Ein Maler

Eine Malerin.

Der Maler aus Deutschland: Gerhard Richter. Mehr über die Berufsbeschreibung "Maler", die Ausbildungsinhalte, welche Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt und vieles mehr erfahren Sie in unserem Ratgeber. Eine Malerin im Rucksack Wenn es ihm schließlich gelang, stürzte der Maler Max Gubler ein. Es galt, die Gemälde aus der Zeit der "Krankheit" von Max Gubler (1898-1973) zu verstecken. Der Zürcher Kunsthistoriker Gotthard Jedlicka initiierte 1961 mit diesem Hinweis an die Angehörigen und Freundinnen des Künstlers ein über fünfzig Jahre andauerndes Versteckenspiel.

Die Malerin wurde nicht verhört. Seit 1958 wohnte er mit Unterbrüchen in der Außenseite der Institution und hatte 1961, nach dem Tode seiner Ehefrau, die Malerei eingestellt. Die ungestümen, bunten Gesten von Max Gubler zogen in den 1950er Jahren zunehmend Kaufinteressenten, Sammler auf sich. Mit Arnold Rüdlinger, Direktor der Basler Kunstanstalt und Pionier des abendländischen Ausdrucks in der Schweiz, rückt Gublers elementarer Formsprache zwischen figürlich und gegenständlich in die Nachbarschaft des Informels.

Der Maler erlebte um 1960/61 einen millionenschweren Umsatzboom, damals war er bereits zutiefst in einer Illusion der Verarmung gefangen. Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass der Wohlstand des Künstlers auf diese Art und Weise gerächt wird, und doch verbergen sie eine tiefe Bedeutung, wenn man, wie Max Gubler, an etwas anderes als die Regeln des Marktes denkt.

In seiner Laudatio würdigte der Kulturhistoriker Walter Hugelshofer den "mächtigen und originellen Designer" als besondere Leistung, indem er ihm den "spirituellen Tod" attestierte, gleichzeitig aber den Institutionenwechsel als "freien Willen" erklärte. Der Maler ist für Augenblicke satt. Die Notationen von Jedlicka sind dichter, suggestiver, voller Zweifel an sich selbst und geben aufregende kultur- und psychiatrische historische Einblicke in die Züricher Kulturszene um 1950. Ernsthafte Auseinandersetzungen werden ausgetragen: zwischen den beiden Mannen, zwischen ihrem Vater und ihrer Tochter Gubler, die versuchten, alle drei kunstvoll agierenden Nachkommen auf verschiedene Art und Weisen zu führen, zwischen den Gebrüdern Ernst und Max und zwischen dem Malerpaar, dessen symbiotische Gestalt annahm.

Darüber hinaus ist eine Monographie geplant, um Gubler als den größten schweizerischen Maler zu positionieren, jenseits von Hoodler und als Gegenpol zu den Züricher Bauten (posthum 1970 veröffentlicht). Max Gublers Krisewerk wurde an verschiedenen Stellen geschaffen: in der Institution und im Studio. In den beiden Phasen der Institution, in denen Gubler als bevorzugter privater Patient unter der unterstützenden Leitung seiner Ehefrau Maria malt, die sich bald in Streitigkeiten verwandelte, wechselten die Gemälde.

Gubler kehrte im Jahr 1959 aus der Institution in die Freiheitsbewegung zurück. Große Gemälde forderten ihn heraus, mit Ausstellungsideen tauchte er in ein intensives, bald fieberhaftes Bildwerk ein: Maria, das Künstlerehepaar, Landschaftsbilder, Selbstbilder mit und ohne Staffelei. Der Künstler, der sich in der Lage sah, seine Werke zu zeigen. Bei unzähligen roten oder schwarzen dominanten "wilden Köpfen" ähneln sich die physiognomischen Eigenschaften von Maria und Max bis hin zu nahezu identischen, übereinander liegenden Profilbildern.

Es sind immer Kopfstücke - Profil und Gesicht -, die der Maler routinemäßig durch formelle Schluchten verfolgt, sich in ein Drahtgehege einschließt, unter Trägern vergraben, Furchen, aufreißen, sich ausbreiten, auflösen. Es sieht so aus, als würde er viele Kopfformen eröffnen - Körperprozesse, die uns an Maria Lassnig denken lassen. Die früher als befreiende Kraft aus der Institution verehrte Maria Gubler weckt Ängste und Zorn.

Wurde Max Gublers Werk, das angeblich 1957 fertiggestellt wurde, im Jahr 1959 in der Baseler Stadthalle gefeiert, musste er nach Prefargier zurückkehren. Bei Maria Gublers zweitem Atelierbesuch im Jahr 1961, kurz vor seinem Tode, waren die stillen, starken Farboberflächen der Landschafts- und Porträtaufnahmen ganz anders. Das Gemälde, das an die Schlichtheit des Blue Rider zurückdenkt, scheint besänftigt und erfüllend.

Das wissen wir nicht, denn Max Gubler hat sich nach dem Tode von Maria geweigert, weiter zu zeichnen. Gublers Gemälde verkörpert eine "extreme Antithese" zu Alberto Giacometti, sagt Matthias Frehner (Katalog Bern, 2015), aber es besteht "eine unmittelbare Beziehung zu den angetriebenen und verzerrten Figuren von Maria Lassnig, Martin Disler, Miriam Cahn". Denn wenn Matthias (1947) Recht hat: "In der bildenden Künste fängt die Realität dort an, wo man nicht mehr begreift, was man macht und was man weiß, und wo eine Macht bleibt, die umso mehr funktioniert, je mehr sie sich widersetzt, desto mehr wird sie komprimiert und verdichtet", dann gilt dies insbesondere für Gublers Krisewerk, das heute als Gegenleistung in denästhesiediskurs passt.

Die Tabuisierung und Pathologisierung der Künste im Rahmen der psychiatrischen Forschung, in der sich die Kunstmarktkalkulation mit Scham vermischte, korrespondierte mit dem öffentlichen Konsen. Bereits 1963 stellte Harald Szeemann in der Berliner Stadthalle mehrere "petits maîtres de la folie" (Cocteau) aus den Kollektionen in Heidelberg, Bern, Lausanne und Paris unter dem Namen "Insania pingens" aus.

Die Kollektion von Dubuffet wurde 1976 in Lausanne eingerichtet, die Heidelberg "Prinzhorn Collection" wurde 1980 in der Basler Stadthalle ausgestellt, und so weiter. Mit der von Mutmaßungen umgebenen Werkgruppe befassen sich zwei Einzelausstellungen auf verschiedene Art und Weisen. Das Schaffhauser Allerheiligenmuseum (2014/15) hat sich unter dem Namen "Der andere Gubler" auf diese konzentriert. Aber im (!) Bestreben, die Kontinuität des Designs, das Ästhetische Spezielle, zu zeigen, ging der "Riss" im Lebensweg und Schaffen des Künstlers verloren.

Die Schwerpunkte im Kanton Bern liegen auf Max Gublers "Lebenswerk": Jeder Saal vereint inhaltliche und zeitliche Gesichtspunkte in einer "Doppelstruktur". - Beide Vorträge veranschaulichen, dass sich Gublers Krisewerk als Ausstellungs-Kunst versteht und zu einer Aufwertung seines Werkes beizutragen hat.

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