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Ausbildungen im Überblick: Ausbildungsarten, Berufswahl und Bewerbung

Eine Ausbildung vermittelt berufliche Kenntnisse und führt zu einem anerkannten Berufsabschluss. In Deutschland gibt es dafür mehrere Wege. Die duale Ausbildung verbindet die Arbeit in einem Ausbildungsbetrieb mit Unterricht in der Berufsschule. Bei einer schulischen Ausbildung findet der Unterricht überwiegend an einer Berufsfachschule, einem Berufskolleg oder einer Fachakademie statt. Praktika ergänzen den Unterricht.

Welcher Weg passt, hängt vom Beruf, vom Bundesland und von der persönlichen Situation ab. Auch Zugangsvoraussetzungen, Bewerbungsfristen, Vergütung und Prüfungen unterscheiden sich. Wer einen Ausbildungsplatz sucht, sollte deshalb zuerst mehrere Berufe vergleichen und anschließend die konkreten Bedingungen des Betriebs oder der Schule prüfen.

Welche Ausbildungsarten gibt es?

Duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule

Die duale Ausbildung ist der bekannteste Ausbildungsweg. Auszubildende schließen einen Vertrag mit einem Betrieb und lernen an zwei Orten:

  • Im Betrieb üben sie berufliche Tätigkeiten anhand echter Aufgaben.
  • In der Berufsschule erwerben sie Fachwissen und allgemeinbildende Kenntnisse.
  • In manchen Berufen ergänzen überbetriebliche Lehrgänge die Ausbildung.

Die Lernorte arbeiten nach einem Ausbildungsplan zusammen. Der Betrieb muss die vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte vermitteln. Wenn einzelne Inhalte im Betrieb fehlen, können dafür andere Ausbildungsstätten oder Lehrgänge genutzt werden.

Je nach Beruf dauert eine duale Ausbildung meist zwei bis dreieinhalb Jahre. Die genaue Dauer steht in der jeweiligen Ausbildungsordnung. In bestimmten Fällen ist eine Verkürzung möglich, etwa aufgrund guter Leistungen oder einer passenden Vorbildung. Darüber entscheiden die zuständigen Stellen und die Vertragspartner nach den geltenden Regeln.

In Deutschland gibt es mehr als 320 dual ausgebildete Ausbildungsberufe. Sie gehören unter anderem zu diesen Bereichen:

  • Handwerk und Bau
  • Industrie und Technik
  • Handel und Büro
  • Gesundheit und medizinische Assistenz
  • Verkehr und Logistik
  • Landwirtschaft und Umwelt
  • Gastronomie und Tourismus
  • Medien und Gestaltung
  • öffentlicher Dienst

Beispiele sind Fachinformatiker, Elektroniker, Industriemechaniker, Kaufmann für Büromanagement, Fachkraft für Lagerlogistik, Medizinischer Fachangestellter, Tischler, Koch oder Verwaltungsfachangestellter.

Schulische Ausbildung

Bei einer schulischen Ausbildung findet der Unterricht überwiegend an einer Berufsfachschule, einem Berufskolleg oder einer Fachakademie statt. Praktische Einsätze in Einrichtungen oder Betrieben gehören je nach Beruf zum Ausbildungsgang.

Schulische Ausbildungen gibt es beispielsweise in sozialen, pflegerischen, medizinischen, gestalterischen und kaufmännischen Bereichen. Die Dauer liegt je nach Beruf und Bundesland zwischen einem und vier Jahren.

Die Bedingungen legt die jeweilige Schule oder das zuständige Bundesland fest. Vor der Bewerbung sollten Interessierte deshalb klären:

  • Welcher Schulabschluss wird verlangt?
  • Ist ein Vorpraktikum erforderlich?
  • Gibt es eine Aufnahmeprüfung oder ein Auswahlgespräch?
  • Welche Bewerbungsfrist gilt?
  • Wird eine Vergütung gezahlt?
  • Entstehen Schul-, Material- oder Prüfungsgebühren?
  • Welche Praktika gehören zur Ausbildung, und welche Prüfungen sind vorgesehen?

Eine schulische Ausbildung ist finanziell anders organisiert als eine duale Ausbildung. Eine Vergütung hängt vom Beruf und vom Träger ab. Mögliche Kosten und Förderangebote sollten frühzeitig geprüft werden.

Teilzeitausbildung

Eine Teilzeitausbildung reduziert die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit im Betrieb. Sie kommt beispielsweise infrage, wenn jemand Kinder betreut, Angehörige pflegt oder aus gesundheitlichen Gründen weniger arbeiten kann.

