Mona Granato

Die Mona Granato

Das Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn (bibb) with expertise in: Die Mona Granato Zunehmende Ungleichheit der Chancen für junge Menschen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Bildung? Junge Menschen und Unternehmen - beide Parteien benötigen Hilfe. Die Chancen für Bewerber, am Wettbewerb teilzunehmen, haben sich in den letzten zehn Jahren etwas erhöht. Allerdings haben Bewerber mit migrantischem Hintergrund von dieser geringen Entlastung bisher kaum etwas profitieren können. In der betrieblichen Berufsausbildung waren sie Ende 2014 ebenso wenig zu finden wie 2004, als der Ausbildungsmarkt noch sehr eng war.

Im Falle von Bewerbern ohne migrantischen Hintergrund ist der Prozentsatz derjenigen, die sich Ende 2014 in der betrieblichen Berufsausbildung befanden, im Jahresvergleich um vier Prozent gestiegen.

In zunehmendem Maße ist die Situation auf dem Lehrstellenmarkt von Anpassungsproblemen geprägt: Im Jahr 2015 ist die Anzahl der Ausbildungsplatzsuchenden leicht gesunken. Zugleich ist das Angebot an innerbetrieblichen Ausbildungsplätzen leicht gestiegen, obwohl sie immer noch weit unter der Anzahl der ausbildungswilligen Auszubildenden liegt. Obwohl das betriebliche Ausbildungsplatzangebot leicht gestiegen ist, hat sich die Anzahl der freien Stellen auf 41.000 erhöht, was einen neuen Höchstwert seit 1996 darstellt.

Andererseits gibt es aber immer noch zu viele Auszubildende, die nicht in eine Berufsausbildung einsteigen können: Im Jahr 2015 konnten rund 80.800 Auszubildende keinen Lehrplatz finden. Mit anderen Worten, es wird immer schwieriger, das Wirtschaftsangebot und die Bedürfnisse der jungen Menschen zusammenzuführen. Siehst du einen Kontext zwischen der Bildungsorientierung von jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und ihren niedrigeren Einstiegschancen in eine Berufsausbildung?

Die Migrantenfamilien sind meist stärker auf Bildung ausgerichtet, obwohl sie oft eine weniger günstige gesellschaftliche Stellung haben. Jugendliche mit und ohne Zuwanderungshintergrund, also Jugendliche und Jugendliche, sind an einer fundierten Berufsausbildung und am beruflichen Weiterkommen beteiligt. Hohe Einkünfte ( "86%") und Karrieremöglichkeiten ("86%") werden von Bewerbern ohne Rücksicht auf ihren migrantischen Hintergrund gleichermassen oft als (sehr) bedeutsam eingestuft, laut einem Fazit der BA/BIBB 2014 Bewerberbefragung, aber noch öfter als von Befragten ohne migrantischen Hintergrund, bringen sie den Willen zum Ausdruck, anderen Menschen in ihrer zukünftigen Tätigkeit zu unterstützen (68% bis 60%).

Gilt die verhältnismäßig geringe Chance auf einen Übergang in eine Berufsausbildung für alle Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte? Mit zunehmendem Abschluss des Schulabschlusses steigen die Chancen auf einen Lehrplatz, auch in einem begehrten Lehrberuf. Für Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss ohne migrantischen Hintergrund heißt das beispielsweise, dass sie mit 46% deutlich öfter in die innerbetriebliche Berufsausbildung einsteigen als mit max. 30% Sekundarschulabschluss, so die Resultate der BIBB-Kollegen Ursula Beicht und Julia Gei auf der Basis der Antragstellerbefragung 2014 BA/BIBB. Allerdings ist bei migrantischem Hintergrund die Vermittlungsquote für einen Sekundarschulabschluss nur um 5%-Punkte im Vergleich zu denen mit einem maximalen Sekundarschulabschluss gestiegen.

Damit gelang es 2014 nur 28% der Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss mit migrantischem Hintergrund, eine innerbetriebliche Berufsausbildung zu finden - gegenüber 46% derjenigen ohne migrantischen Hintergrund. Auch innerhalb der Jugendgruppe mit migrantischem Hintergrund gibt es erhebliche Unterschied. Nach weiteren Erkenntnissen der BBB-Kolleginnen Ursula Beicht und Julia Gei auf der Basis der Bewerberbefragung 2014 liegen die Vermittlungsquoten in der betrieblichen Berufsausbildung bei rund 32% für diejenigen, die aus Osteuropa oder den Gliedstaaten der GUS kommen, bei nur 24% für diejenigen, die aus der Türkei, einem Araberstaat oder sÃ?

31 Prozentpunkte der Antragsteller aus Osteuropa oder den GUS-Staaten kommen aus der Türkei, oder Sie haben uns gerade gezeigt, dass junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte weniger Zugangschancen zu einer Berufsausbildung haben als junge Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte - auch wenn sie über den gleichen Schulabschluss verfügen. In den Unternehmen oder bei den jungen Leuten selbst?

Die Mona Granato: Auch bei gleicher Schulausbildung oder akademischer Leistung oder Metakognitionsfähigkeit, bei gleicher kultureller und gesellschaftlicher Ausstattung oder ähnlichen gesellschaftlichen Herkünften oder Anwendungsstrategien und bei gleicher Situation auf dem Bildungsmarkt haben Jugendliche mit migrantischem Hintergrund weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz, vor allem türkischer oder arabischer Abstammung.

