Das Handwerk Ausbildung

Die handwerkliche Ausbildung

Holzhandelsausbildung - Der Handel "Das ist gutes Holz!" sagt man beim Bowling. Eines haben die verschiedenen Berufsgruppen der Industrie jedoch gemeinsam: Es geht darum, das Optimum aus Edelhölzern und anderen Naturmaterialien zu holen. Vor allem wenn Sie über künstlerische Fähigkeiten verfügen, eröffnet Ihnen dieses Handwerk attraktive Aussichten. Wer bodenständiger ist, hat bei der Ausbildung zum Parkettschleifer die Möglichkeit, sein Wissen über den Naturstoff Wald - "gutes Holz" - anzuwenden.

Bildung: Wozu Handwerkskunst blüht - und doch mangelt es immer noch an Nachwuchskräften?

Anschließend werden ihre Bezeichnungen diagonal in komischer Schrift mit Hashwerten eingeblendet: #Marvin und #Charly. "Das sind die Praktikanten", steht da, "eine höllische Bastelreise." Für fünf Monaten, von Aug. bis Dez. 2017, bereisten die Schulabgänger Marvin und Charlotte, genannt Charly, im Auftrage des Zentralverbandes des Saarländischen Handgewerbes 5800 km durch Deutschland, um fast vierzehn Gewerke zu erproben und ihre Kollegen auf YouTube, Instagram und Facebook zu inspirieren.

Nun, ein dreiviertel Jahr später fangen sie beide an zu lernen. Marvin Fahrzeugbau wird Charly internationales Managementwissen erlernen. Das ist ein bedauerliches, aber auch typisch späteres Ende einer Handlung, die vor allem ein Hilfeschrei war - denn so vielen Fachkräften fehlt es im Handwerk heute so sehr, dass selbst der Neubau von Wohnraum bedroht ist. Ein Gutachten der KfW kommt zu dem Schluss, dass bis 2020 jedes Jahr 350.000 bis 400.000 neue Wohnhäuser errichtet werden müssen, um den Wohnungsnotstand in Deutschland zu bekämpfen - dafür gibt es aber keine Handwerksbetriebe.

Nach Angaben der BA fehlt es zurzeit 150.000 Fachkräften im Handwerk, aber der aktuelle Fachkräftemangel ist noch gravierender, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Handwerks: "Viele Unternehmen haben ihre Stellenangebote gar nicht mehr gemeldet. In Notsituationen wie Sturm oder Wasserschaden sind die Fachleute immer noch rasch vor Ort, sagt Wollseifer, aber: "Wenn Sie ein neugeschaffenes Hausdach wollen, weil es ersetzt werden muss, müssen Sie vielleicht zehn bis zwölf Kalenderwochen warten", so Wollseifer.

Bei vielen Handwerkern sind die Orderbücher bis auf die Knochen voll und können kaum verarbeitet werden. Die Auszubildenden des Bauhauptgewerbes - zum Beispiel Maurer anwärter oder Zimmerleute - zählen inzwischen zu den bestbezahlten Auszubildenden: Im dritten Lehrjahr erhalten sie fast 1500 EUR pro Kalendermonat brutto, in Ostdeutschland etwas weniger. Gleichwohl geht Präsident Wollseifer davon aus, dass es bis Ende Sept. noch immer rund 20000 unbesetzte Ausbildungsplätze im Handwerk geben wird.

Das wäre eine weitere Steigerung: Zum Stichtag 31. Dezember 2017 waren 15.297 Lehrstellen im Handwerk nicht besetzt, "trotz der sehr positiven Zukunfts- und Berufsaussichten", wie der Präsident des Handwerks betonte. Der Umsatz im Handwerk steigt seit Jahren, allein zwischen 2016 und 2017 um 3,4 Prozentpunkte auf 581 Mill. stück. Im Mittelpunkt standen laut Willseifer "die Auszeichnung des Handwerks" und "die Würdigung der praktischen Berufsausbildung und Arbeit".

"In Deutschland gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen " Höherqualifizierungstrend ", d.h. immer mehr junge Menschen beenden die Schulzeit mit einem Reife- oder Berufsabitur. Für viele scheint der Beginn einer Ausbildung mit einem Schulabschluss, der tatsächlich nur einen Realschulabschluss erfordert, eine "riskante Vergeudung ihrer Bildungsarbeit" zu sein. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des BIBB zu der Fragestellung, warum Unternehmen und junge Menschen einander nicht mehr finden.

Bei 61 Prozentpunkten der nicht besetzten Lehrstellen handelt es sich um solche, für die ein Realschulabschluss als Einstiegsmindestanforderung festgelegt wurde - und das gilt für die meisten Handwerke. Ausbildungsstellen, für die ein Reifezeugnis oder eine Fächerhochschulreife erforderlich ist, können dagegen in der Regelfall ohne Probleme vergeben werden. "Die Jugendlichen achten auch auf die Konsequenzen, die der ausgewählte Berufsstand für ihre gesellschaftliche Zugehörigkeit hat", heisst es im Bericht des BIBB.

Früher mithalten, fleißig sein, wenig Geld einnehmen - das ist der Trias, der sich anscheinend immer noch an das Handwerk klammert und viele entmutigt. Zu dem Schluss kam die DKE auch in einer Untersuchung, dass viele Erziehungsberechtigte dazu neigen, junge Menschen zu beraten, einen bestmöglichen Hochschulabschluss zu erreichen, anstatt eine Ausbildung zu starten.

Beim 22-jährigen Löffinger waren es nicht die Erziehungsberechtigten, die versuchten, ihn aus der Ausbildung zum Dachdecker zu vertreiben - es waren die Dozenten. Mit ihren 44 Praktika habe sie viele Vorbehalte überwinden können, aber einige davon seien auch bestaetigt worden, sagt Charly. Dort wurde ihr eine Ausbildung versprochen - aber sie weigerte sich, weil sie auf der Seite modellieren will und "die Verpflichtung, an der Universität präsent zu sein, ist nicht so streng".

Besonders zu Hause fühlt sich Marvin bei dem Kfz-Mechatroniker und dem Ofensetzer. Dennoch entschied er sich auch gegen eine Ausbildung. "Vielleicht ist das auch einer der Motive, warum viele junge Menschen vor einer Ausbildung zurückschrecken: die vermeintliche mangelnde Selbstständigkeit. Der Schulungsvertrag muss beendet werden; es steht ein Gespräch mit Vorgesetzten und Mitarbeitern auf dem Programm.

Auch viele Berufe schienen junge Menschen einfach nicht zu begeistern. Selbst Charly und Marvin konnten das nicht umkehren. Seit 2010 hat sich die Anzahl der jungen Menschen, die erfolglos eine Lehrstelle suchen, vervielfacht.

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