Chancengleichheit

Gleichberechtigung

Formelle Chancengleichheit zielt darauf ab, alle Menschen gleich zu machen. In der Debatte über Chancengleichheit stellt sich unweigerlich die Frage nach sozialer Ungleichheit. Rechtsgleichheit Bevor das Recht, so verlangt es unser Grundrecht, sind alle Staatsbürger gleich. In der Grundgesetzgebung steht: Jeder hat das Recht auf die kostenlose Entwicklung seiner Person. Stattdessen sollten alle Menschen die Möglichkeit haben, das Beste aus ihrem Alltag zu machen.

Deshalb sollten Kindern und Jugendlichen in der schulischen und beruflichen Bildung die gleiche Bildungsmöglichkeit geboten werden, um später einen Arbeitsplatz zu haben.

Ziel der Gleichstellung ist es auch, die Tatsache zu kompensieren, dass es für unsere Familien aufgrund der schlechten Einkommensverhältnisse ihrer Familienmitglieder benachteiligt ist. Bei allen Startschancen: 100-Meter-Lauf der Dekathleten bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 ( picture alliance/ Stefan Matzke/Sampics)Ein sehr alter Anspruch auf Gleichheit wurde bereits in der Erleuchtung Ende des XVII. Jahrhundert aufkommen.

Wofür steht das Gerechte? Vielfalt, Chancengleichheit und was sie vernachlässigen.

In vielen politischen Diskussionen geht es um das, was "gerecht" ist. Dazu zählen "Vielfalt", "Chancengleichheit" und die Ablehnung von Ungleichgewichten zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die z.B. nach Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit festgelegt sind. Sind uns diese toten Winkel nicht bekannt, laufen wir Gefahr, vorhandene Ungleichgewichte (und meiner Ansicht nach Ungerechtigkeiten) durch die Anwendung dieser Faktoren zu verstärken.

Meiner Meinung nach ist eine Debatte darüber keine wissenschaftliche Raffinesse, sondern dass diese toten Winkel sehr konkrete Folgen für die Legitimation und Erweiterung der zunehmenden gesellschaftlichen Ungleichgewichte haben. Nachfolgend werde ich diese toten Winkel umreißen und dann einen alternativen, umfassenderen Blick auf die Ungleichbehandlung und die damit geschaffenen Instrumente werfen.

In engem Zusammenhang mit solchen Überlegungen, aber etwas weitergehend, steht die Beanstandung von Ungleichgewichten auf dem Arbeits- oder Bildungsmarkt im Zusammenhang mit der Gruppenmitgliedschaft. Damit einher geht die Aufforderung, Ungleichgewichte zwischen diesen Bevölkerungsgruppen zu beseitigen. Schließlich ist das Thema Chancengleichheit sehr beliebt, obwohl es sehr unterschiedlich interpretiert werden kann.

Dieser Begriff stellt fest, dass Ungleichheiten, die sich aus der gesellschaftlichen Entstehung ergeben, unfair sind, während Ungleichheiten, die auf unterschiedlichen "Leistungen" beruhen, akzeptiert werden können. Allen diesen Begriffen ist gemein, dass sie sich auf gewisse Aspekte der gesellschaftlichen Benachteiligung konzentrieren, während andere Aspekte ignoriert werden. Infolgedessen werden einige Aspekte der Ungleichheit für zu unrecht befunden, während andere Aspekte der Ungleichheit für gerechtfertigt gehalten werden.

Diversity strebt eine ausgewogene Vertretung gewisser Privilegiertenschichten innerhalb gewisser Konzerne in bevorzugten Einrichtungen an. Vielfalt steht nicht im Gegensatz zu Ungleichheiten innerhalb von Arbeitsgruppen oder Ungleichheiten zwischen Arbeitsgruppen. Die Fokussierung auf Ungleichheiten zwischen den einzelnen Zielgruppen kann etwas weiter gehen. Es geht nicht nur um die Teilnahme an Eliteeinrichtungen, sondern auch um die mögliche Ungleichbehandlung von Gruppierungen als Ganzes.