Grundsätzlich ist sie in allen dualen Ausbildungsberufen möglich, wenn der Ausbildungsbetrieb zustimmt. Der Berufsabschluss bleibt derselbe. Die Ausbildungsdauer kann sich verlängern, weil die Lern- und Arbeitszeit geringer ausfällt. Die konkrete Vereinbarung gehört in den Ausbildungsvertrag.

Ausbildung mit zusätzlichem Schulabschluss

Einige Programme verbinden eine Berufsausbildung mit dem Erwerb eines weiteren Schulabschlusses. Dazu gehören je nach Bundesland Modelle, die zur Fachhochschulreife oder zur allgemeinen Hochschulreife führen.

Die Organisation unterscheidet sich regional. Interessierte sollten bei der Berufsschule, dem Ausbildungsbetrieb oder der zuständigen Schulbehörde nach den konkreten Voraussetzungen fragen.

Fachpraktiker-Ausbildung und Unterstützung

Für Menschen mit Behinderungen kommen je nach Unterstützungsbedarf verschiedene Hilfen infrage. Dazu gehören Hilfsmittel, Förderangebote und speziell geregelte Fachpraktiker-Ausbildungen.

Eine Fachpraktiker-Ausbildung legt den Schwerpunkt stärker auf praktische Inhalte und kann weniger theoretische Anforderungen enthalten. Die zuständige Agentur für Arbeit, die Kammer oder ein Berufsbildungswerk kann zu den passenden Möglichkeiten beraten.

Wie finde ich den passenden Ausbildungsberuf?

Die Berufswahl sollte Interessen, Fähigkeiten und Arbeitsbedingungen zusammen betrachten. Schulnoten spielen eine Rolle, entscheiden aber nicht allein über die passende Richtung.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Arbeite ich gern praktisch, technisch, kreativ, organisatorisch oder sozial?
  • Möchte ich im Büro, in einer Werkstatt, im Freien, in einer Praxis oder mit Kundschaft arbeiten?
  • Interessiere ich mich für Menschen, Maschinen, Daten, Waren, Tiere oder Materialien?
  • Wie wichtig sind mir feste Arbeitszeiten?
  • Komme ich mit körperlicher Arbeit, Schichtdienst oder wechselnden Einsatzorten zurecht?
  • Arbeite ich sorgfältig mit Zahlen, Texten, Werkzeugen oder digitalen Programmen?
  • Welche Tätigkeiten habe ich in einem Praktikum, Nebenjob oder Schulprojekt kennengelernt?
  • Wie weit darf der Ausbildungsbetrieb von meinem Wohnort entfernt sein?
  • Welche Weiterbildungsmöglichkeiten bietet der Beruf?

Ähnliche Berufe genau vergleichen

Viele Berufe klingen ähnlich, führen im Alltag aber zu unterschiedlichen Aufgaben. Kaufmännische Berufe unterscheiden sich beispielsweise beim Kundenkontakt, bei den Waren, bei den eingesetzten Programmen und bei den Einsatzabteilungen.

Wer zwischen Kauffrau für Büromanagement, Industriekauffrau und Kauffrau im Einzelhandel schwankt, sollte die Stellenbeschreibungen vergleichen:

Frage Kauffrau für Büromanagement Industriekauffrau Kauffrau im Einzelhandel
Typische Arbeitsorte Büro, Verwaltung, Empfang verschiedene Abteilungen im Unternehmen Verkaufsfläche, Lager, Kasse
Häufige Aufgaben Schriftverkehr, Termine, Rechnungen Einkauf, Vertrieb, Personal, Auftragsabwicklung Beratung, Warenpräsentation, Verkauf
Kundenkontakt je nach Betrieb je nach Abteilung meist regelmäßig
Wichtige Interessen Organisation und Kommunikation wirtschaftliche Zusammenhänge Beratung und Verkauf

Die konkrete Ausgestaltung hängt vom Betrieb ab. Ein kleiner Handwerksbetrieb bietet andere Einblicke als ein großer Konzern.

Praktika nutzen

Ein Schülerpraktikum oder ein freiwilliges Kurzpraktikum zeigt, wie sich ein Beruf im Alltag anfühlt. Dabei lassen sich Arbeitszeiten, Aufgaben, Betriebsklima und körperliche Anforderungen besser einschätzen.

