Rohstoffe

Rohmaterialien

Ein Rohstoff ist ein ursprünglich aus der Natur gewonnener Stoff, der für die industrielle Verarbeitung geeignet oder spezifisch ist. Tageskurse, Charts & News, Marktberichte, Analysen & Kennzahlen für Rohstoffe. Rohmaterialien stehen am Anfang jeder industriellen Wertschöpfungskette.

Unser Leben ist ohne Rohstoffe nicht vorstellbar.

Rohmaterialien im Zuge der Internationalisierung

Auf den Rohstoffhandel entfällt etwa ein gutes Viertel des weltweiten Warenverkehrs. Die Preisgestaltung von Waren wird neben der Verknappung oder gar Begrenzung vieler Rohstoffe auch von den herrschenden Produktions- und Vermarktungsstrukturen beeinflusst. Vor allem die Nutzung von Bodenschätzen und fossilien Ressourcen kann daher oft nur von wenigen großen, finanzstarken und weltweit agierenden Unternehmen durchgeführt werden.

Für viele der so gewonnenen Rohstoffe bedeutet dies, dass die Preisgestaltung und -manipulation in größerem Umfang nur von wenigen Lieferanten bestimmt und beeinflusst werden kann. Wenn es kein Versorgungsoligopol gäbe (wie es genannt wird, wenn nur wenige Lieferanten auf viele Käufer treffen), würden die Tarife einem viel stärkeren Konkurrenzkampf ausgesetzt sein als heute.

Eine weitere wichtige Eigenschaft des Rohmaterialsektors ist, dass der Ackerbau, die Gewinnung und Extraktion von Grundstoffen auf der einen und die Verarbeitung und Raffination von Grundstoffen auf der anderen seit langem in verschiedenen Staaten oder sogar auf verschiedenen Erdteilen stattfinden. Das Aufsteigen der in den letzten Dekaden stark gewachsenen "Tigerstaaten" wie Indien, Brasilien oder China in die Reihe der großen Produktionsstandorte und zunehmend der weltweiten Verbraucherstandorte hat neue Wettbewerber auf die globale Bühne der Nachfrage nach Primärrohstoffen gebracht.

Insbesondere die Anforderungen an das Erz und an Energieträger wie Erdöl und Steinkohle steigen in diesen Ländern seit Jahren stetig und stark an. Durch ein hohes Wirtschaftswachstum und die Vermehrung hoch qualifizierter Arbeitsplätze bei gleichzeitig gestiegenen Gehältern wächst die gesellschaftliche Mittelklasse der Schwellenländer stetig. Gerade diese leistungsstarken und gut gebildeten Glieder dieser "neuen Mitte" steigern die Bedarf an Auto und Elektrogeräten, aber auch die anderen Versuchungen einer wohlhabenden Gesellschaft, die auf der Suche nach einem besseren Lebensstil sind.

Dadurch steigt die Rohstoffnachfrage aller Arten weiter an und darüber hinaus steigt der Hunger nach Energie weiter an. Die weltweite demografische Erschließung ist einer der Hauptgründe für die weltweite Zunahme der Bedarfssituation für fast alle Rohstoffe. Die aufgrund des zunehmenden Wohlstands hochwertigere Bedarfssituation führt zusammen mit dem absolut steigenden Bevölkerungswachstum der Erde zu einem stetigen Anstieg der Nachfrageseite.

Dieser Tendenz zu einer stetig steigenden Rohstoffnachfrage aller Arten steht ein mehr oder weniger stehendes oder gar sinkendes Angebotsspektrum gegenüber. Seit Anfang des XXI. Jahrhundert zum Beispiel sind weltweit keine großen Erzfunde mehr zu verzeichnen. Gleiches trifft aber auch auf alle anderen Rohstoffe zu, so dass nur der Kostenaspekt eine naturgemäße Beschränkung der Versorgung gewährleistet.

Es kann sich kein Unter-nehmen langfristig leisten, Rohstoffe zu gewinnen und zu veräußern, wenn die Produktions- und Distributionskosten den auf dem Weltmarktsektor erreichbaren Marktpreis überschreiten und daher keine kostendämpfende Herstellung möglich ist. So ist beispielsweise die Gemüsenachfrage in den Emerging Markets zwischen 2000 und 2004 um rund 14% gestiegen, während der Fleischhunger nahezu ebenso deutlich zugenommen hat (um rund 13%).

Ende der 90er Jahre betrug der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch von Rindfleisch noch 36 kg/St. Die Menge an Rindfleisch betrug 36 kg/St. Nahrungsexperten gehen davon aus, dass es bis 2030 auf 45 kg Rindfleisch pro Einwohner der Erde anwachsen wird, mit einem noch stärkeren Wachstum in Erdmärkten wie Asien. Neben dem weiter rasant zunehmenden Wachstum der Weltpopulation mit ihrem ständig steigenden Nahrungsmittelbedarf und damit der Acker- und Kulturfläche ist die wachsende Fleischnachfrage ein immer bedrohlicher werdendes Problemfeld im Kampf gegen den Hunger in der ganzen umwelt.

