Maschinenmann

Mechaniker/in

Maschinist Bedeutende Werke: Dr. Charlien Neumann ist in den 30er Jahren Single und fungiert als Konstrukteur für "Better Future": Als kleines Mädchen wollte er kein Lokführer sein, er wollte selbst der Lokführer sein und sich in Begleitung komplexer Rechenalgorithmen wohlfühlen als normale Menschen - ganz zu schweigen von der Frau. Nachdem Charlies durch Nachlässigkeit bei einem Unglück ein Glied verloren hat und es durch eine bio-mechanische Ersatzprothese ersetzen kann, die mehr kann als sein bisheriges Glied, genießt er die Idee, seinen körperlichen Zustand weiter zu "verbessern".

Charlie lehnt einen Physiotherapeuten ab. Auch Cassandra Cautery, die Krisenbeauftragte von Better Future, fängt an, sich um ihn zu kümmern und ein wachsames Ohr für ihn zu haben. Glücklicherweise betreut ihn die Prothesenspezialistin Lola Shanks - sie erweist sich aus einem ganz konkreten Anlass als seelische Partnerin.

Selbstverständlich erhält sie von Bessere Zukunft einen, der viel besser ist. Von nun an kann Charlie auf Colas menschliche Perspektive bei seinen eigenen Experimenten nicht mehr verzichten. Von nun an kann Charlie nicht mehr auf die menschliche Perspektive aufpassen. Doch nur Colas Töne lenken Charlies Aufmerksamkeit auf das fundamentale Fehlen im Feld des Sinnesfeedbacks: Nein, Charlie will nicht die Welt beherrschen. Charlies will nur Lola.

Aber es ist nicht so leicht, denn zu seinem Bedauern muss Charlies Entdeckung gemacht werden, dass ein wichtiger Teil von ihm nicht zu sich selbst sondern zu seinem Auftraggeber gehört: all seine Mechaniker. Damit hat der Betrachter vor der Hauptperson einiges an Wissen über die Welt, und das ist seinerseits nicht wirkungslos: Charlies Verhalten ist entweder albern, blauäugig oder naive.

Infolgedessen muss der Sprecher kämpfen, um seinen Held auf halbem Weg seriös zu machen. Dies ist nur teilweise gelungen, aber zumindest wird Charlie ein wenig sympathisch - vor allem in Lolas Augen. Auch wenn es nicht so ist, ist es doch so. Immer häufiger tritt Charlie als das Feld in Erscheinung, auf dem der Interessenkrieg ausgetragen wird, den seine Kompanie auf der einen Seite behaupten will, auf der anderen Seite verkündet Lola.

Wirtschaft oder Menschheit, wie soll es sein, Dr. Neumann? Lolas Familienname sagt auch einiges aus. Nein, er ist kein "Superman", sondern nur ein Techniker mit einem neuen Menschendrang: Lola für sich zu begeistern und mit ihr wegzulaufen. Den ersten Teil dieser Erzählung hat der Schriftsteller, wie der Epilog berichtet, am 19. Mai 2009 veröffentlicht, vor allem um seinen geduldigen LOGOLAND-Fans zu zeigen, dass er nicht nur die Daumen verdreht hat.

Unglücklicherweise muss der Betrachter lange Prosa-Strecken vor und nach denen der Schriftsteller Charlie Neumanns Lebensweg erklärt, denkt und nicht liebt. Im LOGOLAND haben fast alle Richtungspfeile ihr Wegweiser gefunden, aber im "Maschinenmann" laufen einige Dinge schief und einige Richtungspfeile sind schlichtweg dumpf.

Charlies Auftraggeber ist ein Rüstungsunternehmen, das im wahrsten Sinne des Wortes die Grenze für die "Better Future", die seinen Ruf ausmacht, überschreiten würde. So muss Charlies künstliche Extensions letztendlich wegfallen - er wurde sozusagen entrechtet. Doch jetzt hat Lola ihren Charly ganz für sich allein. Das heißt aber nicht, dass man mit dem "Maschinenmenschen" nicht auch Spass haben kann.

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