Duale Ausbildung was ist das

Doppelte Ausbildung, was ist das?

Herkunft und Eigenschaften des Systems der doppelten Ausbildung Der Ursprung der Ausbildung in Deutschland liegt im Vorindustriezeitalter. Der vorliegende Artikel gibt einen kurzen und prägnanten Überblick über die geschichtliche Entstehung des Bildungssystems in Deutschland und seine besonderen Merkmale im Weltvergleich. Lange vor Beginn der industriellen Nutzung in Europa gab es bereits erste Anzeichen einer geregelten Ausbildung in den Metropolen. Als Berufsverbände der Handwerker (z.B.

Weber, Backer, Schuhmacher, Schmiede) regulierten die Innungen die Praxisausbildung und führten Abschlussexamen durch.

Außerdem konnten die meisten Berufsgruppen nur von Angehörigen der jeweiligen Gilde, d.h. Auszubildenden, Handwerksmeistern und Magistern ausübbar sein. Das Handwerk ist im Lauf der Jahre immer mehr unter zunehmenden Einfluss geraten, zunächst von Fabriken, in denen es bereits eine Arbeitsteilung gibt, was dazu geführt hat, dass in kürzester Zeit deutlich mehr Waren gefertigt werden können.

Neben der verhältnismäßig geringen Leistungsfähigkeit des Handwerks, aber auch liberalen Ströme und Vorstellungen vom freien Warenverkehr, vor allem den Grundsätzen der Berufs- und Handelsfreiheit, wurde das rigide Innungssystem und damit auch das klassische Bildungsmodell endgültig gestürzt (Henning 1996). Traditioneller reagiert Deutschland mit dem Handwerksgesetz von 1897, in dem die Handwerkerkammern wieder mit der Aufgabe betraut werden, die Ausbildung von Auszubildenden zu regeln (Rinneberg 1985).

An diesem Bildungsmodell hat sich auch die dt. Unternehmen orientiert und es im Hinblick auf die Anforderungen der industriellen Arbeit weiterentwickelt. Mit dem Handwerksgesetz (HwO) von 1953 und dem BBiG von 1969 wurde das Land endlich zu einem weiteren wichtigen Instrument in der beruflichen Bildung neben der gewerblichen (Greinert 2006). Von nun an war die Ausbildung bundesweit vereinheitlicht und der zweite Bildungsort neben dem Unternehmen, die Landesberufsschule, gesetzlich festgelegt.

Das bis heute in Deutschland bestehende "duale Ausbildungssystem" ist auch in der Schweiz, Österreich und Dänemark weit verbreitet (Ebner 2013). Weitere idealerweise typische Berufsausbildungssysteme sind das englischsprachige freiheitliche "training on the job"-Modell, bei dem die beruflichen Fähigkeiten im Unternehmen nach betrieblichen Bedürfnissen gelehrt werden, und das französische Konzept, bei dem die Ausbildung an staatlichen berufsbildenden Schulen mit geringerer Beteiligung der Industrie erfolgt (Greinert 2005).

Die duale Ausbildung in Deutschland hat einen exzellenten internationalen Stellenwert. Nach Ansicht vieler Fachleute stellen in Deutschland ansässige Spezialisten die Basis für eine technologisch reife, hochqualitative Fertigung und den Exporterfolg Deutschlands bei hochpreisigen Waren dar (Streeck 1991). Doch wie sieht das Charakteristikum des dt. Trainingsmodells aus? Wesentliches Merkmal des dualen Systems sind seine beiden Lernorte: die Berufsfachschule und der Unternehmen.

Die Ausbildung erfolgt größtenteils an drei bis vier Tagen in der Zeit. Das Training beginnt mit einem zwischen dem Auszubildenden und dem Unternehmen abgeschlossenen Lehrvertrag. Im Rahmen der Ausbildung - die in der Regelfall drei Jahre beträgt - gibt es in der Regelfall eine obligatorische Berufsschule. Auch die Auszubildenden bekommen ein Gehalt, das mit zunehmender Ausbildung steigt und für einige Schulabgänger auch ein entscheidender Faktor bei der Entscheidung gegen ein Abitur ist.

Ein weiteres besonderes Merkmal der doppelten beruflichen Bildung ist ihre "korporative" Kontrolle, d.h. die paritätische Mitwirkung von Land und Wirtschaft: Der Bund definiert die Rahmenbedingung und -normen für die Ausbildung (Rechte und Pflichten von Lehrlingen, Entlohnung, Eignung von Ausbildungsstätten und Lehrpersonal, Abschlussprüfungsvorschriften usw.) über das Berufsausbildungsgesetz (BBiG) und die Gewerbeordnung (HwO).

In der Berufsausbildung wirken sich die Wirtschaftszweige ihrerseits durch die Tarifpartner - das sind die Unternehmerverbände und die Verbände - auf die Berufsausbildung aus, indem sie Bildungsinhalte und Lernbedingungen für die einzelnen Bildungsberufe festlegen, die dann in den jeweiligen Ausbildungsverordnungen festgelegt werden (siehe auch Berufe, Berufsentscheide und Übergänge zur Ausbildung). Die Ausbildungsordnung wird vom BIBB[ 1] mit Experten aus der beruflichen Praxis (von den Tarifpartnern benannt) erstellt; auch die Koordination mit den von Experten aus den Ländern (von den Bildungsministerien benannt) erstellten Rahmencurricula der Berufsschulen wird beachtet (siehe auch: BIBB 2015).

Duale Ausbildung im inter-nationalen Zeitvergleich. Grußwort von Dr. Wolf-Dietrich (2006) Historie der beruflichen Bildung in Deutschland. 499-508. Henning, Friedrich-Wilhelm (1996) Handbook of Economic and Social History in Germany. Teil 2: Die Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte Deutschlands im Endeffekt. Rinneberg, Karl-Jürgen (1985) Unternehmensausbildung während der Zeit der Umstrukturierung der Industrie in Deutschland.

Stratmann, Karlwilhelm (1993) Ausbildung zur Industriekauffrau in Deutschland.

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