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Für ehrgeizige Azubis: Die Ausbildung zum Handelsfachwirt

Wer nach dem Abitur oder der Fachhochschulreife schnell praktische Erfahrung sammeln und später Führungsverantwortung im Handel übernehmen möchte, findet in einem Abiturientenprogramm einen passenden Einstieg. Der Weg verbindet eine kaufmännische Ausbildung mit der Weiterbildung zum Geprüften Handelsfachwirt oder zur Geprüften Handelsfachwirtin.

Die Bezeichnung „Ausbildung zum Handelsfachwirt“ ist im Alltag verbreitet, rechtlich aber ungenau. Der Handelsfachwirt ist kein eigenständiger dualer Ausbildungsberuf. Es handelt sich um einen Fortbildungsabschluss, den die Industrie- und Handelskammer, kurz IHK, nach einer Berufsausbildung und entsprechender Berufspraxis prüft. Abiturientenprogramme bündeln diese Schritte in einem verkürzten und besonders intensiven Ausbildungsweg.

Was macht ein Handelsfachwirt?

Handelsfachwirte planen und steuern Abläufe in Einzelhandelsunternehmen, im Groß- und Außenhandel oder in Handelsabteilungen anderer Unternehmen. Ihr Arbeitsalltag reicht vom Verkaufsraum bis zur Unternehmenszentrale.

Je nach Position übernehmen sie beispielsweise folgende Aufgaben:

  • Verkaufszahlen und Kosten auswerten
  • Sortimente planen und Waren beschaffen
  • Lieferanten auswählen und Konditionen verhandeln
  • Bestellungen und Lagerbestände steuern
  • Verkaufsaktionen und Marketingmaßnahmen planen
  • Verkaufsflächen organisieren
  • Mitarbeitende einteilen und anleiten
  • Personal- und Dienstpläne erstellen
  • Umsatz, Ertrag und andere Kennzahlen kontrollieren
  • betriebliche Entscheidungen vorbereiten
  • Auszubildende begleiten und anleiten
  • Qualitätsmanagement und nachhaltige Handelsprozesse berücksichtigen

Ein Beispiel aus dem Lebensmittelhandel zeigt die Verbindung zwischen Praxis und Betriebswirtschaft: Für eine saisonale Verkaufsaktion wertet ein Handelsfachwirt frühere Verkaufszahlen aus, schätzt die Nachfrage ein, plant die Bestellmenge, gestaltet die Verkaufsfläche und teilt Mitarbeitende ein. Nach der Aktion prüft er, ob Umsatz und Ertrag den Erwartungen entsprechen.

Der Beruf besteht deshalb nicht ausschließlich aus Verkaufsgesprächen. Handelsfachwirte arbeiten mit Kundschaft, Lieferanten, Mitarbeitenden und internen Abteilungen. Je nach Einsatzort gehören Verkaufsflächen, Lager, Büros, Besprechungsräume und teilweise mobile Arbeitsplätze zu ihrem Arbeitsumfeld.

Ausbildung oder Weiterbildung: Die richtige Einordnung

Für Schulabgänger gibt es drei typische Wege in den Beruf:

  1. Duale Ausbildung im Handel: Zum Beispiel die Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau im Einzelhandel. Danach folgen Berufspraxis und eine spätere Weiterbildung zum Handelsfachwirt.
  2. Abiturientenprogramm: Eine verkürzte kaufmännische Ausbildung wird mit der Handelsfachwirt-Weiterbildung verbunden.
  3. Späterer Aufstieg: Nach einer Ausbildung und mehreren Jahren Berufserfahrung erfolgt die Fortbildung zum Handelsfachwirt berufsbegleitend oder in Vollzeit.

Abiturientenprogramme richten sich häufig an Bewerberinnen und Bewerber mit Abitur oder Fachhochschulreife. Das ist eine Anforderung des jeweiligen Unternehmens und keine allgemeine Voraussetzung für jede spätere Handelsfachwirtprüfung. Für die IHK-Zulassung zählen vor allem die passende Berufsausbildung und die einschlägige Berufspraxis.

