. Freunde und Familie sind in der Nähe, und bei Krankheit oder Stress gibt es Rückhalt.
Dafür ist die Auswahl begrenzt. In kleineren Orten gibt es oft nur wenige Betriebe, die ausbilden, und nicht immer im gewünschten Beruf. Wenn der passende Betrieb weiter weg liegt, pendeln Sie täglich lange Strecken. Das kostet Zeit und Geld. Wer zu Hause bleibt, übt außerdem weniger, den eigenen Alltag zu organisieren. Er bleibt länger in der Rolle des Kindes im Haushalt.
Was die neue Stadt bietet
Ein Ausbildungsplatz in einer anderen Stadt öffnet den Zugang zu mehr Betrieben, spezialisierten Unternehmen und Berufen, die es am Wohnort nicht gibt. Gerade in größeren Städten finden Sie eine breitere Auswahl an Arbeitgebern. Nach der Ausbildung haben Sie dort oft bessere Anschlussmöglichkeiten, etwa eine Übernahme oder einen Jobwechsel ohne erneuten Umzug.
Dafür übernehmen Sie mit dem Umzug Verantwortung für Ihre eigene Wohnung. Miete, Strom, Lebensmittel und Haushaltsgegenstände müssen Sie selbst bezahlen und organisieren. Das Ausbildungsgehalt reicht dafür in vielen Städten nicht allein. Sie brauchen entweder Ersparnisse, Unterstützung der Eltern oder staatliche Hilfe. Auch der Start in einer fremden Stadt ist anstrengend: Sie müssen eine Wohnung finden, sich in der neuen Umgebung zurechtfinden und neue Kontakte knüpfen.
Die Kosten realistisch rechnen
Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie beide Varianten mit konkreten Zahlen durchrechnen. Für den Wohnort zählen Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte, gegebenenfalls ein eigenes Auto oder ein Monatsticket. Für die neue Stadt zählen Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Möbel, Umzugskosten und die Fahrt nach Hause zu Besuchen. Rechnen Sie auch ein, dass Sie in der neuen Stadt für Dinge zahlen, die zu Hause die Eltern übernehmen, etwa Waschmittel, Putzmittel oder kleinere Anschaffungen.
Ein realistischer Vergleich nimmt die Gefühle aus der Entscheidung. Notieren Sie für beide Optionen die monatlichen Ausgaben und stellen Sie sie dem Ausbildungsgehalt gegenüber. Wenn die neue Stadt deutlich teurer ist, prüfen Sie, ob staatliche Hilfen die Lücke schließen. Wenn der Wohnort nur geringe Kosten verursacht, aber der Wunschberuf fehlt, wiegen Sie die fehlende berufliche Perspektive gegen die Ersparnis ab.
Berufsausbildungsbeihilfe nutzen
Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) ist eine finanzielle Unterstützung der Agentur für Arbeit für Auszubildende, die für ihre Ausbildung nicht bei den Eltern wohnen können. Sie hilft bei den Kosten für Unterkunft und Lebenshaltung. Anspruch haben Auszubildende in einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Ausbildung. Auch wer an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) teilnimmt, hat Anspruch. Eine BvB bereitet auf eine Ausbildung vor. Für eine schulische Ausbildung, etwa an einer Berufsfachschule, gibt es keine BAB. Dort kommt BAföG in Betracht, die staatliche Förderung für schulische Ausbildungen und Studiengänge.
Eine wichtige Voraussetzung: Sie dürfen nicht mehr bei Ihren Eltern wohnen, und die Ausbildungsstätte muss vom Elternhaus aus nicht in zumutbarer Zeit erreichbar sein. Als Faustregel gilt: Die Hin- und Rückfahrt muss zusammen mehr als zwei Stunden dauern, damit ein Anspruch besteht. Wenn der Betrieb also in der Nähe liegt, bekommen Sie keine BAB, auch wenn Sie aus anderen Gründen ausziehen möchten.
Stellen Sie den Antrag früh, denn BAB wird frühestens ab dem Monat des Antrags gezahlt. Wer zu spät beantragt, verliert Geld für die Monate davor. Reichen Sie alle nötigen Unterlagen vollständig ein, damit die Bearbeitung schnell geht. Den Antrag können Sie online über das Portal Meine eServices der Bundesagentur für Arbeit stellen.
Selbstständig werden
Der Umzug in eine eigene Wohnung zwingt Sie, den Alltag selbst zu organisieren. Sie kochen, putzen, waschen, kaufen ein und verwalten Ihr Geld. Das ist anfangs anstrengend und manchmal teuer, weil Erfahrung fehlt. Aber es ist eine Fähigkeit, die Sie ein Leben lang nutzen. Wer zu Hause bleibt, hat diese Übung nicht und muss sie später nachholen, wenn der Auszug ohnehin kommt.
Selbstständig zu werden hat auch eine soziale Seite. In der neuen Stadt müssen Sie aktiv Kontakte knüpfen, etwa über die Berufsschule, den Betrieb oder Freizeitangebote. Das fällt manchen leicht, anderen schwer. Wer zu Hause wohnt, behält das bestehende Netzwerk, verpasst aber die Erfahrung, sich in einer fremden Umgebung allein zurechtzufinden. Beide Wege sind in Ordnung. Entscheidend ist, was Sie sich zutrauen und was Sie lernen möchten.
Chancen nach der Ausbildung
Der Ausbildungsort beeinflusst auch die Zeit nach der Prüfung. Ein Betrieb in einer größeren Stadt bietet oft bessere Übernahmechancen. Sie haben dort auch mehr Möglichkeiten, sich nach der Ausbildung weiterzuentwickeln oder den Arbeitgeber zu wechseln, ohne umziehen zu müssen. Wer am Wohnort ausbildet, hat diesen Vorteil nicht, kann aber auf ein bestehendes Netzwerk und geringere Lebenshaltungskosten bauen.
Entscheidend ist am Ende der Beruf selbst. Wenn der Wunschberuf nur in der Ferne ausgebildet wird, überwiegt der berufliche Vorteil meist die Kosten und Mühen des Umzugs. Wenn beide Optionen denselben Beruf anbieten, entscheiden Kosten, Alltag und persönliche Vorlieben. Prüfen Sie vor der Zusage, ob der entfernte Betrieb eine Übernahme in Aussicht stellt und wie die Berufsschule erreichbar ist. Auch der Schulweg gehört zum Alltag.