Allein der steigende Fleischkonsum wird zu einem weiteren starken Nachfrageanstieg nach landwirtschaftlichen Flächen aufkommen. Für den Getreideanbau werden neben den Weiden immer mehr Flächen gebraucht, da für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch ein Mehrfaches des Getreides an die Versuchstiere abgegeben werden muss. Die immer weiter zunehmende und rücksichtslose Nutzung der natürlichen Ressourcen unseres Planeten wird weltweit weitere immense ökologische Schäden verursachen, die auf lange Sicht zu einem ernsthaften oder gar gefährlichen Hindernis für die Menschheit werden könnten.

Die Wüstenbildung ganzer Regionen durch Überschwemmung oder Abholzung, die Aufgabe von Mond-Landschaften nach der Nutzung eines Bergwerks oder die Verunreinigung von Land und Trinkwasser durch Ölbohrungen sind nur einige der tödlichen Konsequenzen eines sorgsamen Umgangs mit den Bodenschätzen der Welt. Die von Gott gegebene Fülle an Naturschätzen wird seit langem mit einer Gewähr für Wohlergehen und positiver Entfaltung für die Bewohner der betroffenen ressourcenreichen Staaten in Verbindung gebracht.

Dieses Gleichnis und diese enge Verbindung wurde von Wirtschaft und Öffentlichkeit, vor allem in Ländern mit großen Ölreserven, als Realität anerkannt. Die Bezeichnung "Rohstofffluch" machte die Runde. Noch mehr. Hinter diesem Hintergrund steht die Idee, dass viele Staaten, die mit natürlichen Ressourcen bereichert zu sein schienen, nicht einem Segen von Rohstoffen, sondern einem Verfluchung ausgesetzt sind.

Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Rohstoffvermögen und einem im Gegensatz zu den Rohstoffimportländern vergleichsweise niedrigen Wachstum gibt. Die Bezeichnung "Ressourcenfluch" kam erst zu Beginn der 90er Jahre auf, um zum Ausdruck zu bringen, warum ressourcenreiche Staaten trotz der tatsächlich günstigen Bedingungen oft nicht in der Lage sind, ihren Naturreichtum für ökonomischen Erfolg und finanzielle Fortschritte besser zu nützen.

Den Fluch über die Naturressourcen erkennt man daran, dass in den rohstoffreichen Staaten der Welt eine diktatorische und politisch instabile Situation, Korruptionsbekämpfung, mangelnde und ungenügende Ausbildung, Elitebildung, übermäßige Umweltbelastungen und natürlich besonders große Armutsbekämpfung auf der Agenda stehen. Die seit Anfang des zwanzigsten Jahrhundert entstandene und in Zukunft wahrscheinlich noch größere Gegensätze und unterschiedliche Interessenslagen der Rohstoffexport- und -importländer haben Rohstoffe im Allgemeinen und den Warenhandel im Besonderen zum Objekt nationalen und internationalen politischen Interesses gemacht.

Während die Produzenten bestrebt sind, die höchstmöglichen Rohstoffpreise zu erreichen, wollen die Konsumentenländer die begehrten Rohstoffe so billig wie möglich und in ausreichender Menge kaufen, um den Bedürfnissen der Binnenwirtschaft und der Grundgesamtheit zu entsprechen. Bereits 1927 wurden auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genf die Grundlinien einer länderübergreifenden Güterpolitik vorgegeben.

Vor allem zwischen Industrie- und EntwicklungslÃ?ndern entbrennen solche Auseinandersetzungen immer wieder, so dass die Dringlichkeit von globalen Vereinbarungen, die bestrebt sind, den gestiegenen Bedarf an Rohstoffen auf der einen Seite und den Umwelt- und Ressourcenschutz auf der anderen Seite zu decken, auf der anderen Seite nicht in politische HintergrÃ? Aus diesen Bemühungen entstand eine ganze Anzahl von Unternehmen wie die UNCTAD, die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, die die Belange der oft ressourcenreichen Schwellenländer auf der Weltbühne repräsentiert.

Doch auch die OPEC, die Organisation der erdölexportierenden Staaten, die die Interessen der bedeutendsten Erdöl produzierenden Staaten vertritt und in den westlich geprägten Industrienationen so gefürchtet ist, ist eine dieser Institutionen. Es gibt jedoch keinen Konsens darüber, ob alle diese Organisation und Vereinbarungen - auf lange Sicht - ausreichen werden, um einen kriegerischen Konflikt um die bedeutenden Naturressourcen unseres Planeten zu vermeiden.

Schon jetzt ist von einem "neuen Kältekrieg " die Rede, der durch den Ringen um knappe Rohstoffe ausgelöst wurde. Wird es angesichts der immer akuteren Trinkwasserknappheit durch den Klimawandel und die immense Vergeudung der wohlhabenden Gesellschaften zu massiven Massenmigrationen kommen, die letztlich zu Gewalttätigkeiten und Bürgerkriegen in trinkwasserreichen Staaten ausarten?

In Anbetracht der vielen Millionen Euro, die der globale Warenhandel auf der einen und die Härte in vielen Regionen der Erde auf der anderen Straßenseite mit sich bringt, ist dies kein völlig ungewöhnliches Unterfangen!

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