Die Programme unterscheiden sich je nach Arbeitgeber. Manche Unternehmen organisieren den theoretischen Unterricht über interne Seminare, andere arbeiten mit Berufsschulen oder externen Bildungsträgern zusammen. Auch die Ausbildungsdauer, Prüfungsplanung, Kostenübernahme und Übernahmebedingungen stehen in der jeweiligen Ausschreibung.

Für wen eignet sich das Abiturientenprogramm?

Der Weg passt zu Menschen, die sich für Handel, Betriebswirtschaft und den Umgang mit anderen Menschen interessieren. Gute Schulnoten helfen, entscheiden aber nicht allein über die Eignung.

Wichtig sind vor allem:

  • Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen
  • Freude am Kundenkontakt und an der Beratung
  • verständliche Kommunikation
  • Organisationstalent
  • Verantwortungsbereitschaft
  • sicherer Umgang mit Zahlen
  • Lernbereitschaft
  • Belastbarkeit bei zusätzlichem Unterricht
  • Bereitschaft zu wechselnden Arbeitszeiten
  • Flexibilität beim Einsatzort

Deutsch hilft bei Beratung, Präsentationen und schriftlichen Aufgaben. Mathematik wird für Preise, Rabatte, Bestände, Umsatz und Ertrag gebraucht. Englisch kann im Kontakt mit internationalen Lieferanten oder bei Unternehmensunterlagen eine Rolle spielen. Besonders wichtig bleibt jedoch das Interesse an kaufmännischen Abläufen.

Das Programm verlangt häufig mehr als eine klassische Ausbildung, weil praktische Arbeit, zusätzlicher Unterricht und Prüfungsvorbereitung zusammenkommen. Wer sich ausschließlich für theoretisches Lernen interessiert, findet in einem Studium möglicherweise die passendere Lernform. Wer dagegen früh Verantwortung übernehmen und betriebliche Abläufe direkt erleben möchte, profitiert vom hohen Praxisanteil.

Handelsfachwirt oder Studium?

Der Geprüfte Handelsfachwirt ist im Deutschen Qualifikationsrahmen, kurz DQR, dem Niveau 6 zugeordnet. Auch Bachelorabschlüsse liegen auf diesem Niveau. Die Einstufung beschreibt das Anforderungsniveau der Qualifikation. Sie macht den Handelsfachwirt nicht zu einem Hochschulabschluss und ersetzt keinen Bachelorabschluss.

Das Abiturientenprogramm bietet Vorteile für Personen, die:

  • direkt im Betrieb lernen möchten
  • eine Ausbildungsvergütung erhalten wollen
  • Kundenkontakt und Führungsaufgaben suchen
  • früh Verantwortung übernehmen möchten
  • einen strukturierten Weg in den Handel bevorzugen
  • eine anspruchsvolle kaufmännische Qualifikation ohne Studium anstreben

Ein Studium kann besser passen, wenn wissenschaftliches Arbeiten, Theorie, Forschung oder ein Wechsel in stark spezialisierte Unternehmensbereiche im Vordergrund stehen. Auch für Tätigkeiten außerhalb des Handels eröffnet ein Studium häufig andere Zugangsmöglichkeiten.

Die Entscheidung hängt deshalb weniger vom vermeintlichen Rang eines Abschlusses ab. Ausschlaggebend sind Lernform, berufliches Ziel, gewünschter Praxisanteil und Interesse an der Handelsbranche.

Wie läuft ein Abiturientenprogramm ab?

Ein typisches Programm verbindet mehrere Bausteine:

  1. verkürzte Ausbildung, häufig zum Kaufmann oder zur Kauffrau im Einzelhandel
  2. praktische Einsätze in Filiale, Markt, Lager oder weiteren Unternehmensbereichen
  3. interne Seminare, Berufsschulunterricht oder externe Lehrgänge
  4. Prüfung im Ausbildungsberuf
  5. integrierte oder anschließende Weiterbildung zum Handelsfachwirt
  6. schriftliche und mündliche IHK-Prüfung
  7. je nach Programm: zusätzliche Vorbereitung auf Führungs- oder Ausbilderaufgaben

Die Reihenfolge und Dauer legt der jeweilige Anbieter fest. Einige Programme führen innerhalb von etwa drei Jahren zu zwei Abschlüssen. Andere Modelle trennen Ausbildung und Weiterbildung stärker.