Ein Praktikum hilft außerdem bei der Bewerbung. Im Anschreiben lässt sich konkret erklären, welche Aufgabe besonders interessant war und warum daraus der Wunsch nach einer Ausbildung entstanden ist.

Für die Recherche eignen sich:

  • BERUFENET: Informationen zu Tätigkeiten und Anforderungen
  • die Ausbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit
  • Webseiten von Ausbildungsbetrieben
  • Lehrstellenbörsen der Industrie- und Handelskammern
  • Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern
  • Ausbildungsmessen
  • Berufsberatung
  • Orientierungstests wie Check-U oder meinBERUF

Wie läuft eine duale Ausbildung ab?

Lernen im Ausbildungsbetrieb

Im Betrieb arbeiten Auszubildende schrittweise im Tagesgeschäft mit. Zu Beginn stehen Einweisungen und grundlegende Aufgaben im Vordergrund. Danach übernehmen sie zunehmend selbstständige Tätigkeiten.

Je nach Beruf gehören dazu beispielsweise:

  • Kundinnen und Kunden beraten
  • Waren annehmen und lagern
  • Maschinen bedienen und warten
  • Bauteile montieren
  • Aufträge bearbeiten
  • Termine organisieren
  • Daten erfassen
  • Arbeitsabläufe dokumentieren
  • Sicherheits- und Qualitätsregeln anwenden

Die Ausbilderin, der Ausbilder oder eine beauftragte Fachkraft erklärt die Aufgaben und kontrolliert die Arbeit. Auszubildende müssen regelmäßig fragen, üben und Rückmeldungen aufnehmen.

Unterricht in der Berufsschule

Der Berufsschulunterricht vermittelt die theoretischen Grundlagen des Berufs. Auf dem Stundenplan stehen Fachtheorie, berufliche Aufgaben und allgemeinbildende Fächer. Je nach Beruf kommen Projekte, Leistungsnachweise und Prüfungsvorbereitung hinzu.

Der Unterricht findet an festen Wochentagen, in Blockform oder in einer Kombination aus beiden Varianten statt. Die genaue Organisation hängt vom Ausbildungsberuf und vom Standort der Berufsschule ab.

Der Berufsschulbesuch gehört zur Ausbildung. Auszubildende müssen regelmäßig teilnehmen und bei Krankheit sowohl den Betrieb als auch die Berufsschule informieren.

Ausbildungsnachweis führen

Der Ausbildungsnachweis, häufig Berichtsheft genannt, dokumentiert die Tätigkeiten im Betrieb und den Unterricht in der Berufsschule. Er sollte regelmäßig geführt werden, häufig wöchentlich. Die dafür erforderliche Zeit muss innerhalb der Ausbildungszeit zur Verfügung stehen.

Ein ordnungsgemäß geführter Ausbildungsnachweis ist für die Zulassung zur Abschlussprüfung relevant. Die zuständige Kammer legt fest, in welcher Form der Nachweis vorgelegt wird. Möglich sind beispielsweise ein digitales Verfahren, eine PDF-Datei oder ein Kammerportal.

Ausbildungsvergütung und Vertrag

Bei einer dualen Ausbildung zahlt der Ausbildungsbetrieb eine Vergütung. Die Höhe hängt vom Beruf, vom Ausbildungsjahr, vom Tarifvertrag und vom Betrieb ab.

Der Ausbildungsvertrag enthält unter anderem:

  • Ausbildungsberuf und Ausbildungsziel
  • Beginn und Ende der Ausbildung
  • Dauer der Ausbildung und Probezeit
  • Vergütung
  • Arbeitszeit
  • Urlaub
  • Ausbildungsmaßnahmen außerhalb des Betriebs
  • Regelungen zu Verkürzung oder Teilzeit

Die Probezeit dauert mindestens einen und höchstens vier Monate. Während dieser Zeit kann das Ausbildungsverhältnis ohne Kündigungsfrist beendet werden. Nach der Probezeit gelten besondere Kündigungsregeln. Wer die Berufsausbildung aufgeben oder eine andere Berufsausbildung beginnen möchte, kann unter bestimmten Voraussetzungen mit einer Frist von vier Wochen schriftlich kündigen.

Vor der Unterschrift sollten Bewerberinnen und Bewerber den Vertrag vollständig lesen und offene Punkte mit dem Betrieb oder der zuständigen Kammer klären.

