Ausbildungsberuf

Die Vielfalt der Ausbildungsberufe entdecken

Wer auf der Suche ist nach einem passenden Ausbildungsberuf, hat die Wahl zwischen mehr als dreihundert anerkannten Ausbildungen. Obwohl sich deren Zahl seit 1971 nahezu halbiert hat, ist die Berufsausbildung in Deutschland immer noch von großer Vielfalt geprägt. Dabei halten die Berufsbilder mit dem Wandel in der Gesellschaft und der modernen Technik Schritt.

Spezialisierungen und Wahlqualifikationen auf dem Vormarsch

Ausbildung

Früher hatte der gewählte Ausbildungsberuf fast immer einheitliche und für alle Auszubildenden gleiche Inhalte. Auch heute stellen die sogenannten Monoberufe immer noch den weitaus größten Anteil. Viele Berufe werden aber jetzt mit der Möglichkeit angeboten, eine Fachrichtung oder einen Schwerpunkt zu wählen. So kann der Kaufmann für Versicherungen und Finanzen beispielsweise entscheiden, ob er die Prüfung in der Fachrichtung Versicherungen oder Finanzen ablegen möchte.

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Die duale Ausbildung in Deutschland gilt international als vorbildlich.

Eine weitere Möglichkeit der Differenzierung innerhalb eines Ausbildungsberufs sind Wahlqualifikationen. Die Auszubildenden in hoch spezialisieren Wirtschaftszweigen können so zum Ende der Lehrzeit besser auf den praktischen Einsatz in bestimmten Bereichen vorbereitet werden. Um beim Beispiel des Kaufmanns für Versicherungen und Finanzen zu bleiben: wählt er die Fachrichtung Versicherungen, kann er im Prüfungsfach Schaden- und Leistungsmanagement zwischen den verschiedenen Versicherungszweigen wählen, also etwa Sach-, Kraftfahrt-, Lebens- oder Krankenversicherung. Auch in der mündlichen Prüfung, in der unter anderem ein Kundenberatungsgespräch simuliert wird, gibt es diese Wahlmöglichkeit. Um keine Fachidioten heranzubilden, ist aber ein Sparten übergreifendes Basiswissen im allgemeinen Teil der Prüfung nachzuweisen.

Berufsbilder im Wandel

Bei der Suche nach einem Ausbildungsberuf, der den persönlichen Neigungen und Fähigkeiten entspricht, sollte man sich zunächst darüber klar werden, welcher Wirtschaftszweig am besten geeignet ist. Fühlen Sie sich eher an einem Schreibtisch wohl? Dann sind kaufmännische Berufe oder eine Ausbildung in der öffentlichen Verwaltung vermutlich die beste Wahl. Mit handwerklichem Geschick und Interesse an Technik werden es vielleicht Ausbildungsangebote im Metallbereich, Holz- oder Elektroberufe sein. Einen starken Anstieg auf der Beliebtheitsskala verzeichnen IT- und Medienberufe ebenso wie Ausbildungen im Bereich Gesundheit und Soziales.

Veränderte gesellschaftliche Anforderungen und neue Techniken ändern Ausbildungsinhalte und lassen neue Berufsbilder entstehen. Was der Automechaniker noch vor einigen Jahren gelernt hat, reicht heute nicht mehr aus, um mit Elektronik vollgestopfte Fahrzeuge zu reparieren. Der neue Beruf des Kfz-Mechatronikers steht bei männlichen Auszubildenden ganz oben auf der Hitliste. Und auch die Nummer 1 der weiblichen Ausbildungsberufe hat seit einiger Zeit einen neuen Namen und neue Inhalte: aus der Arzthelferin wurde die medizinische Fachangestellte.

Ausbildung auch in Teilzeit möglich

Die duale Ausbildung in Deutschland gilt international als vorbildlich. Duale Ausbildung bedeutet, dass der Ausbildungsbetrieb zwar den größten Teil der Ausbildungsinhalte vermittelt, insbesondere die praktischen Elemente, dass aber die Berufsschule oder eine Berufsakademie den theoretischen Unterbau beisteuert. Das bedeutet nicht nur bestmöglichen Wissenstransfer, sondern auch eine Kostenentlastung für die Ausbildungsbetriebe.

Für alle Ausbildungsverhältnisse gilt der rechtliche Rahmen des Berufsbildungsgesetzes bzw. der Handwerksordnung. Diese werden ergänzt durch die Ausbildungsordnungen des jeweiligen Berufs und die Rahmenlehrpläne der Berufsschulen. Eine klare Regelung ist nötig, damit die jungen Menschen in der Ausbildung auf die Prüfungsanforderungen vorbereitet werden. Oft sind es bundeseinheitliche Prüfungen, die in einem aufwändigen Verfahren für jeden Ausbildungsberuf separat erstellt, qualitätsgesichert und in paritätisch durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer besetzten Fachausschüssen beschlossen werden. Die Verantwortung für die kaufmännischen Berufe liegt beispielsweise bei der AkA, der Aufgabenstelle für kaufmännische Abschluss- und Zwischenprüfungen der IHK Nürnberg.

Das Berufsbildungsgesetz nennt eine Ausbildungsdauer zwischen zwei und drei Jahren. Abweichungen sind aber möglich. Eine interessante Möglichkeit für Quereinsteiger ist die Ausbildung in Teilzeit. Die Ausbildungsdauer für Altenpfleger kann zum Beispiel von drei auf fünf Jahre gestreckt werden. Die Ausbildung ist damit auch in der Familienphase möglich, wenn Eltern sich zum Wiedereinstieg in den Beruf entscheiden und sich neu orientieren oder erstmals einen Ausbildungsberuf erlernen möchten. Auch ein Migrationshintergrund ist keinesfalls ein Hindernis. In manchen Berufen haben mehr als die Hälfte Bewerber ausländische Wurzeln. Auch Menschen mit Behinderungen können anerkannte Ausbildungsberufe im dualen System lernen. Nachteile, die ihnen durch die Behinderung entstehen, werden in der Prüfung ausgeglichen, etwa durch mehr Zeit zum Schreiben oder technische Hilfsmittel.

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