Vor der Bewerbung sollten Interessierte deshalb klären:

  • Welche Ausbildung wird abgeschlossen?
  • Wird die Ausbildung verkürzt?
  • Wann beginnt die Handelsfachwirt-Weiterbildung?
  • In welcher Unterrichtsform findet der Unterricht statt?
  • Wie viele Seminartage und Lernstunden sind vorgesehen?
  • Wann finden die Prüfungen statt?
  • Welche IHK nimmt die Prüfung ab?
  • Welche Kosten übernimmt der Arbeitgeber?
  • Gibt es eine Rückzahlungsvereinbarung?
  • Welche Bedingungen gelten für eine Übernahme?
  • Sind Filial- oder Standortwechsel vorgesehen?

Der Arbeitgeber organisiert das Programm, die IHK entscheidet über die Zulassung zur Fortbildungsprüfung. Beide Ebenen gehören zusammen, dürfen aber nicht verwechselt werden.

So sieht der Ausbildungsalltag aus

Der Ausbildungsalltag verbindet Kundenkontakt, Warenwirtschaft und betriebswirtschaftliche Aufgaben. Je nach Ausbildungsphase wechseln die Tätigkeiten.

An einem Praxistag können folgende Aufgaben anfallen:

  • Warenlieferungen annehmen und kontrollieren
  • Bestände prüfen
  • Waren verräumen und Verkaufsflächen gestalten
  • Kundinnen und Kunden beraten
  • Reklamationen bearbeiten
  • Preise und Auszeichnungen kontrollieren
  • Bestellungen vorbereiten
  • Verkaufszahlen auswerten
  • Mitarbeitende bei der Aufgabenverteilung unterstützen
  • an einer Besprechung oder einem Seminar teilnehmen

Mit zunehmender Erfahrung wächst die Verantwortung. Ein Auszubildender übernimmt zunächst einzelne Aufgaben unter Anleitung. Später kann er beispielsweise einen Warenbereich organisieren, eine Verkaufsaktion vorbereiten oder bei der Personaleinsatzplanung mitwirken.

Die Arbeit im Handel bringt häufig wechselnde Arbeitszeiten mit sich. Früh- und Spätschichten, Samstagsarbeit oder Einsätze an unterschiedlichen Standorten gehören je nach Unternehmen zum Alltag. Diese Bedingungen sollten Bewerberinnen und Bewerber vor Vertragsabschluss prüfen.

Lernform und Zeitaufwand

Die Lernorganisation ist nicht bundesweit einheitlich. Möglich sind:

  • Präsenzunterricht
  • interne Unternehmensseminare
  • Blockunterricht
  • berufsbegleitende Lehrgänge
  • digitale Lernphasen
  • Mischformen mit Präsenz- und Online-Unterricht

Die Handelsfachwirt-Weiterbildung dauert je nach Anbieter und Lernmodell etwa drei bis 18 Monate. Gemeint ist damit die Weiterbildung, nicht automatisch der gesamte Weg vom Ausbildungsbeginn bis zum Abschluss. Ein Abiturientenprogramm umfasst zusätzlich die kaufmännische Ausbildung und dauert bei vielen Anbietern ungefähr drei Jahre.

Die verkürzte Gesamtdauer erhöht das Lerntempo. Während der Betrieb praktische Erfahrung vermittelt, behandeln Lehrgänge und Seminare unter anderem:

  • Unternehmensführung und Unternehmenssteuerung
  • Personalmanagement und Kommunikation
  • Handelsmarketing
  • Beschaffung und Logistik
  • Vertriebssteuerung
  • Einkauf
  • Außenhandel
  • Controlling
  • Finanzierung
  • Qualitätsmanagement
  • rechtliche Grundlagen
  • Nachhaltigkeit im Handel

Die Lernbelastung endet nicht mit dem Arbeitstag. Prüfungsvorbereitung am Abend oder am Wochenende kann dazugehören. Wer sich für das Programm interessiert, sollte daher nach einem konkreten Wochenplan fragen und realistisch einschätzen, wie viel Zeit für Wiederholung und Aufgaben bleibt.

Inhalte und Aufbau der IHK-Prüfung

Die Handelsfachwirtprüfung besteht aus zwei schriftlichen Teilprüfungen und einer mündlichen Prüfung.