Prüfungen

Je nach Ausbildungsordnung gibt es eine Zwischenprüfung, eine gestreckte Abschlussprüfung mit Teil 1 und Teil 2 oder eine andere Prüfungsform. Möglich sind:

  • schriftliche Aufgaben
  • praktische Prüfungen
  • mündliche Prüfungen
  • Fachgespräche
  • fallbezogene Aufgaben
  • Arbeitsproben

Die Ausbildungsordnung des jeweiligen Berufs legt die Prüfungsinhalte fest. Für die Zulassung zählen unter anderem die absolvierte Ausbildungszeit, vorgeschriebene Prüfungen und der Ausbildungsnachweis.

Wer die Abschlussprüfung nicht besteht, kann verlangen, dass das Ausbildungsverhältnis bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung verlängert wird. Die Verlängerung ist höchstens für ein Jahr möglich.

Welche Voraussetzungen gelten?

Schulabschluss bei dualen Ausbildungen

Für eine duale Ausbildung ist rechtlich grundsätzlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Ausbildungsbetriebe legen jedoch eigene Auswahlkriterien fest. In einer Stellenanzeige können sie beispielsweise einen Hauptschulabschluss, einen mittleren Schulabschluss, bestimmte Noten oder Fachkenntnisse verlangen.

Zusätzlich achten Betriebe häufig auf:

  • Interesse am Beruf
  • Zuverlässigkeit
  • Lernbereitschaft
  • sorgfältiges Arbeiten
  • Teamfähigkeit
  • Kundenorientierung
  • Sprach- und Ausdrucksfähigkeit
  • mathematische Grundkenntnisse
  • technisches Verständnis
  • digitale Grundkenntnisse
  • körperliche Belastbarkeit, sofern der Beruf sie erfordert

Die Anforderungen sollten immer in der konkreten Ausschreibung geprüft werden. Ein fehlender höherer Schulabschluss schließt eine Bewerbung nicht automatisch aus. Praktische Erfahrungen, Motivation und passende Fähigkeiten können ebenfalls wichtig sein.

Voraussetzungen bei schulischen Ausbildungen

Schulische Ausbildungen haben eigene Zugangsvoraussetzungen. Häufig wird ein mittlerer Schulabschluss verlangt, bei manchen Berufen genügt ein Hauptschulabschluss. Je nach Beruf und Schule können außerdem erforderlich sein:

  • ein bestimmtes Mindestalter
  • bestimmte Zeugnisnoten
  • ein Vorpraktikum
  • gesundheitliche Eignung
  • ein Führungszeugnis
  • ausreichende Sprachkenntnisse
  • eine Aufnahmeprüfung
  • ein Auswahlgespräch

Die Bedingungen unterscheiden sich stärker nach Beruf, Schule und Bundesland. Deshalb sollten Interessierte die Informationen der jeweiligen Schule frühzeitig lesen.

Wann sollte ich mich bewerben?

Eine bundesweit einheitliche Bewerbungsfrist gibt es nicht. Der richtige Zeitpunkt hängt vom Ausbildungsberuf, vom Betrieb und vom Ausbildungsweg ab.

Größere Unternehmen veröffentlichen Ausbildungsstellen häufig etwa eineinhalb Jahre vor Ausbildungsbeginn. Banken, Versicherungen und öffentliche Arbeitgeber beginnen teilweise besonders früh mit der Auswahl. Kleinere Betriebe nehmen Bewerbungen oft auch sechs bis zwölf Monate vor Beginn an. Bei schulischen Ausbildungen gelten die Fristen der jeweiligen Schule.

Ein sinnvoller Zeitplan sieht so aus:

18 bis 24 Monate vor Ausbildungsbeginn

  • Interessen und Fähigkeiten prüfen
  • mögliche Berufe recherchieren
  • Nach Praktika suchen
  • Ausbildungsbetriebe in der Region vergleichen

12 bis 18 Monate vorher

  • Stellenangebote beobachten
  • Fristen notieren
  • Den Lebenslauf vorbereiten
  • erste Bewerbungen an größere Unternehmen, Banken, Versicherungen und Behörden senden

6 bis 12 Monate vorher

  • weitere Bewerbungen verschicken
  • schulische Ausbildungsplätze prüfen
  • Vorstellungsgespräche vorbereiten
  • Alternativen zum Wunschbetrieb festlegen

3 bis 6 Monate vorher

  • auch kleinere Betriebe ansprechen
  • Ausbildungsmessen besuchen
  • bei offenen Stellen direkt nachfragen
  • Die Berufsberatung nutzen

Vor dem Ausbildungsbeginn

  • Den Vertrag prüfen
  • Geforderte Unterlagen einreichen
  • Anfahrt und Arbeitszeiten klären
  • Fahrt-, Wohn- und sonstige Kosten planen

Auch nach dem üblichen Bewerbungszeitraum können Ausbildungsplätze frei sein. Ein später Einstieg ist in einzelnen Fällen möglich. Wer noch keinen Platz gefunden hat, sollte die Suche auf weitere Betriebe, benachbarte Regionen und verwandte Berufe ausweiten.