Aus diesen Gründen, d.h. den persönlichen, kultur- und sozialpolitischen Möglichkeiten sowie der regionalen Situation auf dem Bildungsmarkt und anderen kontextuellen Gegebenheiten, können die niedrigeren Erfolgschancen junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auf den Umstieg in eine Berufsausbildung nicht eindeutig erklärt werden. Mit den verfügbaren Forschungsergebnissen liegen vielfältige Hinweise auf die Diskriminierung von jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte vor, die insbesondere während des Übergangs in die Berufsausbildung nicht studienfähig sind.

In verschiedenen Erhebungen wird das Fehlen von Anmeldungen als Begründung dafür angeführt, dass Unternehmen keine jungen Menschen mit migrantischem Hintergrund qualifizieren. Die Dissertation " Junge Menschen gelten nicht für mich " kann weder durch die Forschung des BIBB noch durch andere Arbeiten unterstützt werden. Allerdings gibt es Auswertungen, die belegen, dass Antragsteller mit migrantischem Hintergrund wesentlich häufiger zu Interviews von Unternehmen einladen als Antragsteller ohne migrantischen Hintergrund.

Die Folge: Weniger häufig wurden Anmelder mit türkisch anmutenden Bezeichnungen zu einem Gespräch geladen, öfter Anmelder mit einem deutschen Bezeichner. Welchen Stellenwert hat ein migrantischer Hintergrund im Unternehmensalltag für diejenigen jungen Menschen, denen es gelungen ist, einen Lehrplatz zu errichten? In einer süddeutschen Untersuchung sind drei von vier Unternehmen mit ihren Trainees mit migrantischem Hintergrund ebenso wie mit Trainees ohne migrantischen Hintergrund gleichermaßen überzeugt.

Laut der BIBB/BAuA-Jugendbeschäftigungsumfrage 2012 sind auch die Auszubildenden mit migrantischem Hintergrund weitgehend mit ihrer täglichen innerbetrieblichen Ausbildung befriedigt und fühlten sich gut in ihren Unternehmensverbunden. Wie kann sichergestellt werden, dass mehr junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einen Ausbildungsstellenplatz haben?

Die Mona Granato: Es ist daher von Bedeutung, dass jeder engagierte Absolvent, der eine allgemeine Schulbildung abgeschlossen hat, einen Ausbildungsstellenplatz oder eine andere vollqualifizierte Ausbildungsmaßnahme bekommt. In diesem Zusammenhang hat die innerbetriebliche Weiterbildung den Vorzug. Reicht das innerbetriebliche Ausbildungsangebot nicht aus, sollte über ein zusätzliches externes Ausbildungsplatzangebot nachgedacht werden, möglichst in der betriebsspezifischen Ausführung.

Einerseits ist es notwendig, sowohl die Transformationsprozesse als auch die Berufsausbildung zu durchlaufen. Begleitet eine ausgebildete Person mit vorbildlicher Funktion die Jugendlichen durch den ganzen Orientierungs- und Qualifikationsprozess, leistet dies einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Überganges von der Schule in den Beruf. Durch die Beteiligung an der beruflichen Einstiegsförderung und vergleichbaren Angeboten steigen die Chancen von Bewerbenden mit migrantischem Hintergrund in die innerbetriebliche Berufsausbildung.

Auch das Praktikum hat sich als vorteilhaft herausgestellt, da es einen bestimmten "Klebeeffekt" hat: Unternehmen, die einen jungen Menschen bereits gut kenn. Das betrifft sowohl junge Menschen mit als auch ohne Zuwanderungshintergrund. Besonders lange Praktikumsplätze können Unternehmen helfen, junge Menschen kennenzulernen. Welche weiteren Anpassungen müssen wir vornehmen, um die Gleichstellung junger Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte zu erreichen?

Die Mona Granato: Nicht nur junge Menschen benötigen Hilfe, sondern auch die Wirtschaft, insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmungen (KMU). Laut einer Untersuchung des BIBB (Expertenmonitor) betrachten die meisten Fachkräfte der beruflichen Bildung - 85 Prozentpunkte - den persönlichen, externen und unternehmensbegleitenden Kontakt als Stütze. Insofern können sowohl junge Menschen als auch solche aus der Wirtschaft durch entsprechende Maßnahmen wie die geförderte Berufsausbildung unterstützt und beraten werden.

Davon können vor allem kleine und mittelständische Unternehmer und ausbildende Firmen mit ( "zunehmend") Ausbildungswunsch an junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte profitierten. Nicht zuletzt: In vielen Bundesländern fehlt es an innerbetrieblichen Ausbildern. Eine ausreichende Anzahl von Ausbildungsstellen ist notwendig, um die Chancen auf Zugang zur Berufsausbildung für junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu verbessern. Dabei sollte neben dem Ausbau der außerbetrieblichen Stellen vermehrt die postgraduale Berufsausbildung im Vordergrund stehen.

Jugendliche mit migrantischem Hintergrund haben nahezu drei Mal so viele berufliche Qualifikationen wie solche ohne migrantischen Hintergrund. Jugendliche, die an einer graduierten Nachqualifizierungsmaßnahme teilhaben, sollten ein über dem Grundeinkommen liegendes Gehalt ausweisen. Dies gilt vor allem für Jugendliche mit einer eigenen Famiie. Das Potenzial so vieler Jugendlicher brach zu belassen, ist eine Verschwendung von Ressourcen für beide Parteien, für die Jugend sowie für die Gemeinschaft und die Wirtschaf.

Über die Person: Dr. Mona Granato ist Forschungsassistentin und Projekt-Sprecherin des Forschungsprojektes "Bildungsorientierung und Entscheidungen junger Menschen im Spannungsfeld von Bildungsangeboten" im BIBB in Bonn.

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