Erste schriftliche Teilprüfung

Im ersten Prüfungsteil stehen folgende Bereiche im Mittelpunkt:

  • Unternehmensführung und -steuerung
  • Führung, Personalmanagement, Kommunikation und Kooperation

Die vorgesehene Prüfungszeit beträgt 240 Minuten.

Zweite schriftliche Teilprüfung

Der zweite Prüfungsteil behandelt:

  • das Handelsmarketing
  • Beschaffung und Logistik
  • einen Wahlbereich

Als Wahlbereich stehen unter anderem Vertriebssteuerung, Handelslogistik, Einkauf und Außenhandel zur Verfügung. Für diesen Prüfungsteil sind insgesamt 300 Minuten vorgesehen. Davon entfallen 180 Minuten auf Handelsmarketing sowie Beschaffung und Logistik. Der gewählte Handlungsbereich wird mit 120 Minuten geprüft.

Mündliche Prüfung

Die mündliche Prüfung besteht aus einer Präsentation und einem situationsbezogenen Fachgespräch. Die Präsentation dauert etwa 15 Minuten. Das Fachgespräch dauert höchstens 20 Minuten.

Dabei geht es nicht nur um auswendig gelerntes Wissen. Prüflinge sollen betriebliche Probleme analysieren, Lösungen entwickeln, Entscheidungen begründen und ihre Vorschläge verständlich darstellen.

In den jeweiligen Prüfungsleistungen müssen mindestens 50 Punkte erreicht werden. Nicht bestandene Teilprüfungen lassen sich nach den Vorgaben der Prüfungsverordnung zweimal wiederholen. Die zuständige IHK informiert über die genauen Anmeldebedingungen.

Wer die Handelsfachwirtprüfung bestanden hat, ist vom schriftlichen Teil der Ausbildereignungsprüfung befreit. Je nach Fall bleibt der praktische beziehungsweise mündliche Prüfungsteil erforderlich.

Voraussetzungen und Zulassung

Für ein Abiturientenprogramm legt das Unternehmen die Anforderungen in der Stellenausschreibung fest. Häufig werden Abitur oder Fachhochschulreife verlangt. Zusätzlich achten Arbeitgeber auf Kommunikationsfähigkeit, Kundenorientierung und Interesse an kaufmännischen Themen.

Für die spätere IHK-Prüfung gelten andere Regeln. Typische Zugangswege sind:

  • eine dreijährige kaufmännische Ausbildung im Handel mit mindestens einem Jahr Berufspraxis im Handel
  • eine Ausbildung als Verkäufer oder Verkäuferin oder eine andere dreijährige kaufmännisch-verwaltende Ausbildung mit mindestens zwei Jahren Berufspraxis im Handel
  • eine Ausbildung als Fachlagerist oder Fachlageristin mit mindestens drei Jahren Berufspraxis im Handel
  • mindestens 90 Leistungspunkte aus einem betriebswirtschaftlichen Studium und mindestens zwei Jahre Berufspraxis im Handel
  • mindestens fünf Jahre Berufspraxis im Handel ohne eine abgeschlossene Ausbildung

Die konkreten Voraussetzungen können von der Vorqualifikation und der zuständigen IHK abhängen. Die genannten Zeiten beziehen sich grundsätzlich auf Vollzeitbeschäftigung. Teilzeit kann die erforderliche Zeit verlängern.

Wer ein Abiturientenprogramm beginnt, sollte die spätere Zulassung frühzeitig mit der zuständigen IHK klären. Eine Zusage des Unternehmens ersetzt diese Prüfung nicht.

Bewerbung: Diese Unterlagen gehören dazu

Für die Bewerbung werden typischerweise folgende Unterlagen verlangt:

  • Anschreiben
  • tabellarischer Lebenslauf
  • aktuelle Schulzeugnisse
  • Praktikums- oder Arbeitszeugnisse, sofern vorhanden
  • Nachweise über Nebenjobs oder ehrenamtliches Engagement
  • relevante Zertifikate

Das Anschreiben sollte konkrete Erfahrungen nennen. Die bloße Aussage „Ich bin ehrgeizig und teamfähig“ überzeugt weniger als ein nachvollziehbares Beispiel.