Welche Unterlagen gehören in die Bewerbung?

Eine typische Bewerbung enthält:

  • ein individuelles Anschreiben
  • einen tabellarischen Lebenslauf
  • aktuelle Zeugnisse
  • Bescheinigungen über Praktika
  • gegebenenfalls Arbeitsproben
  • gegebenenfalls Nachweise über Kurse, Ehrenamt oder Nebenjobs

Ein Bewerbungsfoto ist nicht zwingend erforderlich. Wer ein Foto verwendet, sollte es freiwillig und in professioneller Qualität einsetzen.

Das Anschreiben auf den Betrieb ausrichten

Das Anschreiben sollte drei Fragen beantworten:

  1. Warum interessiert mich dieser Ausbildungsberuf?
  2. Warum bewerbe ich mich bei diesem Betrieb?
  3. Welche Erfahrungen und Fähigkeiten bringe ich mit?

Eine konkrete Begründung wirkt überzeugender als eine allgemeine Liste persönlicher Eigenschaften:

Während meines Schülerpraktikums in einer Kfz-Werkstatt habe ich gemerkt, dass mir die Verbindung aus Fehlersuche, handwerklicher Arbeit und technischem Verständnis liegt. Deshalb bewerbe ich mich um eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin in Ihrem Betrieb.

Das Beispiel sollte an die eigene Erfahrung angepasst werden. Bewerbungen mit identischem Standardtext wirken schnell unpersönlich.

Auf Auswahlverfahren vorbereiten

Nach der Bewerbung folgen je nach Betrieb:

  • ein Telefoninterview
  • ein Videointerview
  • Einstellungstest
  • Probearbeit oder Praktikum
  • Vorstellungsgespräch
  • Assessment-Center

Für ein Gespräch sollten Bewerberinnen und Bewerber die wichtigsten Aufgaben des Berufs, den Betrieb und den Grund für die Bewerbung kennen. Eigene Fragen zeigen, dass die Ausbildung bewusst ausgewählt wurde. Sinnvolle Fragen betreffen beispielsweise Abteilungen, Berufsschule, Ausbildungsplan, Arbeitszeiten und Übernahmemöglichkeiten.

Im öffentlichen Dienst gibt es häufig feste Fristen und mehrstufige Auswahlverfahren. Einstellungstests können Aufgaben zu Sprache, Mathematik, Logik und Fachwissen enthalten. Bei bestimmten Berufen kommen Sporttests oder weitere Eignungsprüfungen hinzu.

Wie viel verdient man während der Ausbildung?

Für duale Ausbildungsberufe nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung gilt eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung. Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, gelten folgende monatliche Mindestbeträge:

Ausbildungsjahr Mindestvergütung 2026
1. Jahr 724 Euro brutto
2. Jahr 854 Euro brutto
3. Jahr 977 Euro brutto
4. Jahr 1.014 Euro brutto

Tarifverträge und einzelne Betriebe können höhere Beträge vorsehen. Die Mindestvergütung ist kein Durchschnittswert. Die tatsächliche Vergütung hängt unter anderem vom Beruf, vom Tarifvertrag, vom Ausbildungsjahr und vom Betrieb ab.

Bei schulischen Ausbildungen gelten andere Regeln. Je nach Beruf und Träger wird eine Vergütung gezahlt oder es entstehen Kosten. Vor der Entscheidung sollten Interessierte deshalb klären:

  • Gibt es eine monatliche Zahlung?
  • Fallen Schul- oder Prüfungsgebühren an?
  • Welche Materialkosten fallen an?
  • Wie hoch sind Fahrt- und Wohnkosten?
  • Welche Fördermöglichkeiten kommen infrage?

Die Agentur für Arbeit und andere zuständige Stellen informieren über mögliche finanzielle Unterstützung. Anspruch und Höhe hängen von der persönlichen Situation und der Ausbildungsform ab.

Was kommt nach der Ausbildung?