Ein solcher Blickwinkel lässt jedoch die Ungleichheiten innerhalb der Fraktionen vollständig außer Acht. So ist es beispielsweise möglich, dass Mitglieder von Minderheitengruppen im Schnitt den gleichen Betrag wie die übrige Bevölkerung erhalten, dass aber zugleich innerhalb der einzelnen Bevölkerungsgruppen (d.h. der Minorität und dem "Rest") äußerste Verarmung und äußerster Wohlstand bestehen.

Die Gleichstellung der Bevölkerungsgruppen steht daher nicht im Gegensatz zur Ungleichbehandlung als Ganzes. Das Konzept der Chancengleichheit hingegen ist nicht an die Gruppendefinition gebunden. Chancengleichheit in ihrer Minimalform heißt, dass jeder die gleichen grundlegenden Rechtsansprüche gegenüber dem Land hat. Zugleich empfinden diejenigen, die von Chancengleichheit reden, viele Ungleichheitsformen als fair, weil sie auf unterschiedlichen "Leistungen" basieren.

Welcher Unterschied als Ungleichgewicht der Ausgangsbedingungen angesehen wird, ist je nach Betrachter verschieden. Eine solche Sichtweise übergeht im Allgemeinen viele gesellschaftliche Faktoren, die zu Ungleichgewichten in der Gesellschaft auftauchen. Unter diesem Gesichtspunkt erhebt sich die Fragestellung, ob wir das Gefühl haben sollten, dass später auftretende Übereinstimmungen richtig sind. Gegenüber den begrenzten Möglichkeiten der Vielfalt, der Gleichberechtigung von Bevölkerungsgruppen oder der Chancengleichheit möchte ich eine breitere Sichtweise der sozialen Ungleichheit, ihres Entstehens und dessen, was wir dagegen tun sollten, anregen.

Seit unserer Geburt sind wir einer Vielzahl von gesellschaftlichen Einrichtungen und Verfahren begegnet, die Ungleichgewichte und Differenzen schaffen. Jedes dieser Institute kann vorhandene Ungleichgewichte stärken oder ausgleichen oder zufällig neue Ungleichgewichte schaffen. Ungleichbehandlung ist auch mehrdimensional. Institute können Differenzen in einer Ebene in Ungleichgewichte in anderen Bereichen überführen ("spill over"). So stärkt das schulische System die bestehenden Bildungsungleichgewichte und ermöglicht es, dass unterschiedliche muttersprachliche Gegebenheiten in ungleiche Bildungsangebote übergehen.

Das Institut des Arbeitsmarkts setzt daher Ungleichheiten in der Ausbildung in Einkommensungleichheiten um. Auf dem Immobilienmarkt entscheidet das Wohlstand darüber, in welchen Stadtteilen sich die Menschen das Leben erhoffen. Das Wohnumfeld hingegen prägt das gesellschaftliche Ambiente ihrer Schüler innen und Schüler in der schulischen Ausbildung und wirkt sich damit auf ihre Bildungskarriere aus. Einkommensungleichheit bedeutet also Ungleichbehandlung von Bildungsangeboten.

Unterschiedliche Nationalitäten werden so in Ungleichgewichte bei den wirtschaftlichen Chancen umgesetzt. Bei der Diskriminierung potenzieller Arbeitnehmer durch Arbeitgeber aufgrund von Alter oder Alter, führt die Gruppenmitgliedschaft zu Einkommensungleichheiten. Ein solcher Blick auf die sozialen Ungleichgewichte macht deutlich, dass es viele Ursachen für Ungleichgewichte gibt. Daraus ergibt sich eine normierte Auffassung, die nicht nur gewisse Aspekte der Benachteiligung als unfair bezeichnet, sondern auch andere als gerechtfertigt ansieht - wie "Vielfalt", die nur auf die Verbesserung bevorzugter Teilgruppen abzielt, oder "Chancengleichheit", die Benachteiligungen als gerade dann betrachtet, wenn sie auf "Leistung" basieren.

Vielmehr sollte eine fortschrittliche Strategie all diese Faktoren berücksichtigen, um die Chancen im Alltag derjenigen zu verbessern, denen die Gemeinschaft am wenigsten entgegenkommen.

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