Eine bessere Formulierung wäre etwa:

In meinem Nebenjob habe ich neue Mitarbeitende eingearbeitet und bei der Aufgabenverteilung in der Schicht unterstützt.

Oder:

Bei einem Schulprojekt habe ich die Ausgaben geplant, Angebote verglichen und die Ergebnisse vor der Gruppe präsentiert.

Auch ohne Handelserfahrung lassen sich passende Fähigkeiten zeigen. Geeignet sind zum Beispiel:

  • Kundenkontakt in einem Nebenjob
  • Organisation einer Vereinsveranstaltung
  • Verantwortung für ein Schulprojekt
  • Präsentationen vor Gruppen
  • Mitarbeit in einem Sportverein
  • Umgang mit Geld oder mit einem kleinen Budget
  • Planung und Koordination von Aufgaben

Im Gespräch sollten Bewerber erklären können, warum sie eine Verbindung aus Ausbildung und Weiterbildung anstreben. Eine gute Antwort beschreibt sowohl das Interesse an praktischer Arbeit als auch die Bereitschaft, betriebswirtschaftliche Inhalte intensiv zu lernen.

Je nach Arbeitgeber folgen ein Online-Eignungstest, ein Telefon- oder Videointerview, ein persönliches Gespräch, ein Auswahlverfahren oder ein Probearbeitstag.

Bewerbungsfristen richtig planen

Für Abiturientenprogramme gibt es keine bundesweit einheitliche Bewerbungsfrist. Unternehmen, Standorte und Ausbildungsbeginn bestimmen den Zeitplan.

Für einen Ausbildungsstart im August oder September empfiehlt es sich, etwa zwölf Monate vorher nach passenden Stellen zu suchen. Viele Bewerbungen werden bereits im Spätsommer oder Herbst des Vorjahres vorbereitet. Einzelne Unternehmen veröffentlichen freie Plätze auch später.

Bewerberinnen und Bewerber sollten:

  • die Karriereseiten mehrerer Handelsunternehmen prüfen
  • Fristen und Ausbildungsbeginn in einem Kalender notieren
  • vollständige Unterlagen frühzeitig vorbereiten
  • Anforderungen der einzelnen Ausschreibung vergleichen
  • auch kurzfristig veröffentlichte Stellen berücksichtigen
  • nachfragen, ob Bewerbungen noch angenommen werden

Die Fristen für die spätere IHK-Prüfung stehen auf einem eigenen Zeitplan. Die zuständige IHK legt Anmelde- und Zulassungsfristen sowie Prüfungstermine und Gebühren fest. Diese Angaben unterscheiden sich regional und ändern sich je nach Prüfungstermin.

Vergütung, Prüfungsgebühren und Kosten

Die Vergütung während eines Abiturientenprogramms hängt vom Arbeitgeber und vom Tarifvertrag ab. Auch das Bundesland und das konkrete Programm spielen eine Rolle. Eine einheitliche bundesweite Vergütung lässt sich deshalb nicht nennen.

Vor der Vertragsunterzeichnung sollten Bewerber prüfen:

  • Höhe der monatlichen Vergütung in jedem Ausbildungsjahr
  • Vergütung während der Weiterbildungsphase
  • mögliche Zuschläge
  • Kosten für Lehrgänge und Seminare
  • Kosten der IHK-Prüfung
  • Kosten für Lernmaterialien
  • Regelungen bei einem Abbruch oder Arbeitgeberwechsel

Auch die IHK-Gebühren unterscheiden sich je nach Region. Manche Unternehmen übernehmen Lehrgangs- und Prüfungsgebühren ganz oder teilweise. Diese Leistung sollte im Ausbildungsvertrag, in einer Zusatzvereinbarung oder in den Programmangaben eindeutig festgehalten sein.

Eine automatische Förderung lässt sich nicht für jeden Fall zusagen. Fragen zu möglichen Unterstützungen sollten Interessierte mit der zuständigen Förderstelle, der IHK oder dem Bildungsträger klären.

