Ausbildung und Studium Gleichzeitig

Training und Studium gleichzeitig

Die studieren und gleichzeitig eine innerbetriebliche Ausbildung. Wie Biologie an der FU Berlin und gleichzeitig eine Ausbildung zum Biotechniker. Eine angemessene ganztägige Ausbildung neben dem Studium ist möglich und möglich.

Die Aufnahme eines studienbegleitenden Hochschulstudiums begründet nicht die Streichung des Ausbildungsvertrages aus dem Register der Lehrverhältnisse. Das Selbststudium in den Abend- und Wochenendstunden erlaubt auch eine angemessene studienbegleitende Ganztagsausbildung. Der Verwaltungsgerichtshof (VG) Aachen hat in seinem Beschluss vom 05.12.2015 festgestellt, dass der Start des studienbegleitenden Studiums keine Rechtfertigung für die Streichung des Ausbildungsvertrages aus dem Register der Lehrverhältnisse darstellt.

Als Begründung wurde angeführt, dass die Teilnahmebedingungen für ein Bachelor-Studium nur begrenzt sind und dass das Eigenstudium problemlos für die Abend- und/oder Wochenendstunden geplant werden kann. Daher ist es nach Ansicht der Sechsten Handelskammer der Westfälischen Wilhelms-Universität Aachen nicht auszuschließen, dass eine angemessene (Vollzeit-)Ausbildung zeitgleich zum Studium erfolgen kann.

Im von der Berufsgenossenschaft beschlossenen Fall hatte der Praktikant im Okt. 2013 einen Arbeitsvertrag mit einem Gestüt, dessen Besitzer ihr Stufenvater ist, zur Ausbildung zum Pferdehalter abgeschlossen. Im Lehrvertrag wurde die Arbeitsleistung auf 8 Std. pro Tag und 40 Std. pro Woche festgesetzt. Neben ihrer Ausbildung begann sie im Herbst 2014 ein Bachelorstudium an der University of Maastricht.

Bei dieser Gelegenheit hat die Agrarkammer Nordrhein-Westfalen den Lehrvertrag aus der Liste der Ausbildungsverhältnisse gestrichen. Der Übungsfirma wurde diese Maßnahme vor dem Aachener Verband der Automobilindustrie zur Last gelegt. Der Verwaltungsgerichtshof Aachen hat die vom Gestüt gegen die Kündigung erhobene Klageschrift bestätigt und für nichtig erklärt. In seinen Begründungen stellte das EuGH im Übrigen fest, dass es keine Beweise dafür gebe, dass der Lehrvertrag nur äußerlich geschlossen worden sei.

Mehr als ein Halbjahr nach dem Start ihrer Ausbildung zur Pferdeschlittenwirtin entschied sich die Praktikantin für ein Studium an der Hochschule und begann ihr Studium erst im Septembers 2014. Daher konnte nicht davon ausgegangen werden, dass das Gestüt und die Auszubildenden nicht beabsichtigt hatten, ein Lehrverhältnis einzugehen. Darüber hinaus ist eine Kündigung des Lehrvertrages wegen der Nichtgarantie einer ordnungsgemäßen Ausbildung nur dann möglich, wenn der Lehrling aufgrund von Anwesenheit und anderen Verpflichtungen während des Studiums nicht in der objektiven Situation ist, eine ordnungsgemäße Ausbildung (im Sinn einer Vollzeitausbildung) zeitgleich zu beenden.

Im Gegensatz zur Grundschule kann ein Studiengang auch in den stärker "geschulten" Bachelor-Studiengängen viel ungezwungener mitgestaltet werden. Es besteht nur eine begrenzte Präsenzpflicht und das Eigenstudium kann problemlos am Abend und/oder am Wochende stattfinden. Es wurde daher nicht gänzlich auszuschließen sein, dass eine angemessene ganztägige Ausbildung zeitgleich zum Studium stattfinden würde.

Beispielsweise behauptete die Praktikantin, dass sie nur zwei Mal pro Woche an Studiengängen von je zwei Std. teilgenommen habe. Sie konnte weitere Vorträge etc. über das Netz mitverfolgen; das Eigenstudium fand am Abend und am Wochende statt. Es ist daher davon auszugehen, dass der Praktikant auch seine Pflichten aus dem Lehrvertrag in Bezug auf die Arbeitszeiten erfüllen kann.

Hinweis: Die Stellungnahme der Vereinigung für Wirtschaft und Gesellschaft Aachen ist zu begrüßen. Weil es nicht ersichtlich ist, warum es nicht möglich sein sollte, ein Studium neben einer hauptberuflichen Ausbildung zu absolvieren, wenn die Lehrveranstaltungen dies erlauben. Selbst wenn die Ausbildung zur Reiterin durchaus mehr Chancen im Bereich des Zeitmanagements bietet, sollte es auch in anderen Lehrberufen die Chance geben, neben einer Lehre ein Studium zu absolvieren.

An dieser Stelle geht es zur Pressemeldung des Verwaltungsgerichts Aachen, Entscheidung vom 03.12.2015 - 6 K 1400/15:

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