Praktische Ausbildung Altenpflege

Praxisausbildung in der Altenpflege

Die Verliererin ist die Altenpflege. In Deutschland sind mehr als eine Millionen Menschen in der Krankenpflege tätig. Davon sind 300.000 zertifizierte Spezialisten mit einer qualitativ hochstehenden Ausbildung. Ab 2018 will die Regierung nun die bisher eigenständigen 3-jährigen Ausbildungsgänge in Alten-, Kinder- und Krankenpflege zu einer einheitlichen, "generalistischen" Ausbildung zusammenführen.

Hiergegen gibt es massive Widerstände seitens der Kinderpflege, vor allem aber aus dem Bereich der Altenpflege.

Die Kernpunkte der neuen Standardausbildung für Pflegefachkräfte lagen jedoch eindeutig auf Kosten der Altenpflege - und damit letztendlich auf Kosten der pflegebedürftigen älteren Menschen. Dabei hat sich das frühere Bildungssystem für die Altenpflege bewiesen, da die hohe Lebensqualität der Pflegetätigkeit als hoch eingestuft wird. Seit einigen Jahren erleben immer mehr Jugendliche die Altenpflege als aufregenden Berufsstand - ungeachtet aller Unkenruflichkeiten, vor allem in den Massenmedien.

Im Jahr 2015/16 werden 28.000 Jugendliche ihre Ausbildung in der Altenpflege aufnehmen, das entspricht knapp 70.000 Auszubildenden. In der geplanten generalistischen Ausbildung wird es organisationsbedingt schwierig sein. Akutversorgung im Spital, Langzeitversorgung in einer Versorgungseinrichtung, Ambulanz, Kinderpflege, Kinderheilkunde und Psyche, Krankenpflegeberatung, Palliation der Patienten und Wiedereingliederung. Die angehenden Altenpflegerinnen und Krankenpfleger investieren dann nur noch die Hälfte ihrer Zeit in den Praxisteil ihrer Ausbildung in ihrer Heimpflegeeinrichtung wie heute.

Durch diesen "wandernden Zirkus", der durch immer neue Facetten eine ungeheure Rastlosigkeit in die Altenpflegeeinrichtungen bringt, gehen auch die Praktikanten in der Kinder- oder Krankenpflege. Aber auch die Institution, die den Lehrvertrag abgeschlossen hat, hat viel zu tun. Er ist für die praktische Ausbildung in allen Ausbildungszentren zuständig und muss diese an zentraler Stelle einrichten.

Für die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe wird es kaum möglich sein, sich eine Ausbildung mit einem solchen Kostenaufwand zu ersparen. Kritisch ist auch, dass der Theorieteil der Ausbildung stark erhöht wird, so dass Sekundarschüler, die einen erheblichen Anteil an den Altenpflegeschülern haben, es nicht leicht haben werden. Allerdings besteht ohne das Potential der Schüler der Hauptschule die reale Gefahr eines Personalmangels in der Altenpflege.

Eine umfangreiche Befragung von 8.000 Pflegekräften hat die Dt. Fachgesellschaft für Alterspsychiatrie durchlaufen. Eine Folge war, dass 37% nicht mit der Ausbildung angefangen hätten, wenn sie bereits Generalist gewesen wäre. Mindestens 19% würden nach einer Allgemeinbildung in die Pflege umsteigen. Eine wirklich spannende Sichtweise für die Altenpflege in Deutschland.

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