Karrierechancen nach dem Abschluss

Mit dem Handelsfachwirt können sich verschiedene Einsatzbereiche öffnen:

  • stellvertretende Markt- oder Filialleitung
  • Marktmanagement
  • Abteilungsleitung
  • Einkauf
  • Vertrieb
  • Logistiksteuerung
  • Personalentwicklung
  • Aus- und Weiterbildung
  • Aufgaben in der Unternehmenszentrale
  • später eine selbstständige Tätigkeit im Handel

Der Abschluss führt nicht automatisch zu einer bestimmten Führungsposition. Entscheidend sind unter anderem die bisherige Leistung, Berufserfahrung, Führungsqualität, regionale Einsatzbereitschaft und die Zahl verfügbarer Stellen.

Wer im Handel bleiben möchte, kann sich mit Berufspraxis weiterentwickeln. Je nach Arbeitgeber kommen zusätzliche Fachlehrgänge, Aufgaben in der Zentrale oder weitere kaufmännische Qualifikationen infrage.

Wann ein anderer Weg besser passt

Das Abiturientenprogramm eignet sich nicht für jedes berufliche Ziel. Wer sich vor allem für digitale Vertriebskanäle, Datenanalyse und Onlinegeschäft interessiert, sollte auch eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau im E-Commerce prüfen. Dort stehen digitale Geschäftsprozesse, Onlinevertrieb und softwaregestützte Auswertungen stärker im Mittelpunkt.

Eine klassische Ausbildung im Einzelhandel passt möglicherweise besser, wenn:

  • zunächst die praktische Orientierung fehlt
  • die zusätzliche Lernbelastung eines Abiturientenprogramms zu hoch erscheint
  • eine längere Entscheidungsphase gewünscht ist
  • der Einstieg ohne Abitur oder Fachhochschulreife geplant ist
  • später eine Weiterbildung aus eigener Berufserfahrung heraus folgen soll

Ein Studium bietet sich an, wenn wissenschaftliches Arbeiten und ein akademischer Berufsweg im Vordergrund stehen.

Checkliste für Interessierte

Vor der Bewerbung sollten folgende Fragen beantwortet sein:

  • Erfülle ich die schulischen Voraussetzungen der Ausschreibung?
  • Interessiere ich mich für Kundenkontakt und betriebswirtschaftliche Aufgaben?
  • Komme ich mit wechselnden Arbeitszeiten zurecht?
  • Wie viel zusätzlichen Unterricht sieht das Programm vor?
  • Welche Ausbildung wird zuerst abgeschlossen?
  • Wie genau ist die Weiterbildung zum Handelsfachwirt eingebunden?
  • Welche IHK ist für die Prüfung zuständig?
  • Sind die Zulassungsvoraussetzungen geklärt?
  • Wer übernimmt die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren?
  • Welche Übernahmebedingungen gelten?
  • Ist ein Standortwechsel möglich oder erforderlich?
  • Gibt es eine Rückzahlungsvereinbarung?
  • Welche Entwicklungsschritte sind nach dem Abschluss vorgesehen?

Die nächsten Schritte

Wer den Weg zum Handelsfachwirt einschlagen möchte, geht am besten in dieser Reihenfolge vor:

  1. Eigene Interessen und Stärken mit den Anforderungen im Handel vergleichen.
  2. Abiturientenprogramme mehrerer Unternehmen recherchieren.
  3. Ausbildungsdauer, Lernform und Prüfungsablauf vergleichen.
  4. Kostenübernahme und Übernahmebedingungen schriftlich prüfen.
  5. Die zuständige IHK wegen der späteren Zulassung kontaktieren.
  6. Lebenslauf, Zeugnisse und konkrete Erfahrungsbeispiele vorbereiten.
  7. Bewerbungsfristen im Kalender festhalten.
  8. Bewerbungen an mehrere passende Unternehmen senden.
  9. Im Vorstellungsgespräch gezielt nach Arbeitszeiten, Unterricht und Einsatzorten fragen.
  10. Erst nach dem Vergleich der Bedingungen entscheiden.

Der Handelsfachwirt bietet einen praxisnahen Weg in kaufmännische und leitende Aufgaben. Das Abiturientenprogramm verkürzt den Zeitraum bis zur Fortbildungsprüfung, verlangt aber ein hohes Lerntempo, Eigenorganisation und Bereitschaft zur Verantwortung. Wer diese Bedingungen mit den eigenen beruflichen Zielen abgleicht, kann fundiert entscheiden, ob der Weg im Handel passt.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.