Zweitjob

Nebenbeschäftigung

Attraktive Nebenbeschäftigung 18.12. 2017 Lesedauer 4 Min. Lesedauer 1 Min. Immer mehr Mitarbeiter in Deutschland haben eine Teilzeitbeschäftigung.

Nach Angaben der Agentur für Wirtschaft haben in Deutschland rund 3,2 Mio. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwei oder mehr Arbeitsplätze. Damit sind es fast zwei Mal so viele wie im Jahr 2003. 2015 erwirtschafteten Vollzeitkräfte mit einer Teilzeitbeschäftigung im Durchschnitt etwas mehr an ihrer Hauptbeschäftigung als solche ohne Teilzeitbeschäftigung.

Im Durchschnitt verfügen sie auch über ein höheres Bildungsniveau. Nach Angaben der Agentur für Wirtschaft haben in Deutschland rund 3,2 Mio. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwei oder mehr Arbeitsplätze. Das bedeutet, dass die Anzahl der Mitarbeiter in den letzten zehn Jahren um rund eine Mio. anstieg. Typisch für eine Teilzeitbeschäftigung ist nach einer kürzlich durchgeführten Untersuchung des Institutes für Arbeitsmarktforschung (IAB) eine Person im mittleren Lebensalter: 57 Prozentpunkte der Mehrfachbeschäftigung sind Frauen, ebenso viele sind zwischen 35 und 54 Jahre in Deutschland.

Darüber hinaus ist der Prozentsatz der Mehrfachnutzer bei Menschen ohne deutschem Reisepass größer als bei Inländern. Auf den ersten Blick erscheint das Beweggrund für einen Zweitjob klar: Nach Angaben des IAB erwerben mehrere Mitarbeiter im Durchschnitt rund 570 EUR weniger in ihrer Haupttätigkeit als diejenigen ohne Teilzeitarbeit. Lediglich 57 Prozentpunkte der Teilzeitbeschäftigten sind in ihrer Haupttätigkeit vollzeitlich beschäftigt.

Der Einzelarbeitnehmeranteil beträgt 64 Prozentpunkte. Vollzeitarbeitskräfte mit einer Teilzeitbeschäftigung erhalten in ihrer Hauptarbeit im Durchschnitt mehr Gehalt als solche ohne Teilzeitarbeit. Darüber hinaus bieten andere Einkommensquellen ganz andere Daten - wie das Sozioökonomische Gremium, auf dessen Grundlage das Istituto de la Sozioökonomia die Zweitbeschäftigten untersuchte (Grafik): In Vollzeitbeschäftigten mit einer Teilzeitbeschäftigung wurden 2015 mit ihrer Hauptarbeit im Durchschnitt 3329 EUR brutto pro Vormonat verdient - 4 EUR mehr als in denen ohne Teilzeitarbeit.

Darüber hinaus erreichen sie einen durchschnittlichen Stundensatz von 18,12 EUR und liegen damit um 1,5 Prozentpunkte höher als letztere. Dabei ist der Armutsunterschied besonders ausgeprägt: Während 5,3 Prozentpunkte der Vollzeitarbeitskräfte ohne Nebenjob weniger als 60 Prozentpunkte des Durchschnittseinkommens ausmachen und daher als von Armut bedroht eingestuft werden, liegt der Prozentsatz der Teilzeitkräfte bei nur 2,8 Pro-zent.

Dies kann auch darauf zurückzuführen sein, dass Arbeitnehmer mit Nebenberufen im Schnitt über ein höheres Bildungsniveau verfügen (Grafik): Rund jeder dritte Teilzeitbeschäftigte hat einen Universitätsabschluss - bei den anderen hauptberuflich Beschäftigten ist es nur etwas mehr als jeder vierte. Die Attraktivität von Teilzeitarbeitsplätzen auch für Facharbeiter mit angemessenem Gehalt ist vor allem auf die Hartz-Reform von 2003 zurückzuführen: Danach können sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer - rund vier Viertel der Zweitbeschäftigten - bis zu 450 EUR an der Seite verdienen, ohne Sozialversicherungszuschläge zu entrichten.

zum Vergleich: In seiner Haupttätigkeit hatte ein einzelner Mittelverdiener mit einem Bruttogehalt von 3.500 EUR nur noch rund 220 EUR übrig von einer Gehaltserhöhung von 450 EUR. Eine weitere Ursache für den starken Anstieg der Anzahl der Nebenbeschäftigungen ist die expandierende Volkswirtschaft und die damit einhergehende gute Situation auf dem Arbeitsmarkt: Mehr Arbeitsplätze bieten auch mehr Teilzeitkräfte.

Jeder, der eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung hat, ist in der Praxis auch in einem Dienstleistungsbereich tätig - vor allem im Gesundheits- und Sozialbereich sowie im Bildungsbereich. Nur 4,1 Prozentpunkte der Sozialversicherungsnehmer haben in den neuen Ländern einen weiteren Kleinstellen. Im Westen Deutschlands, wo der durchschnittliche Lohn noch signifikant über dem liegt, liegt er bei 9,2 vH.

In Baden-Württemberg, dem Land mit dem höchsten Verdienst, beträgt der Prozentsatz bis zu 10,5 aufwärts. Unter den Teilzeitarbeitern gibt es natürlich auch Niedriglohnbezieher, die erst durch ihren Nebenjob ein angemessenes Gehalt erhalten. Verlässt beispielsweise ein Industriefacharbeiter frühzeitig die Arbeit, um Pizzen als Teilzeitarbeitsplatz zu liefern, leidet die Ökonomie. Ein allgemeiner Entlastungseffekt für die Mitarbeiter wäre viel besser als eine volle Steuerbefreiung für kleine Nebentätigkeiten.

Mehr zum Thema