Nach dem Abschluss gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Einstieg in den Ausbildungsbetrieb
  • Bewerbung bei anderen Arbeitgebern
  • Spezialisierung innerhalb des Berufs
  • Aufstiegsfortbildung zum Meister, Techniker oder Fachwirt
  • Erwerb eines weiteren Schulabschlusses
  • Studium oder duales Studium

Eine Übernahme hängt vom Betrieb, vom Personalbedarf und von der Leistung während der Ausbildung ab. Sie sollte im Gespräch konkret erfragt werden. Eine allgemeine Übernahmezusage gibt es nicht.

Ein duales Studium verbindet ein Studium mit längeren Praxisphasen in einem Unternehmen. Je nach Modell wird zusätzlich ein Ausbildungsabschluss erworben. Die Zugangsvoraussetzungen und Bewerbungsfristen unterscheiden sich von denen einer klassischen Ausbildung.

Drei Beispiele für die Entscheidung

Beispiel 1: Kaufmännische Berufe vergleichen

Eine Schulabgängerin interessiert sich für Organisation, Kundenkontakt und digitale Büroarbeit. Sie vergleicht Kauffrau für Büromanagement, Industriekauffrau und Kauffrau im Einzelhandel.

Sie prüft:

  • Wie viel Kundenkontakt besteht?
  • Welche Software wird eingesetzt?
  • Gibt es Abteilungswechsel?
  • Wie sehen die Arbeitszeiten aus?
  • Wie weit ist der Betrieb entfernt?
  • Welche Weiterbildungsmöglichkeiten bietet der Beruf?

Beispiel 2: Technischen Beruf durch ein Praktikum prüfen

Ein Bewerber interessiert sich für Technik, Mathematik und praktische Aufgaben. Nach einem Praktikum in einer Werkstatt bewirbt er sich für eine Ausbildung zum Elektroniker oder Kfz-Mechatroniker.

Vorher vergleicht er:

  • Arbeit in der Werkhalle, im Betrieb oder im Freien
  • Umgang mit Werkzeugen und Maschinen
  • körperliche Belastung
  • Sicherheitsvorschriften
  • mögliche Schichtarbeit
  • spätere Weiterbildungen

Beispiel 3: Schulische Ausbildung auswählen

Eine Bewerberin möchte im Gesundheits- oder Sozialbereich arbeiten. Sie informiert sich bei mehreren Schulen über Zugangsvoraussetzungen, Praktika, Unterrichtszeiten und Fristen.

Sie vergleicht außerdem, ob Kosten entstehen und welche praktische Einrichtung die Schule für die Einsätze nutzt. Bei schulischen Ausbildungen lohnt sich dieser Vergleich besonders, weil sich Organisation und Aufnahmebedingungen regional unterscheiden können.

Checkliste für die nächsten Schritte

  1. Interessen, Fähigkeiten und gewünschte Arbeitsbedingungen aufschreiben.
  2. Drei bis fünf passende Ausbildungsberufe auswählen.
  3. Berufsinformationen und Stellenanzeigen genau lesen.
  4. Ein Praktikum, einen Schnuppertag oder ein Gespräch mit Berufstätigen organisieren.
  5. Ausbildungsbetriebe und Schulen in erreichbarer Entfernung recherchieren.
  6. Fristen und Anforderungen in einer Übersicht sammeln.
  7. Lebenslauf, Zeugnisse sowie Praktikumsnachweise vorbereiten.
  8. Jede Bewerbung auf den konkreten Betrieb oder die konkrete Schule ausrichten.
  9. Bewerbungen und Rückmeldungen dokumentieren.
  10. Auf Einstellungstests und Vorstellungsgespräche vorbereiten.
  11. Verwandte Berufe und weitere Regionen als Alternativen prüfen.
  12. Den Ausbildungsvertrag vor der Unterschrift sorgfältig lesen.

Wer diese Schritte nacheinander bearbeitet, gewinnt einen realistischen Eindruck vom gewünschten Beruf. Besonders hilfreich sind praktische Erfahrungen, der Vergleich konkreter Stellenanzeigen und eine frühzeitige Bewerbung. So lässt sich die große Auswahl an Ausbildungsberufen auf einige passende Möglichkeiten eingrenzen.

Julia Kuhn

Statt mich zu fragen: „Was will ich machen?“ habe ich überlegt „Was will ich auf keinen Fall machen?“ Ich wollte einfach einen Beruf, in dem ich mich freue, zur Arbeit zu gehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Um anderen bei der Entscheidung für einen Beruf zu helfen, habe ich biknetz.de gegründet.